Die neue App «Tages-Anzeiger Spiele» legte fulminant los: Wenige Tage nach dem Start Mitte Dezember thronte sie auf Platz 1 der Apple-Store-Rangliste in der Kategorie Spiele. Der Höhenflug war wohl den Werbemassnahmen zum Launch der App geschuldet und dem damit geweckten Interesse. Schon bald fiel die neue App wieder aus den Toprängen. Das überrascht nicht weiter. Schliesslich zielt das neue Angebot nicht auf den Massenmarkt ab, sondern auf die bestehende Kundschaft.
«Mehrwert für unsere Abonnent:innen»
«Die Spiele-App ist in erster Linie als zusätzlicher Mehrwert für unsere Abonnent:innen konzipiert worden», erklärt Edi Estermann, Leiter Unternehmenskommunikation bei Tamedia, auf Anfrage von persoenlich.com. Die App ergänze die Nachrichten-Plattformen um ein spielerisches Angebot und solle den täglichen Kontakt mit der Marke stärken. Im Fokus steht die Kundenbindung für bestehende Abonnenten. Die Neukundengewinnung bleibt ein sekundäres Ziel.
Die App bietet täglich neue Rätsel und Spiele an. Das Angebot umfasst ein Newsquiz, in dem Nutzer ihr Wissen zum aktuellen Weltgeschehen testen können, sowie eine Wortsuche, bei der es darum geht, in sechs Versuchen das versteckte Wort zu entschlüsseln. Hinzu kommen klassische Kreuzworträtsel, Sudoku-Rätsel, das Zahlenspiel Flow, bei dem Zahlen verbunden werden, und Mosaik, ein Formenspiel. Jedes Spiel spricht andere Fähigkeiten an – von Logik über Sprachgefühl bis zu Konzentration.
Wer ein Digitalabo der Varianten Regular oder Premium für tagesanzeiger.ch abschliesst, erhält Zugang zur Spiele-App. Für Nutzer ohne Abonnement bietet Tamedia ein kostenpflichtiges Modell an: Das monatliche Abo kostet 4,90 Franken, das Jahresabo 49 Franken. Neukunden können die App zwei Wochen lang gratis testen.
Angebot soll erweitert werden
Die App verzichtet auf Werbung und setzt auf ein übersichtliches Design. In den kommenden Wochen und Monaten soll die App schrittweise auf weitere Marken in der Deutsch- und Westschweiz ausgerollt werden. Parallel dazu will Tamedia das Angebot erweitern und auch eigene, markenspezifische Spiele entwickeln.
Tamedia verfolgt mit der App zwei Ziele. «Spiele erweitern den Nutzen des bestehenden Abos klar: Sie fördern regelmässige Nutzung, schaffen neue tägliche Gewohnheiten und vertiefen die Bindung an unsere Angebote», so Estermann. Gleichzeitig hätten Spiele «das Potenzial, neue Zielgruppen für unsere Subscriptions zu gewinnen».
Die Spiele sollen neue Leser zum Nachrichtenabonnement führen und gleichzeitig bestehende Abonnenten stärker an die Marke binden. Darüber hinaus böten sie «Monetarisierungspotenzial, insbesondere durch stärkere Kundenbindung sowie zusätzliche Abonnements», schreibt Estermann. Der zentrale Nutzen liege «in der Kombination aus Marke, Qualität, Exklusivität, Community-Funktionen und Verbindung mit dem Newsabo», ergänzt er.
Bessere Sichtbarkeit in eigenständiger App
Die Entscheidung für eine eigenständige App statt einer Einbindung in die bestehende Tages-Anzeiger-App war bewusst. «Sie bietet deutlich mehr Spielraum für vertiefte Spiel- und Community-Funktionen wie persönliche Profile, Statistiken sowie Ranglisten mit Freund:innen und Familie, die wir kontinuierlich ausbauen», erklärt Estermann. Zudem stelle die eigenständige App sicher, «dass das Angebot nicht in den Newsplattformen untergeht und auch eine dedizierte Spielezielgruppe anspricht».
Mit der separaten Spiele-App folgt Tamedia internationalen Vorbildern. Vor allem im englischsprachigen Raum haben grosse Verlage längst erkannt, dass Spiele mehr sein können als nur Zeitvertrieb. Als Vorreiterin gilt die New York Times. Ab 2014 entwickelte die Zeitung ihre NYT-Games-App. Schub erhielt das Angebot, als im Jahr 2022 das beliebte Browserspiel Wordle in die App integriert wurde, das die New York Times zuvor für einen Millionenbetrag von einem unabhängigen Entwickler erworben hatte.
Separate Spiele-Apps noch selten
Auch andere renommierte Medien setzen auf eigenständige Spiele-Apps: The Telegraph bietet «Telegraph Puzzles», The Times hat «The Times Puzzles», und in Frankreich unterhält Le Figaro die App «Figaro Jeux». Im deutschsprachigen Raum sind separate Spiele-Apps hingegen noch selten – die meisten Verlage wie Die Zeit, Der Spiegel oder die NZZ integrieren ihre Rätsel weiterhin in ihre Nachrichten-App oder bieten sie als mobile Website an.

