Die Luft war bereits am Mittwochnachmittag draussen: Wie früher schon in mehreren Interviews hatte Petra Gössi im Bundeshaus offiziell erklärt, dass sie für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann nicht zur Verfügung steht. Das wiederholte sie direkt danach in vielen Radio- und TV-Interviews. Im abendlichen «Rundschau talk» konnte die FDP-Präsidentin und Nationalrätin nur repetieren, dass sie sich aus dem Rennen genommen hat.
Zu aktuellen Problemen der FDP (Beispiel: Pierre Maudet) und zu ihren Zielen als Parteipräsidentin hatte sich Gössi vor gerade mal zehn Tagen in der «Samstagsrundschau» auf Radio SRF 1 geäussert. Vor Wochen schon wurde sie in den «Rundschau talk» eingeladen. Vielleicht werden den beiden Redaktionen Absprachen gelingen, sobald sie (ab 2020) aus dem gleichen Haus am Leutschenbach senden. Ich hätte von der «Rundschau» mehr Felixibilität und damit an diesem Mittwochabend ein ausführliches, vertiefendes Gespräch mit Johann-Schneider-Ammann erwartet. Warum wurde der Gössi-Talk nicht kurzfristig verschoben?
Nachfolge Schneider-Ammann, Steuervorlage 17, Kriegsmaterial-Export, Wahljahr 2019 – die clevere Strategin Petra Gössi liess sich von Sandro Brotz und Susanne Wille nicht in die Ecke drängen und war daher keine Sekunde in Bedrängnis. Und die Zuschauer haben nichts Neues erfahren. Auf dem neuerdings besten Sendeplatz (ab 20.10 Uhr) muss man von dieser Sendung mehr erwarten dürfen. Zum Schluss durfte Gössi auf einer Tafel noch einen Slogan für ihre Partei basteln. Resultat: «Heimat, Freiheit, Zukunft, Souveränität. Die FDP». Übrigens: Zu Beginn des Talks war der Politikerin hochgestimmt eine Überraschung versprochen worden. Auflösung: Sie bekam dann ein paar Schwingerhosen. Na ja.
Sandro Brotz und Susanne Wille hatten und gaben sich Mühe. Immerhin sind die beiden inzwischen ein gut eingespieltes Team. Auch in schwachen Stunden.


TV-Kritik
«Rundschau talk» unflexibel