03.07.2023

SRF Podcasts

«Was wir machen, wollen wir richtig machen»

Nach Jahren des Experimentierens will SRF das Podcast-Angebot neu ausrichten und den Fokus schärfen. Beat Soltermann, Leiter Radio Online und Digitales Audio, erklärt im Gespräch, wo sie den Hebel ansetzen.
SRF Podcasts: «Was wir machen, wollen wir richtig machen»
Der frühere USA-Korrespondent und Redaktionsleiter «Echo der Zeit» leitet seit einem Jahr den neu geschaffenen Bereich «Digitales Audio und Radio Online»: Beat Soltermann. (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Beat Soltermann, hat SRF in den letzten Jahren das Potenzial von Podcasts überschätzt und muss nun zurückbuchstabieren (Hintergrund hier)?
Podcasts sind für SRF auch heute von grosser Bedeutung, obwohl sich gezeigt hat, dass deren Nutzung nicht in dem Umfang wächst. Heute wissen wir mehr – dank der Erfahrungen, die wir bisher mit Podcasts sammeln konnten. Die Erkenntnisse daraus sind nun in die digitale Audiostrategie eingeflossen. Wir sind ein lernendes Unternehmen und wollen unser Angebot entsprechend weiterentwickeln.

In den Top-3-Podcasts von SRF sind mit dem «Echo der Zeit» und «Maloney» zwei uralte Radiosendungen. Warum überhaupt neue Podcasts erfinden?
An zweiter Stelle ist mit «Zivadiliring» ein originärer Podcast, der beim Publikum sehr gut ankommt. Solche originären Podcasts, also Podcasts, die nicht auf Radiosendungen basieren, sollen in Zukunft ein wichtiger Pfeiler sein im gesamten Audioangebot von SRF. Unser Anspruch ist es, dass wir nicht nur Sendungen als Podcasts anbieten, sondern auch Podcasts als eigenständige Formate entwickeln.

«SRF wird weiterhin einen Inland-Podcast anbieten, einfach in einer anderen Form.»

Aufwendig produzierte Podcasts wie «#SRF Global» oder «Einfach Politik» fanden zu wenig Publikum und werden nun bis Ende Jahr eingestellt. Was hat nicht funktioniert?
Wir stellen diese Podcasts nicht ein, sondern lassen sie auslaufen. Man kann nicht generell sagen, warum die weniger gut angekommen sind beim Publikum. Jeder Podcast hat seine Eigenheiten. Klar ist aber, dass wir ein Zielpublikum anvisierten, das wir nicht erreicht haben. «Einfach Politik» war zudem eine Staffel-Produktion, die nach ein paar Jahren an ihr Ende gelangt ist, so wie das auch bei TV-Serien der Fall ist. SRF wird aber in Zukunft einen Inland-Podcast anbieten, einfach in einer anderen Form.

Warum sollen die neuen Produktionen besser beim Publikum ankommen als jene, die SRF auslaufen lässt?
Wir haben heute mit Podcasts viel mehr Erfahrung als vor fünf, sechs Jahren. Die fliesst nun in künftige Entwicklungen mit ein. Mit der Abteilung Audience verfügt SRF inzwischen über eine erweiterte Publikumsforschung, die uns unterstützt. Ausserdem bündeln wir die Ressourcen, sodass für die Produktion der Podcasts jene Mittel zur Verfügung stehen, die es wirklich braucht. Was wir machen, wollen wir richtig machen.

«Wir können auf den eigenen Plattformen sicher die User-Experience verbessern.»

SRF-Podcasts werden heute vor allem auf Spotify, Apple oder Google gehört. Mit der neuen Strategie will SRF die eigenen Plattformen stärken. Wie soll das geschehen?
Indem wir sie attraktiver und besser machen. Das klingt einfach, aber das ist natürlich ein langer Prozess. Wir können sicher die User-Experience verbessern. Aber es wird nie so sein, dass die Nutzung nur noch auf unseren eigenen Plattformen stattfindet. Drittplattformen wie Spotify werden immer eine Rolle spielen.

Die lineare Radionutzung nimmt ab und Podcasts können diesen Rückgang nicht kompensieren. Was heisst das für SRF auf mittlere Sicht?
Genau darum benötigt SRF eine digitale Audiostrategie. Unser Ziel ist es, nicht nur dieser Entwicklung Gegensteuer zu geben, sondern die Voraussetzungen zu schaffen, damit die Audionutzung stabil bleibt oder gar zulegt. Und dies mit all unseren Audio-Angeboten – egal ob im Radio oder als Podcast.


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