Ich gebe zu, ich habe es gemacht. Und es hat weh getan. Obschon es ungefährlich ist. Ich habe zwei Folgen von «Promi Big Brother» geschaut. Dabei ging es mir wie dem rausgewählten Mike Shiva (oder wars doch Mike Müller?): «Es war der absolute Horror!» Warum hat er als Erleuchteter das nicht schon vor seiner Teilnahme kommen sehen?
Es ist eine geballte Ladung des Grauens. Zum Fremdschämen. Selbstverliebte und geltungssüchtige C- bis Z-Promis, von denen man Peinlichkeiten gewohnt ist, pflaumen einander an. Zu beobachten gibt es Zickenzoff, Seelen-Striptease, Selbstbefriedigung, schräge Lebensgeschichten, tränenreiche Geständnisse, durch Busenzeigen bekannt gewordene Frauen, viel nerventötendes Geschwätz. Es ist das, was die PBB-Macher wollen. Sie setzen auf billige Effekte.
Viele Zuschauer liegen den Bewohnern des TV-Knastes zu Füssen, obschon die meisten von denen nichts können. Es sind Leute, die Geld brauchen und für Aufmerksamkeit alles geben. Das Publikum baut emotionale Bindungen zu den Protogonisten auf, Sympathie oder Antipathie. Und es kann erst noch die abstrafen, rauswählen, die es nicht mag.
Mit rund 16 Prozent Marktanteil bei den jüngeren Zuschauern geht die Rechnung für Sat.1 mit der Chose auch diesmal auf. Bei solchen Zahlen machen Privatsender ein Fass auf. Einen ähnlichen Marktanteil bei den 15- bis 59-Jährigen erreicht SRF meist schon um 18.15 Uhr – mit «Meteo»…
Ich gönne allen jeden Spass. Wirklich. Ich möchte einfach nur allzu gerne endlich wissen, was Menschen (übrigens aus allen Schichten) wirklich an dieser Sendung fasziniert. Voyeurismus und Schadenfreude allein können es nicht sein.


TV-Kritik
Hilfe! – «Promi Big Brother»