Zum siebten Mal in Folge war das ZDF 2018 in Deutschland der erfolgreichste Sender. Auch die Schweizer mögen das Programm der Mainzer von allen ausländischen Sendern am liebsten: Beim Gesamtpublikum liegt das ZDF hierzulande vor RTL, ARD und Sat.1.
Was sind die Gründe für die Marktführerschaft? Das ZDF macht sich seit Jahren vor allem im fiktionalen Bereich beliebt. Und das hauptsächlich mit hervorragend gemachten und meist vorzüglich besetzen Krimis. Kein Tag ohne Mord. Die Filme erreichen oft bis zu acht Millionen Zuschauer. Das schaffte das RTL-«Dschungelcamp» auch mit der neusten Staffel nicht.
Zu den grössten Quotenbringern im Hauptabendprogramm des ZDF (und auf ZDF neo) gehören jene Hauptabend-Krimis, die seit Jahren auch zu meinen Favoriten bei den Öffentlich-Rechtlichen zählen: «Ein starkes Team» (seit 1994), «Wilsberg» (seit 1995), «Kommissarin Lucas» (seit 2003), «Marie Brand» (seit 2008), «Stralsund» (2009), «Nord Nord Mord» (seit 2011), «Unter anderen Umständen» (seit 2006). Oder seit vier Jahren «Die Toten vom Bodensee». Mit seinen Soko-Reihen und «Notruf Hafenkante» punktet das ZDF täglich bereits am Vorabend. 60-Minuten-Krimis wie «Der Staatsanwalt», «Der Kriminalist» oder «Ein Fall für zwei» (Letzterer seit 1981!) bringen am Dienstagabend auch dem Schweizer Fernsehen regelmässig gute Zahlen. Noch erfolgreicher sind auf diesem Sendeplatz allerdings SRF-Eigenproduktionen wie der «Der Bestatter» oder «Wilder».
Abgesehen davon, dass das Böse und das Verbrechen die Menschen schon immer fasziniert haben: Warum sind TV-Krimis so beliebt? Dazu gibt es viele Meinungen und Theorien. Der deutsche Medienforscher Joachim von Gottberg erklärte es einmal so: «Krimis bieten so etwas wie ein Ersatzabenteuer. Der Zuschauer besiegt das Böse praktisch symbolisch, indem er sich für 90 Minuten mit dem medialen Kommissar identifiziert.» Und: «Im Krimi haben wir die Möglichkeit, uns in Situationen hineinzuversetzen, die wir in Wirklichkeit nicht haben wollen. Es ist eine Art Probehandlung, in der wir die Gefahren fühlen, aber letztlich Kontrolle über unsere Angst haben.»


TV-Kritik
Gewaltige Quoten mit mörderischen Streifen