Von den 34 Vollzeitstellen entfallen 30 auf die Publizistik. In der Deutschschweiz trifft der Abbau 28 Personen, in der Westschweiz neun. Vier weitere arbeiten im Print-Desk. Welche Titel wie stark betroffen sind, geht aus der Mitteilung vom Montag nicht hervor.
Tamedia begründet den Abbau mit einer veränderten Mediennutzung und einem stark rückläufigen Werbemarkt. Schweizer Werbegelder flössen zunehmend zu globalen Plattformen ab. Mit dem Abbau ordnet das Unternehmen die Redaktionen und die zentralen redaktionellen Funktionen neu. Aufgaben sollen gebündelt, die Administration verkleinert und Abläufe stärker automatisiert werden. Eine zentrale Rolle soll dabei die Einheit AI & Data spielen.
«Veränderungen aufgrund der neuen Marktrealität»
«Dass wir Stellen abbauen müssen, ist für mich persönlich und für die ganze Geschäftsleitung eine schwierige Konsequenz dieser notwendigen Veränderungen aufgrund der neuen Marktrealität», lässt sich CEO Jessica Peppel-Schulz in der Mitteilung zitieren.
Die Betroffenen sollen bis Ende Oktober informiert werden, in der Westschweiz vorbehältlich des Konsultationsverfahrens. Ein Sozialplan sieht unter anderem Frühpensionierungen vor. Wo möglich, sollen interne Anschlusslösungen gesucht werden. Die Personalvertretungen und die Sozialpartner wurden laut Tamedia vorgängig informiert.
Im November 2024 hatte Tamedia mit den Sozialpartnern einen Entlassungsstopp vereinbart. Dieser galt bis Ende September 2026 für die Bereiche, die von der damaligen Abbaurunde betroffen waren. In den Redaktionen fielen damals 55 Vollzeitstellen weg, 30 in der Deutschschweiz und 25 in der Westschweiz. Anfang 2026 folgte ein Abbau von bis zu 30 Stellen ausserhalb der Kernredaktionen (persoenlich.com berichtete).
Im März liess Peppel-Schulz im persoenlich.com-Interview offen, wie viele Stellen abgebaut würden, und verwies auf die laufende Transformation und die Rolle von KI. Im Juli wurde sie von der Wiener Zeitung Der Standard gefragt, ob sich die Redaktionen mit Blick auf das Ende des Entlassungsstopps Sorgen machen müssten. Die Tamedia-CEO antwortete: «Das Medienunternehmen verändert sich dynamisch weiter. Und wer das ehrlich sagt, kann keine absoluten Garantien über die Zukunft geben.»
Impressum fordert Verzicht auf Abbau
Der Berufsverband Impressum lehnt die Umstrukturierung ab und fordert Tamedia auf, auf jeglichen Stellenabbau zu verzichten. Der Personalabbau schwäche eine Presse, die für die demokratische Debatte unverzichtbar sei, teilte der Verband mit. Das Entlassungsmoratorium sei am 30. September abgelaufen. Der Verband kündigt Solidaritätsaktionen an, die sich nach den Wünschen der Medienschaffenden richten sollen.
Der Gesamtarbeitsvertrag in der Westschweiz sieht eine Konsultationsphase vor. Impressum verlangt, dass auch in der Deutschschweiz so vorgegangen wird, obwohl dort kein Gesamtarbeitsvertrag gilt. Zudem soll Tamedia die Gründe und den Zeitplan der Entscheidung offenlegen.
Die Gewerkschaft Syndicom kritisiert die Reorganisation «scharf» und fordert einen Abbaustopp, eine echte Konsultation der Mitarbeitenden und ihrer Verbände sowie einen guten Sozialplan. «Tamedia muss diesen Entscheid überdenken», sagt Vizepräsidentin Stephanie Vonarburg. Weiter sagt sie: «Nachdem das Deutschschweizer Personal seit Monaten in nichtssagenden Personalinfos hingehalten wurde, kommt nun Mitten in den Herbstferien dieser Abbauhammer. Wir verlangen einen Marschhalt und nach den Herbstferien die Eröffnung eines Konsultationsverfahrens, auch in der Deutschschweiz.» Zudem wirke das Ganze «wie ein Umgehungsversuch der Vorschriften bei Massenentlassungen». (pd/nil)
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05.10.2026 18:31 Uhr
05.10.2026 14:00 Uhr

