02.08.2026

Nach der Arbeit

«Kein Flug ist wie der andere»

Die langjährige Journalistin Nicole Meier arbeitet heute als Mediensprecherin der Swiss. Wenn sie sich nicht um die Kommunikation der Fluggesellschaft kümmert, sitzt sie selber im Cockpit und fliegt Kleinflugzeuge. In der Sommerserie erzählt sie, wie aus einem Jugendtraum eine Passion wurde – und wohin sie gerne mal fliegen möchte.
Nach der Arbeit: «Kein Flug ist wie der andere»
«Einfach anfangen und nicht lange zögern», empfiehlt Nicole Meier allen, die auch fliegen möchten. (Bilder: zVg)

Nicole Meier, wann und wie sind Sie zu Ihrem Hobby gekommen?
Fliegen war schon lange ein Traum von mir. Verwirklicht habe ich ihn aber erst vor ein paar Jahren – auch, weil ich beim Joggen, Biken, Reiten oder Langlaufen immer wieder an Flugplätzen vorbeikam. Eines Tages dachte ich: «Das ist ein Zeichen, jetzt packe ich es an!»

Was hat Sie so gepackt, dass Sie dabeigeblieben sind?
Kein Flug ist wie der andere. Mich fasziniert das Zusammenspiel von Technik, Navigation, Wetter, sorgfältiger Planung und situativen Entscheidungen. Man sieht die Welt aus völlig neuen Perspektiven. Ich fliege bei der Motorfluggruppe Zürich am Flughafen Zürich. Ich starte und lande mit der Cessna 172 oder der Sonaca S201, also zwischen den grossen Airlinern – das ist unglaublich spektakulär.

Wie viel Raum nimmt das Hobby in Ihrem Leben ein – zeitlich, aber auch gedanklich?
Die Ausbildung habe ich während der Corona-Pandemie absolviert. Heute ist das Fliegen ein fester Bestandteil meiner Freizeit. Inzwischen hebe ich eher von Flugplätzen ab, als dass ich daran vorbeireiten oder -joggen würde.

Wie haben Ihre Arbeitskollegen reagiert, als Sie zum ersten Mal von Ihrem Hobby erzählt haben?
Als ich die Ausbildung begonnen habe, war ich Chefredaktorin bei Keystone-SDA. Das Interesse war grösser, als ich erwartet hatte. Die Reaktionen reichten von «Das war auch lange mein Traum» über «Wann nimmst du mich mal mit?» bis hin zu «Mit meiner Flugangst wäre das nichts für mich.»

Wie gestaltet sich die Vereinbarkeit zwischen Job und Hobby?
Das Hobby findet in meiner Freizeit statt. Seit Anfang 2026 arbeite ich als Mediensprecherin und Chefin vom Dienst im Newsroom der Fluggesellschaft Swiss. Da profitiere ich im Alltag davon, dass ich die Abläufe und die Welt der Aviatik auch aus eigener Erfahrung kenne.

Was finden Sie in Ihrem Hobby, was Ihnen der Beruf nicht gibt?
Für mich ergänzt sich beides. Das Schönste am Fliegen im Kleinflugzeug sind für mich die Perspektiven aus dem Cockpit. Zudem die Möglichkeit, immer wieder neue Orte kennenzulernen, die man sonst nicht besuchen würde – von kleinen Flugplätzen bis zu den Inseln im Ärmelkanal.

Gibt es etwas – eine Fähigkeit, eine Haltung, eine Denkweise –, das Sie aus Ihrem Hobby in den Beruf mitbringen? Und umgekehrt?
Es gibt viele Gemeinsamkeiten: Gute Vorbereitung, das Einhalten von Prozessen, verantwortungsvolles Handeln, klare Kommunikation, Risikobewusstsein und Teamarbeit sind sowohl beim Fliegen als auch im beruflichen Alltag entscheidend. Und: Man lernt nie aus.

Haben Sie schon damit geliebäugelt, einen Job näher an Ihrem Hobby zu suchen?
Das habe ich bereits getan: Seit Anfang 2026 arbeite ich in der Kommunikation der Swiss.

Wenn sich nun jemand von Ihrem Hobby inspiriert fühlt: Haben Sie Tipps für einen problemlosen Einstieg?
Einfach anfangen und nicht lange zögern. Viele Flugschulen bieten Schnupperflüge an – da darf man mit einem Fluglehrer oder einer Fluglehrerin am Doppelsteuer selbst fliegen. Wenn es einen packt und man bereit ist, Zeit und Ressourcen zu investieren, sollte man sich am besten gleich für die Ausbildung anmelden.

Welches nächste grosse Ziel oder Projekt haben Sie sich für Ihr Hobby gesetzt?
Ein Highlight liegt gerade hinter mir: Mitte Juni sind wir von der Motorfluggruppe Zürich aus nach Südengland, Wales und auf die Kanalinseln geflogen – zwölf Pilotinnen und Piloten mit vier Flugzeugen. Das war fliegerisch, menschlich und landschaftlich absolut grossartig. Letztes Jahr waren wir unter anderem in Gibraltar und Melilla. Gerne würde ich einmal in den Norden – nach Sylt, Föhr oder Helgoland zum Beispiel. Ein grosser Traum ist zudem ein Buschpilotentraining im südlichen Afrika. Aber das eilt nicht.



In der Sommerserie «Nach der Arbeit» stellt persoenlich.com zehn Fragen an Menschen aus der Medien- und Kommunikationsbranche, die neben dem Beruf einer besonderen Leidenschaft nachgehen. Eine Übersicht aller bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.

 


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