TV-Kritik

Endlich helle Köpfe im SRF-«Club»

Der SRF-«Club» wurde optisch aufgefrischt – mit einem neuen Dekor (persoenlich.com berichtete). Das Studio ist nun besser ausgeleuchtet, und damit auch die Gesichter der Gäste. Das ist es dann schon. Die Zuschauer müssen sich bei einer TV-Sendung auch durch ihren äusseren Eindruck ein bisschen zuhause fühlen. Das ist nicht gelungen, ich fühlte mich ungemütlich. Die immer wieder sichtbaren Scheinwerfer im Hintergrund störten das Auge. Gutes Design muss unaufdringlich sein. Und Teppiche sind in einem modernen Studio längst passé.

Wichtiger als das Dekor ist und bleibt das, was in einem Studio stattfindet, der Inhalt einer darin produzierten Sendung. Die erste Ausgabe mit neuem Erscheinungsbild war zwar lichterfüllt, aber nicht erleuchtend. Hell heisst auch klarblickend. Wie schon oft hat Moderatorin Barbara Lüthi im Vorfeld viel versprochen, dann aber wenig gehalten. Das Thema der: aktuellen Ausgabe: «Erfolgsmodell Schweiz: Sind wir noch gut genug für die Zukunft?»

Gescheite Menschen wie der Lausanner ETH-Präsident Martin Vetterli, der ehemalige Spitzernsportler Hippolyt Kempf, die frühere Lokalpolitikerin Sandra Weber, der Publizist Markus Somm und Laura Zimmermann (Operation Libero) parlierten mehr als eine Stunde über vieles ein bisschen: Bildung, Engagement in der Politik, Leistungssport, Wohlstand, Gleichberechtigung, Überregulierung, Eigenverantwortung, mangelnde Solidarität – oder Rahmenabkommen.

Wie des Öfteren unterbrach die Moderatorin genau dann, wenn sich etwas Spannung anbahnte. Markus Somm könnte ein Lied davon singen. Am Schluss war man als Zuschauer so klug wie zuvor. Inzwischen nervig: Die Neunmalkluge Laura Zimmermann. Die Lieblings-Politaktivistin des Schweizer Fernsehens belächelt gerne Mitdiskutanten und schüttelt ihren Kopf, wenn diese eine andere Meinung vertreten. «Wir hätten noch lange weiter diskutieren können», sagte Barbara Lüthi zum Schluss der schwachen Vorstellung. Schön, ist uns das auch diesmal erspart geblieben.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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