27.05.2021

CH Media

«Wir haben unsere eigene Vision»

Früher als angekündigt ist ArgoviaToday an den Start gegangen. Es ist die dritte regionale Newsplattform von CH Media nach FM1Today in der Ostschweiz und PilatusToday in der Zentralschweiz. Das Führungsduo Stephan Gassner und Stephan Weber mit Hintergründen.
CH Media: «Wir haben unsere eigene Vision»
Leiten ArgoviaToday (v.l.): Stephan Gassner, Chefredaktor elektronische Medien Aargau, und Stephan Weber, Leiter Radio/Online. (Bilder: CH Media)

Herr Gassner und Herr Weber, wir müssen Vorurteile klären: Tragen Sie weisse Socken, fahren schlecht Auto und essen gerne Rüeblitorte?
Stephan Weber: Ich trage tatsächlich manchmal weisse Socken und muss mir – ausserhalb des Kantonsgebiets – immer mal wieder den einen oder anderen Spruch anhören. Mich amüsieren diese Klischees. Sie sind doch irgendwie auch ein Zeichen unserer regionalen Vielfalt. Ich fahre übrigens meist ÖV. Kein Grund zur Sorge also.

Stephan Gassner: Seit ich 1998 mein letztes Tennismatch verloren habe, sind mir weisse Socken nicht mehr in den Kleiderschrank gekommen. Verfärben ja auch ständig. Aber sonst würde ich sie natürlich mit Stolz tragen. Und überhaupt: Man soll uns nur «zäukeln» mit diesen Klischees. Wir Aargauer vertragen das.

Woher kommt eigentlich dieses weitverbreitete Bild über die Aargauer?
Gassner: Der pure Neid. Wir sind halt ein bodenständiges Flachlandvölkchen (lacht).

Nun ist ArgoviaToday gestartet (persoenlich.com berichtete). Das primäre Ziel wird aber nicht sein, mit solchen Vorurteilen aufzuräumen?
Weber: Natürlich nicht. Unsere Zielgruppe ist klar definiert. Wir wollen vor allem ein junges Publikum abholen, wollen ihnen kompakte News aus der Region liefern, schnell sein, unterhalten und auch mal überraschen.

Gassner: Ziel ist es, ein jüngeres Publikum zu begeistern, ihnen Inhalte zu bieten, die sie ansprechen – aus dem Leben halt. Dazu zählen auch packende Videos aus der Region.

«Der Themenschwerpunkt liegt ganz klar in der Region»

Hoffen Sie aber darauf, dass sich auch User ausserhalb des Sendegebiets von Radio Argovia und Tele M1 auf ArgoviaToday informieren?
Weber: In erster Linie wollen wir die Community aus dem Mittelland abholen. Von Spreitenbach bis Olten und von Koblenz bis Wiliberg. Doch auch die Clubschliessung in Basel oder der Tramunfall in Zürich sind für uns relevant, denn die angrenzenden Kantone sind gerade durch das Fricktal oder das Freiamt eng verknüpft mit dem Aargau. Wenn wir dadurch noch einige Basler, Luzerner oder Zürcher User abholen können, umso besser.

Gassner: Der Themenschwerpunkt liegt ganz klar in der Region. Wir haben im Aargau den Heimvorteil, diesen müssen und werden wir ausspielen. Wer sich bei ArgoviaToday informiert, wird auch Geschichten aus der Region erhalten, die er sonst nirgends online findet. Aber natürlich bieten wir den vollen Service. Auch das nationale und internationale Geschehen findet bei uns statt.

Wie bei den anderen Today-Portalen soll auch ArgoviaToday eine Ergänzung zu den Sendern sein. Wie stellen Sie sich das konkret vor?
Gassner: Es ist eine sehr enge Zusammenarbeit. Wir profitieren gegenseitig von Inhalten und nutzen auch die personelle Manpower. Videomaterial, das ein Tele-M1-VJ macht, steht zum Beispiel innert Minuten ArgoviaToday zur Verfügung und ein O-Ton ebenfalls Radio Argovia. So können wir, gerade bei Grossereignissen in der Region, noch schneller reagieren.

ArgoviaToday startet gut 14 Monate nach PilatusToday. Vorbild ist FM1Today. Machen Sie einfach Copy-and-paste?
Weber: Tatsächlich konnten wir viel von unseren Kolleginnen und Kollegen in Luzern und St. Gallen profitieren. Das CMS zum Beispiel muss man im Aargau nicht neu erfinden, es ist bereits hier. Auch gewisse Abläufe im Alltag müssen wir nicht neu definieren. Und dennoch: Das Argovialand ist nicht das FM1- oder das Pilatusland. Wir haben unsere eigene Vision und wollen unsere eigene Geschichte schreiben.

Gassner: Wir profitieren von den erprobten technischen Abläufen. Guter Journalismus entsteht aber durch eigene Geschichten aus der Region. Da liegt es an den motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von ArgoviaToday, ein tolles Produkt zu lancieren.

«Wir hatten und haben einen super Austausch»

Wie stark haben Sie im Vorfeld mit den Machern der bereits bestehenden Portale zusammengearbeitet?
Weber: Wir hatten und haben einen super Austausch. Gerade in den letzten Wochen war es für das Team unglaublich wichtig, sich mit den Macherinnen und Machern der bestehenden Todays auszutauschen und von ihren Erfahrungen zu profitieren. Wir waren auch in St. Gallen und Luzern vor Ort. Eine Art Klassenfahrt. Coronabedingt leider in etwas kleineren Teams.

