TV-Kritik

Alter Schnee mit Epiney

Am Neste kann man sehen, was für ein Vogel darin wohnt. «Wer wohnt da?», heisst eine langjährige Kultkolumne von «NZZ-Folio». Im interaktiven Gespräch sind Ende Oktober im NZZ-Foyer erstmals die Leser dazu gefragt. Das Publikum soll anhand von Bildern herausfinden, was für Menschen sich da wohl inszenieren. Aus der Grundidee der NZZ hat SRF nun eine Samstagabendsendung gemacht. Titel: «Wer wohnt wo?». Produzenten sind die bekannten TV-Gesichter Björn Hering und Max Loong mit ihrer Firma «Mediafisch».

Epiney zieht mit fünf Mitspielern von Haus zu Haus. Diese müssen herausfinden, welches Zuhause welcher Person aus ihrer Gruppe gehört. In der ersten Sendung wurden Wohnträume gezeigt, die in einer alten Schuhfabrik, in einer Scheune, in einem Graffiti-Haus in einer alten Spinnerei und in einem Landhaus umgesetzt worden sind – und gelebt werden. Die recht gut gecasteten Kandidaten waren in dem Spiel rasch zu Hause. Mitunter gerieten sie etwas aus dem Häuschen.

Bis zur Auflösung am Schluss kommt bei den Häuserbesichtigungen kaum Spannung auf. Anregend ist ansonsten höchstens noch zu beobachten, ob, wie, und mit welcher Taktik es die Mitspieler schaffen, sich in der eigenen Wohnung nicht zu verraten. Mal schauen, ob «Wer wohnt wo?» vor vollem Haus lief.

Ich kann mir dieses auf Sand gebaute und von einem multinationalen Einrichtungskonzern gesponserte Format bestenfalls in der Freitagsreihe «SRF bi de Lüt» vorstellen. Mit Samstagabendshows verhält es sich halt nach wie vor sowie mit IKEA-Regalen: Nur die wenigsten können sie aufbauen.

 


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Yvonne Jenny
19.09.2018 09:14 Uhr
Es brauchte doch ein Format für Epiney, damit er sich nicht langweilt. Dafür dürfen sich jetzt die Zuschauer langweilen. Was für eine lächerliche Sendung. Hier sieht man einmal mehr, wie unkreativ die SRF-Leute arbeiten. Statt auf innovative Köpfe zu setzen, bedienen sie sich wie schon so oft an irgendwelche selbsternannte Kreative, die kein Gespür für Unterhaltung haben.
Kommentarfunktion wurde geschlossen