Patrik Müller, wenn das SwissMediaForum ein musikalischer Beitrag am Eurovision Song Contest (ESC) wäre, wie würde der Song klingen?
Er wäre wohl zu wenig schrill, um es dorthin zu schaffen. Aber der Song hätte Partien in Dur und Moll, spiegelbildlich zum Zustand der Medienbranche.
Das diesjährige SwissMediaForum startet am Donnerstag. Am selben Abend findet das zweite ESC-Halbfinale statt. Hätten Sie nicht besser planen können?
Die Frage ist doch: Hätte der ESC nicht besser planen können? Wir waren zuerst.
Eine Verschiebung des Events war nie eine Option?
Nein, und es ist ja auch nur das Halbfinale am Donnerstag, das uns tangiert. Abgesehen davon: Wir erwarten am Freitag einen Gruss aus Basel – von Michelle Hunziker persönlich.
Wird wenigstens am Medien-Dinner vom Donnerstagabend eine Leinwand aufgestellt für Fans?
In der Bar des «National», ja.
Gab es viele Absagen mit der Begründung, dass der Song Contest stattfinde?
Nein, unsere Teilnehmerzahl liegt sogar leicht höher als im Vorjahr.
Hatte der ESC Auswirkungen auf die Programmgestaltung?
Nein.
«Martin Schlegel ist mindestens so spannend wie ein Bundesrat»
Mir ist aufgefallen, dass sich das Programm am Freitag auf dem Schiff deutlich von den Vorjahren unterscheidet: Kein Bundesrat, keine Elefantenrunde. Gibt es einen Grund dafür?
Der Bundesrat – Aussenminister Ignazio Cassis – und die Elefantenrunde sind am Donnerstag programmiert, wie wir es früher auch schon hatten. Am Freitag haben wir dafür den neuen Nationalbankchef auf der Bühne. In Zeiten von Zollkrieg, Währungsturbulenzen und Rezessionsängsten ist Martin Schlegel mindestens so spannend wie ein Bundesrat.
Also lohnt es sich, mit dem Kongressschiff abzulegen?
Auf jeden Fall. Nebst dem Nationalbankchef treten mehrere Referentinnen und Referenten zum Thema KI auf. Vorgestellt werden Beispiele aus Redaktionen, die zeigen, wie KI ganz konkret zur Anwendung kommt. Und wir hören den Verleger Sébastien Voisard aus dem Jura, der darlegt, wie ein kleines Medienhaus in einer eher strukturschwachen Region seine Eigenständigkeit behauptet.
Welche Herausforderungen gab es in diesem Jahr?
Die grösste Herausforderung ist immer, relevant und zugleich aktuell zu sein. Es ist wie im Journalismus. Ich hoffe, das ist uns gelungen.
«Beim Timing hatten wir das Glück der Tüchtigen»
Auf welchen Programmpunkt freuen Sie sich am meisten?
Auf die amerikanische Karikaturistin Ann Telnaes. Sie machte international Schlagzeilen, weil ein Cartoon von ihr nicht in der Washington Post erscheinen durfte. Er zeigte Jeff Bezos, der sich bei Donald Trump anbiedert. Letzte Woche bekam Ann den Pulitzerpreis dafür. Beim Timing hatten wir, würde ich sagen, das Glück der Tüchtigen.
Und auf welchen sonst noch?
Eine schöne Tradition und immer inspirierend ist der Programmpunkt, den die Jungen Journalistinnen und Journalisten Schweiz jeweils bestreiten. Dieses Jahr geht es um neue Perspektiven für junge Medienschaffende. Ich bin gespannt darauf.
Die Elefantenrunde steht unter dem Motto «Navigieren im Sturm: Wohin steuern die grossen Medienhäuser?». Wie erleben Sie persönlich als CH-Media-Chefredaktor diesen Sturm?
Es stürmt, seit ich vor 18 Jahren erstmals Chefredaktor wurde. Mal stärker, mal weniger stark. Zurzeit eher wieder stärker.
Sie werden das SwissMediaForum erneut zusammen mit Co-Programmleiter Arthur Rutishauser eröffnen. Dieser ist ja nach der Dokumentation «Game Over» mittlerweile ein Kinostar. Stiehlt er Ihnen die Show?
Hoffentlich. Ich finde den Film top. Im SwissMediaForum-Publikum haben ihn wohl die meisten gesehen. Zwei Teilnehmende sagten mir letzte Woche, sie würden kurz vor dem Forum noch ins Kino gehen, um dann in Luzern mitreden zu können.
Übrigens: 2011 fand die erste Ausgabe statt. Dieses Jahr ist es die 13. Sie sind hoffentlich nicht abergläubisch …
Oh, ich hab gar nicht mitgezählt. Nein, das bin ich definitiv nicht.
Zurück zum Eurovision Song Contest: Am Samstag ist das Finale, an dem Zoë Më die Schweiz mit «Voyage» vertritt. Wo werden Sie sich die Show anschauen?
Mit der Familie vor dem Fernseher.


