Die Antwort auf die zweitletzte Frage hat es in sich. Eigentlich ging es im Interview des Sonntagsblick mit Véronique Haller um den Umgang mit Donald Trump. Als langjährige Diplomatin und Bundesratsberaterin konnte Haller dazu kompetent Auskunft geben. Doch dann fragte der Journalist unvermittelt: «Sie wollten die Agentur Furrerhugi übernehmen, haben diese aber überraschend verlassen?» Haller bestätigt in ihrer Antwort, dass sie «Teil des internen Nachfolgeprozesses» gewesen sei, «in dessen Verlauf wir eine mögliche Übernahme prüften».
Auf Nachfrage von persoenlich.com relativiert sie die Aussage einer «möglichen Übernahme» insofern, als dass sie «Teil eines Prozesses» gewesen sei, «in welchem wir offen die unternehmerische und inhabergeführte Weiterentwicklung der Agentur diskutierten.» Als Véronique Haller zusammen mit Lisa Kneubühler im Juni in die Geschäftsleitung der Berner Agentur für Public Affairs und Public Relations nachrückte, schrieb das Unternehmen, dieser Schritt solle sicherstellen, «dass sich Furrerhugi auch in Zukunft erfolgreich und inhabergeführt weiterentwickle» – mit Haller und Kneubühler als möglichen künftigen Inhaberinnen. Haller arbeitete davor im diplomatischen Dienst und als persönliche Beraterin von Bundesrat Alain Berset. Kneubühler kam nach Stationen bei Farner, UBS und der Bankiervereinigung zu Furrerhugi. Die beiden Frauen beteiligten sich zudem an der Agentur und unterstrichen «damit ihren Willen zur langfristigen Bindung an Furrerhugi», wie es damals in einer Medienmitteilung hiess.
«Kamen zum Schluss, dass wir diesen Prozess nicht weiterführen möchten»
Sehr lange dauerte das Engagement nicht. Wie Haller gegenüber Sonntagsblick weiter sagte, stellten sie und Lisa Kneubühler im Laufe der Verhandlungen um eine mögliche Nachfolgelösung fest, «dass unsere Vorstellungen zur strategischen Ausrichtung der Agentur nicht mit denjenigen der Gründer übereinstimmen.» Mitgründer Andreas Hugi schreibt auf Anfrage, man sei deshalb «gemeinsam zum Schluss gelangt, dass wir diesen Prozess nicht weiterführen möchten».
Kneubühler und Haller haben Furrerhugi bereits im vergangenen Frühling verlassen. Die Geschäftsleitung besteht wie vor dem Zugang der beiden Frauen wieder aus den namengebenden Andreas Hugi und Lorenz Furrer sowie Lorenz Jaggi als COO und Helen Willi als Finanz- und Personalchefin.
Derweil zogen Lisa Kneubühler und Véronique Haller gemeinsam weiter und gründeten zusammen die Firma Momentum Strategists. Haller schrieb dazu auf LinkedIn, nach Jahren in Diplomatie, Politik und Agentur gehe sie einen Schritt weiter und werde jetzt Unternehmerin. Das fühle sich «sowohl wie eine Fortsetzung als auch wie ein Neuanfang» an. Das Geschäftsprofil unterscheidet sich nicht substanziell von ihrem letzten Arbeitsplatz. Momentum Strategists bietet Dienstleistungen in Bereichen wie strategische Kommunikation, Public Affairs, Reputationsmanagement oder Öffentlichkeitsarbeit.

