Herr Bucher, die EM steht vor der Tür. MoTV ist noch nicht auf Sendung. Wie sehr schmerzt Sie das?
Nicht besonders. Unsere ursprünglichen Pläne zur Euro 08 waren so komplex und teuer, dass wir sie aus heutiger Sicht wahrscheinlich ohnehin nie hätten umsetzen können. Wir hatten stets Zweifel, ob ein so wichtiger Anlass wie die Euro der richtige Moment gewesen wäre, um mit dieser völlig neuen, noch lückenhaften Technologie loszulegen. Das bestätigt sich nun. Insofern hält sich das Bedauern in Grenzen.
Welches sind die Hürden, die Sie noch nicht überwinden konnten?
Vor allem die finanziellen. Wir sind noch immer auf der Suche nach dem nötigen Kapital für unser Projekt. Wir machen dabei wie andere die Erfahrung, dass es hierzulande unheimlich schwierig ist, Investoren für ein junges Unternehmen zu finden.
Weshalb halten sich die potenziellen Kapitalgeber zurück -- obwohl Branchenkenner Mobile-TV ein grosses Marktpotenzial voraussagen?
Die Kapitalgeber wollen für ihr angelegtes Geld möglichst eine Rendite erzielen -- und das am liebsten möglichst bald. Unser Zeithorizont aber ist längerfristig. Wir rechnen damit, in zwei bis drei Jahren Break-Even zu erreichen. Trotzdem sind wir überzeugt davon, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Einstieg gekommen ist. Die technischen Voraussetzungen für Made-for-Mobile TV sind heute da. Und ein früher Einstieg hat den Vorteil, dass wir in diesem hoch komplexen Tätigkeitsfeld erste Erfahrungen sammeln können, die später entscheidend sein werden.
Wieviel Geld brauchen Sie?
Wir haben bereits einen Geldgeber gefunden, sind aber auf weitere angewiesen, um die Grundfinanzierung zu erreichen. Unsere Minimalvorstellungen gehen von einem Betrag von einer Million Franken aus. Damit könnten wir zumindest in der Deutschschweiz mit MoTV loslegen und damit den Beweis erbringen, dass wir auch in diesem kleinen Markt mit bloss ca. 4.5 Millionen Einwohnern unser Baby erfreulich entwickeln können. Wir würden es aber vorziehen, so viele Mittel zu erhalten, um im gesamten deutschsprachigen Raum unsere Aktivitäten entfalten zu können. Dann würden wir so richtig viel Geld verdienen.
Sie wollen Ihr Programm über das Swisscom-Netz anbieten. Läge es da nicht nahe, dass die Swisscom die Mittel einschiesst?
Sowohl in Deutschland als auch Österreich sind die technischen Konzessionsnehmer und Inhaltanbieter getrennt. Das ist bei uns in der Schweiz nicht so. Ich selber befürworte, dass diese beiden Aufgaben auseinander gehalten werden. Wir würden aber heute sicherlich nicht kategorisch Nein sagen, wenn die Swisscom anklopfen würde. Man müsste aber über die Vor- Und Nachteile genau sprechen.
Wie wird das Programm von MoTV aussehen?
Unser Programm ist auf Menschen zugeschnitten, die in Bewegung sind. Wir bieten "Snacks & Flashes" für ein junges, urbanes Publikum -- also viel Information, Unterhaltung und Lifestyle in kurzen Sequenzen. Auf Spielfilme verzichten wir, im Gegenzug spielt Musik eine herausragende Rolle.
Wie gross ist Ihr Zielpublikum -- DVB-H ist ja derzeit bloss mit dem Nokia N77 zu empfangen?
Wir gehen davon aus, dass wir sofort 250'000 potenzielle Empfänger erreichen können, da wir über DVB-H und UMTS senden werden. Bei Swisscom gibt es nach meinen Schätzungen ca. 400'000 multimedial genutzte UMTS-Handys im Netz. Wie schnell es uns gelingt, diese Zielgruppe regelmässig zu erreichen, werden wir sehen. Allzu viele müssen es nämlich nicht sein, Hauptsache ist, wir können diese die kommen nachhaltig binden.
Sie haben vorhin von den finanziellen Hürden gesprochen. Wie sieht es in technischer Hinsicht aus?
Betrachtet man, was sein könnte -- ich spreche vor allem die Interaktivität an, welche die Handys grundsätzlich bieten -- stehen wir noch nirgends. Aber was die Empfangsqualität betrifft, ist viel erreicht -- die Bildqualität ist heute erstklassig. Immerhin werden bereits 44 Prozent der Bevölkerung vom DVB-H-Signal versorgt. Nun müssen nur noch die Endgeräte, sprich Monitore, grösser werden.
Was bedeutet das Wegfallen der Interaktivität für MoTV?
Es hat zur Folge, dass wir unser Business-Modell komplett umstellen mussten. Der User kann zwar per SMS mit uns interagieren, aber es kommt dabei auf dem Handy zu einem Medienbruch. Der Kunde ist gezwungen, aus dem Mobile-TV-Programm auszusteigen, um mit uns Kontakt aufzunehmen. Für uns bedeutet dies, dass Video-on-Demand-Angebote als direkte Einnahmequelle wegfallen. Wir sind damit fast ausschliesslich auf den Werbemarkt angewiesen. Wir glauben aber, dass es genügend innovative Auftraggeber in der Schweiz geben wird, die bei uns werben werden.
Sie haben am Dienstag an einer IGEM-Veranstaltung Ihr Projekt vorgestellt -- die Werbefachleute zeigten sich skeptisch. Wie wollen Sie die Fachwelt von MoTV überzeugen?
Durch Begeisterung. Wir werden den Beweis erbringen, dass wir die Leute, die wir adressieren, mit unserem Programm begeistern können. Unsere Inhalte müssen unverzichtbar, cool und sexy sein. Dann wird auch die Werbeindustrie zu uns finden, wie in anderen Medien auch. Dank der hervorragenden Bildqualität und dem günstigen Preis für das Angebot -- 20 TV-Kanäle für 16 Franken monatlich -- ist das Angebot mittlerweile auch attraktiv.
Sie kämpfen seit zwei Jahren schon für die Durchsetzung von Mobile-TV - der Weg ist hart und steinig. Glauben Sie noch uneingeschränkt an Ihr Projekt?
Ja klar. Ich bin sehr optimistisch, dass wir noch in diesem Jahr starten können. Der nächste Termin ist die Olympiade im August. Gelingt es uns bis dann nicht, die finanzielle Basis zu schaffen, werden wir ganz sicher noch vor Weihnachten loslegen.
(Interview: David Vonplon)

