TV-Kritik

Wie die SRF-Unterhaltung mit ihrem Geld umgeht

In meinem Kommentar zur neuen und gelungenen SRF-Eventshow «Ich schänke dir es Lied» ist mir ein Fehler unterlaufen. Die Sendung kam nicht aus dem grossen Studio 1 am Leutschenbach, sondern aus der zugemieteten Bodensee-Arena in Kreuzlingen. Wie bekanntlich schon «Die grössten Schweizer Talente», «Viva Volksmusik», «Hello Again» und viele weitere TV-Shows mehr.

Einen Fehler finde ich nur dann schlimm, wenn man sich eines solchen nicht bewusst wird. Fehler bieten auch immer eine Chance. Diese nehme ich in diesem Zusammenhang gerne wahr und greife im Nachgang ein TV-Thema auf, das mir schon lange unter den Nägeln brennt.

SRF ist der beste Kunde der Bodensee-Arena, die der Stadt Kreuzlingen gehört. Ab 2019 bis 2027 will der Sender die Ostschweizer Eissporthalle jeweils von September bis Mai komplett mieten. Für Hunderttausende von Franken. Den vielen jungen Eissportlern (Eishockey, Eiskunstlauf und Curling) soll nur noch das Aussenfeld bleiben. Für sie werden es kaputte Winter. Sie bezeichnen den Entscheid ihres Hallen-Verwaltungsrates denn auch wörtlich als «Katastrophe». Und sie wollen nachvollziehbar nicht, dass aus der Bodensee-Arena ein reines TV-Studio wird. So weit, so gut. Oder so schlecht.

Im Haus des Schweizer Fernsehens gibt es das moderne Super-Studio 1. Dieses hat mit allen Investitionen Millionen von Franken gekostet. Es diente jahrzehntelang exzellent für zahlreiche Publikums-Hits – von «Supertreffer» bis «Benissimo». Heute sind von der Unterhaltung nur noch die Macher der quotenträchtigen Samstagabendkiste «Happy Day» glücklich damit. Und darin.

Ich zitiere nun einfach mal ein paar (leicht gekürzte) Sätze aus der Online-Werbung der geliebten SRG-Tochter tpc (TV-Produktionscenter) für ihre modernen Studios: «Events begeistern durch echte Emotionen. Als erfahrene Fernsehmacher haben wir die Ideen, das Know-how und die Technologie und Infrastruktur, um aus Ihrem Event ein unvergessliches Erlebnis zu machen. Bei uns finden Sie das passende Studio für Ihr Sendeformat oder Ihren Anlass. Und falls nicht, bauen wir ein Studio nach Ihren Wünschen.» Merke: Die Studios sind ausgestattet mit neuester AV-Technik und Broadcast-IT. Jetzt kommt es richtig dick, ist aber korrekt: «Mit einer Bruttofläche von 1000 Quadratmetern ist das Studio 1 perfekt eingerichtet für Grossproduktionen, Unterhaltungsshows und Events. Das grosse Studio mit Bühnenhaus, Hand- und Elektrozügen und einer integrierten Hebebühne bietet bis zu 800 Zuschauern Platz.» Kommt dazu, dass das Studio problemlos noch weiter ausgebaut und vergrössert werden könnte.

Hallo SRF: Ich persönlich halte nichts von der «No Billag»-Initiative. Obschon auch ich der Meinung bin, dass wir in der Schweiz mit 450 Franken zu hohe Gebühren bezahlen. Dazu später gerne einmal mehr. Aber: Solange das Schweizer Fernsehen am schönen Bodensee über die Jahre eine Riesenvermögen für eine fremde Halle ausgibt und folglich sehr viele Mitarbeitende für Auswärtsspesen und Übernachtungen happig entschädigen muss, will ich von Noch-SRG-Boss Roger de Weck und seinem getreuen TV-Direktor Ruedi Matter während ihrer verbleibenden Amtszeit bitte kein Eigenlob über Effizienzsteigerung und Sparwillen mehr hören. Und auch kein Gejammer über einschneidende Sparmassnahmen. Keines über die ausgefallene Mehrwertsteuer oder den höheren Gebührenanteil für die Regionalsender. Und schon gar keine Drohungen, Kürzungen im Programm vorzunehmen. Mit diesem Säbelrassel-Trickli  («Wir müssen die Formel-1-Übertragungen streichen!») hatte sich einst schon de Wecks Vorgänger und Porsche-Fan Armin Walpen blamiert.

 


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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KOMMENTARE

Patrick Schilter
15.03.2017 00:54 Uhr
Da hat Herr Hildbrand völlig recht, was er da schreibt. Es gäbe bei SRF soviel Sparpotenzial. Das Studio 1 steht nämlich manchmal auch leer. Auch anregen möchte ich, dass man zum Beispiel für die Übertragung der Basler Fasnacht einfach das Signal von Telebasel übernimmt. Telebasel hat so super über den Cortège berichtet, mit viel Witz, Insider-Wissen, tollen Interviews, Sehr professionell. Es machte Spass, als Zürcher zuzuschaun. Auch das SRF war zugegen, am gleichen Tag, zur gleichen Tag. Dort schwiegen die Moderatoren jedoch zum Teil viele Sekunden lang, und wenn sie was sagten, erzählten sie einfach, was man gerade sah (ohne viel Hintergrund zu vermitteln). Die Übertragung auf SRF war, sorry, zum Gähnen langweilig. So hab ich gleich wieder auf Telebasel umgeschaltet. Bin mir sicher: die Übertragung von SRF war bestimmt das zigfache teurer als diejenige von Telebasel. In solchen regionlaen Bereichen könnte der Staatssender ruhig mit den Privaten kooperieren und profitieren (zum Beispiel wurde auch die Luzerner Fasnacht sowohl von Tele 1 als auch von SRF übertragen). Auch hier: Die Übetragung von SRF war keineswegs besser, aber auch hier bestimmt teurer. Hier könnte doch eine Zusammenarbeit gelingen, und hier sollte man den Servic Public den Privaten überlassen!
Kurt Balmer
14.03.2017 09:13 Uhr
In Zürich findet sich für solche Sendungen doch kein - auch noch mitgehendes - Publikum!
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