Und wo lagen die Schwierigkeiten während der Vorbereitungen?
Gassner: Innert einem Monat entstand in Aarau eine konvergente Redaktion. Alle neuen ArgoviaToday-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sind anfangs Mai gestartet und haben nur wenige Tage bis zum Go-live. Ausserdem wurde in dieser Zeit auch noch Radio Argovia im Newsroom in der Telli integriert.

Sie haben das Team für ArgoviaToday zusammengestellt. Wie haben Sie selektiert?
Gassner: Es blieb wenig Zeit, die insgesamt 14-köpfige Crew zusammenzustellen. Wir haben stark darauf geachtet, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Bezug zur Region haben. Am wichtigsten waren uns aber das Feuer und der grosse Wille, ein neues journalistisches Kapitel im Aargau zu schreiben.

Wird das ArgoviaToday-Team vor allem News von Tele M1 und Radio Argovia online aufbereiten – oder gehen auch Online-Inputs zu den Sendern?
Weber: Die Idee des konvergenten Newsrooms ist ein Austausch unter allen Kanälen. Today kann mal von gutem Bildmaterial aus dem TV profitieren. Das Radio kann aber genauso von einer Recherche eines Online-Journalisten profitieren. Entscheidend sind das gegenseitige Verständnis und das Verstehen der Bedürfnisse der jeweiligen Kanäle. Dann profitieren alle.

Wäre ein ArgoviaToday-Teammitglied auch fähig dazu, einen pfannenfertigen TV- oder Radiobeitrag abzuliefern?
Gassner: Einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ArgoviaToday werden durchaus fähig sein, auch einen Radio- oder TV-Beitrag zu produzieren. Wir achten aber auch darauf, dass wir uns nicht verzetteln. Es geht darum, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da einzusetzen, wo sie ihre Stärken haben. Das kann in zwei oder sogar drei Vektoren sein.

Sie arbeiten zusammen mit Ihrem Team im gleichen Raum wie Radio, TV und Print. Wie hält man diesen Geräuschpegel aus?
Gassner: Fragen Sie mich in einem Monat wieder (lacht).

CH Media_Team_ArgoviaToday


Sie beide wurden
als Führungsteam für ArgoviaToday gewählt. Was können Sie, Herr Gassner, besser als Stephan Weber?
Gassner: Ich habe in den 23 Jahren im tagesaktuellen Newsbereich doch schon einige Stürme erlebt. Diese Erfahrung hilft einem, in hektischen Phasen ruhig zu bleiben. Ich schlafe also immer noch gut (lacht). Ausserdem konnte ich in dieser Zeit ein grosses Beziehungsnetz in der Region aufbauen. Im Tagesgeschäft braucht es jetzt aber vor allem die Dynamik von ArgoviaToday-Leiter Stephan Weber. Er ist ausserdem ein sehr versierter Journalist und ein absoluter Social-Media-Profi.

Und Sie, Herr Weber, wie ergänzen Sie Ihren Vornamensvetter?
Weber: Ich gehöre zur Generation Y und bin als Digital Native aufgewachsen. Ich bin nah bei unserer Zielgruppe und habe sowohl als TV-, Radio- und Onlinejournalist gearbeitet. Als Reporter und TV-Korrespondent habe ich den Aufbau des SRF-Newsrooms in Zürich täglich miterlebt. All diese Erfahrungen kann ich einfliessen lassen. Doch eines ist klar: Ohne die Führungserfahrung, das Know-how und den kühlen Kopf von Stephan Gassner geht es nicht.

«Wir überlegen, diskutieren und dann handeln wir»

Sie kommen von SRF. Was kann CH Media besser?
Weber: Es geht nicht darum, wer was besser kann. SRF war eine unglaublich lehrreiche Zeit. Aber natürlich gibt es Unterschiede. SRF ist ein grosses, manchmal etwas schwerfälliges Schiff, wo man das Ruder nicht einfach so herumreissen kann. Das muss so sein und es ist in Ordnung. Hier sind die Prozesse jedoch schneller, der Alltag – gerade jetzt in der Aufbauphase – ist dynamischer. Wir überlegen, diskutieren und dann handeln wir. Wir setzen auch einmal auf «Trial-and-Error». Diese Start-up-Atmosphäre ist beflügelnd, motiviert mich und hoffentlich auch mein Team.

Und was vermissen Sie? Ist es die in Aarau fehlende Kantine? Stattdessen müssen Sie sich ja auf einem Parkplatz an einem Foodtruck verköstigen …
Weber: Da sprechen Sie einen wunden Punkt an (lacht). Ja, die Kantine fehlt, aber die Alternative haben Sie ja soeben angesprochen. Es gibt täglich einen anderen Foodtruck, und wir haben gute «Beizen» und Take-aways in der Nähe. So kann man an der frischen Luft auch gleich noch etwas den Kopf freikriegen.

Zum Schluss: Warum glauben Sie an den Erfolg von ArgoviaToday?
Weber: Weil wir unserem Team die Leidenschaft für regionalen Journalismus weitergeben werden und weil die Zukunft der elektronischen Medien trimedial ist.

Gassner: Weil wir den Journalismus leben und unsere Region lieben.


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KOMMENTARE

Rudolf Penzinger
27.05.2021 07:39 Uhr
Viel versprechend; nur eines stört gewaltig: Auf dem Portal ist ständig von einem "Argovialand" die Rede. Ein solches existiert bestenfalls in den Hirnen einiger Marketingfritzen, keineswegs in der Realität. Oder will man damit die Fusion "Aargau-Solothurn" forcieren, die schon Radio SRF misslungen ist. Der Aargau ist nicht nach Solothurn und Solothurn nicht nach dem Aargau ausgerichtet. Da folgt man einem Verlagskonstrukt, das der eigenen Not gehorcht.
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