Den Auftakt des vierten Gisler-Gipfels machte Vereinspräsidentin Nina Bieli mit einem Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre. Zum Jubiläum stellte sie mehrere neue Produkte vor: «Shift happens», ein Set mit 36 Reflexionskarten zum Konzeptions- und Kreationsprozess, ein Topfpflanzen-Jubiläums-Shirt sowie den neu gestalteten Webauftritt des Gislerprotokolls.
Bieli würdigte zudem ihre Co-Initiantin Annette Häcki, die heute mit ihrer Agentur Day Partners als Mitglied dem Verein verbunden bleibt. «Das Gislerprotokoll war Annette und mein gemeinsames Herzensprojekt und ist es bis heute. Auch wenn Annette mittlerweile eher vom Rand mitwirkt – unter anderem als Mitglied mit ihrer Agentur Day Partners –, ist sie für mich immer noch eine unglaublich wichtige und wertvolle Sparringpartnerin», so Nina Bieli.
Im Anschluss präsentierte Bieli die Resultate der Stereotypen-Analyse 2025, die als Grundlage für die folgende Podiumsdiskussion diente. Zentrales Ergebnis: Menschen mit Behinderungen sind in der Schweizer Werbung praktisch nicht sichtbar (persoenlich.com berichtete).
An der Diskussion nahmen Annette Häcki als Kreative mit Erfahrung in der Konzeption von Kampagnen zum Thema Behinderung, Senad Gafuri als Geschäftsleiter der Organisation Reporter:innen ohne Barrieren sowie Serafina Kuster, HR-Expertin und seit ihrem zwölften Lebensjahr Rollstuhlfahrerin, teil. Die drei diskutierten, unter welchen Bedingungen Menschen mit Behinderungen in der Schweizer Kommunikation sichtbarer werden könnten, worauf dabei – auch sprachlich – zu achten sei und was sich Betroffene selbst von ihrer Repräsentation wünschen.
Aktivist und Autor Markus Theunert referierte anschliessend über die Manosphere und männlichkeitsideologische Radikalisierung. Er beschrieb die widersprüchlichen Anforderungen, mit denen junge Männer heute konfrontiert seien, und die Tatsache, dass sie damit häufig allein gelassen würden. Aus diesem Orientierungsvakuum, so Theunert, schöpfe die politische Rechte zunehmend Kapital.
Den Abschluss bestritt Gudrun Sander, Professorin und Dozentin für Betriebswirtschaftslehre an der HSG mit Schwerpunkt Diversity Management. Sie sprach über den sogenannten Woke Backlash und dessen bereits spürbare Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft. Zugleich zeigte sie Wege aus diesem Rückschritt auf und betonte die Relevanz von Inclusion. «Diversity is a given, Inclusion is a choice for high-performance cultures», sagte Sander.
Vor dem Anlass fand die Mitgliederversammlung des Gislerprotokolls statt. Der Vorstand wurde dabei fast vollständig wiedergewählt, wie es in einer Mitteilung heisst.
Einzige Ausnahme: Vorstandsmitglied Flavio dal Din, der nach vier Jahren aus dem Gremium ausschied, um sich neuen Aufgaben zu widmen. Der Verein verdankte dal Din für sein Engagement. (pd/cbe)


