29.07.2026

Reuters

Sportverband stoppt falsche Zahlenangabe

Der Weltfechtverband FIE mit Sitz in Lausanne hat eine einstweilige Verfügung erwirkt: Reuters darf nicht mehr behaupten, rund 3000 Athletinnen und Trainer hätten einen kritischen offenen Brief gegen die Verbandsführung unterzeichnet.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am 5. Mai 2026 gemeldet, ein offener Brief an IOC-Präsidentin Kirsty Coventry und die FIE-Führung sei von rund 3000 Personen unterzeichnet worden, grossmehrheitlich Athletinnen und Trainer. In der ursprünglichen Fassung stand diese Zahl unbelegt im ersten Abschnitt. Der Artikel trägt inzwischen den Vermerk «Updated July 24, 2026»: Reuters hat die Zahl aus Titel und erstem Absatz entfernt, sie stattdessen dem amerikanischen Fechter Andrew Fischl zugeschrieben und ausdrücklich festgehalten, die Angabe nicht selbst unabhängig geprüft zu haben. Die Korrektur erfolgte einen Tag nach dem entsprechenden Gerichtsbeschluss vom 23. Juli 2026.

Das teilt die Hamburger Kanzlei Steinhöfel Rechtsanwälte mit, die die FIE vertritt. Laut Kanzlei hatte das Landgericht Hamburg den Antrag der FIE zunächst abgelehnt; das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg gab der Beschwerde in der Folge statt. Gemäss Gerichtsbeschluss (Az. 7 W 94/26) konnte Reuters die Richtigkeit der Zahl auch nachträglich nicht glaubhaft machen. Das Gericht stufte die ursprüngliche Aussage als unwahre Tatsachenbehauptung ein: Die Unterzeichnung sei über ein frei zugängliches Online-Formular ohne Identitätsprüfung erfolgt, fast die Hälfte der Einträge anonym, zudem sei zur Weiterleitung an Dritte aufgerufen worden. Bei fast 3000 angeblichen Athletinnen und Trainern als Unterzeichnende wiege die Aussage schwerer als bei einer entsprechenden Zahl nicht näher identifizierbarer Personen, da der durchschnittliche Leser von Athletinnen und Trainern eine grössere Sachkenntnis der Vorgänge im Verband erwarte, so das Gericht laut Kanzlei-Mitteilung. Eine von der FIE beauftragte Untersuchung der Unterzeichnerliste habe laut Mitteilung ergeben, dass sich nur ein Bruchteil der Unterzeichnenden als FIE-lizenzierte Athletinnen oder Trainer zuordnen liess.

«Die haltlose Behauptung, die Reuters veröffentlichte, war die einzige Grundlage für die weltweite Aufmerksamkeit, die dieser Brief erhalten hat», lässt sich FIE-Interimspräsident Abdelmoneim El Husseiny in der Mitteilung zitieren. Rechtsanwalt Joachim Nikolaus Steinhöfel von Steinhöfel Rechtsanwälte, der die FIE vertritt, ergänzt: Der Initiator des Beschwerdebriefs habe schon vor dessen Absendung öffentlich zur Manipulation der Unterzeichnerliste aufgerufen. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung gegen das Verbot droht Reuters laut Mitteilung ein Ordnungsgeld von bis zu 250'000 Euro, ersatzweise Ordnungshaft.

Hintergrund des Streits ist die umstrittene Wiederwahl des russisch-usbekischen Milliardärs Alisher Usmanov zum FIE-Präsidenten im November 2024, wie Reuters berichtete. Usmanov hatte das Amt von 2008 bis 2022 innegehabt und war nach der EU-Sanktionierung infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine zurückgetreten, ehe ihn auch Grossbritannien und die USA sanktionierten. Der frühere Interimspräsident Emmanuel Katsiadakis sei laut Reuters zurückgetreten, nachdem er sich geweigert habe, einen an US-Präsident Donald Trump adressierten Brief zur Aufhebung der Sanktionen gegen Usmanov zu unterzeichnen. (pd/nil)


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