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Bio-Billig-Linie löst Imageproblem nicht

Wenn ein Detailhändler regelmässig als teuerster in den Preisvergleichen der Konsumentenorganisationen erscheint, ist das nicht gut für das Image. So geht es aber Coop im Biobereich. Der Grossverteiler setzt seit Jahrzehnten auf die Knospe von Bio Suisse, ein Label, das strenge Richtlinien verfolgt. Gegenüber den Discountern und der Marke Alnatura von Migros, die den weniger strengen Richtlinien von EU-Bio entspricht, sind die Preise höher.

Es erstaunt also nicht, dass auch Coop die billige Bio-Linie «Bio 365» einführt. Die Produkte, die unter diesem Namen verkauft werden – bisher sind es Kaffeekapseln und Eier – sind laut SonntagsZeitung rund 30 Prozent günstiger als die Produkte mit der Knospe von Bio Suisse.

Die Botschaft ist klar: Das ist die Bio-Linie, die man sich im Alltag leisten kann. Die Knospe wird somit – noch mehr – als Luxusprodukt definiert. Die Einführung des neuen Preissegments rechtfertigt auch die hohen Preise von Bio Suisse nach dem Motto: tiefere Standards = tiefere Preise und hohe Standards = hohe Preise.

Diese vereinfachte Sicht der Preisbildung verbirgt aber ein wesentliches Element: Die hohen Preise der Bio-Produkte in der Schweiz sind primär auf die hohen Margen der Detailhändler zurückzuführen. Auch das zeigen immer wieder Recherchen der Konsumentenorganisationen.

Dies zeigt auch der Preismonitor des Vereins Faire Märkte Schweiz (FMS). «Von einem Franken, den Konsumentinnen und Konsumenten für Bioprodukte ausgeben, erhalten die Bauern im Durchschnitt nur 33 Prozent. Bei günstigen Varianten von Standardprodukten liegt dieser Anteil hingegen bei 41 Prozent», heisst es in einer Mitteilung von Anfang April. Diese Preispolitik blockiere die Nachhaltigkeitsbewegung, kritisiert FMS.

Das hat Aldi verstanden und vor wenigen Jahren die Linie «Retour aux sources» lanciert. Das Label steht für ein «Bio, das weiter geht», also mit noch strengeren Richtlinien als die Knospe. Gleichzeitig bleiben die Preise discountergemäss tief. Auch der Preismonitor zeigt auf, dass die Discounter eine «schlanke Preiskalkulation» haben.

Mit dem Slogan «Taten statt Worte» wirbt Coop seit Langem für ihre Projekte im Bereich Nachhaltigkeit. Bisher sind 415 aufgelistet. Keines davon betrifft die Margen. Wie wäre es also mit: «Tat Nr. 416: Tiefere Margen im Biobereich»? Das wäre gut für das Image.

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KOMMENTARE

Peter Tscharner
23.04.2024 09:55 Uhr
Soso, die Knospe verfolgt «strenge Richtlinien»? Bio Suisse ist die Organisation, die sowohl Pestizid- wie auch Trinkwasserinitiative abgelehnt hat und gerade eben Stimmfreigabe zur Biodiversitätsinitiative beschlossen hat. Das zeigt, wie ernst es die Organisation, die Knospe und die angeschlossenen Biobauern wirklich mit Bio meinen - das reicht nicht einmal über den Rand des eigenen Portemonnaies hinaus. Die Glaubwürdigkeit haben sie alle schon lange verloren in den Augen von informierten Konsumenten, da gibt's gar keinen Unterschied zum machtwütigen Bauernverband, der ausser noch mehr Subventionen keinerlei Interessen hat.
Stefan Vogler
23.04.2024 09:39 Uhr
Gute Empfehlung an Coop! Danke Sandra Porchet.
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