17.01.2010

Solothurner Filmtage

45. Ausgabe startet am Donnerstag

Leichter Rückgang bei Spielfilmpremieren.

Die 45. Solothurner Filmtage, die am Donnerstag beginnen, dauern länger als frühere Ausgaben und enden erst Mitte der darauffolgenden Woche. Vor allem am Wochenende, an dem bisher jeweils Kehraus-Stimmung herrschte, will Direktor Ivo Kummer mehr Publikum anlocken. Auf zugkräftige Spielfilme wird er sich nur bedingt verlassen können. "Verso" von Xavier Ruiz etwa, der um den "Prix de Public" rittert, ist an den Deutschschweizer Kinokassen bereits gescheitert. Die Mitbewerber "Champions" oder "Der grosse Kater" laufen - nach durchwachsenen Kritiken - derzeit in den Kinos.

Die Filmtage 2010 verzeichnen insgesamt einen leichten Rückgang der Spielfilm-Premieren, was Kummer gegenüber der Branchenzeitschrift "Cinebulletin" auch damit erklärt, dass Verleiher und Produzenten ihre Werke nicht vorzugsweise im Januar lancieren. Schweizer Premiere feiern in Solothurn immerhin mehrere Spielfilme, die für Diskussionen Anlass bieten, etwa "Mein Kampf" von Urs Odermatt über Hitlers Jugend. Christoph Schertenleibs Familiendrama "Zwerge sprengen" wird sich auch Bundespräsidentin Doris Leuthard am traditionell gross angerichteten Eröffnungsabend ansehen.

Ansonsten setzen laut Kummer "auch dieses Jahr Dokumentarfilme die Akzente". Als Beispiel für die aktuelle Tendenz, Umweltanliegen und ethnographisches Interesse zu koppeln, nennt er "Trans-Cutucú" von Lisa Faessler. Die Luzernerin ist nach Ecuador gereist und zeigt, wie die alte Welt der indianischen Bevölkerung verschwindet. Der Zürcher Regisseur Samir blieb in der sehr nahen Heimat und berichtet in seinem Dokfilm "Der Engel und die Fibonacci-Zahlen" über den Zürcher Hauptbahnhof - einen der interessantesten Bahnhöfe Europas, wie es in der Ankündigung heisst.

Mit fünf von acht Bewerbern ist die Dokfilm-Sparte auch im Rennen um den 2009 neu geschaffenen "Prix de Soleure" stark vertreten. Um die Auszeichnung für einen Spiel- oder Dokumentarfilm, der "durch ausgeprägten Humanismus überzeugt", rittert etwa "Die Frau mit den 5 Elefanten" von Vadim Jendreyko. Auch der ganz neue Spielfilm "La guerre est finie" von Mitko Panov über eine kosovarische Familie, die aus der Schweiz ausgewiesen wird, hat es in die Auswahl um den mit 60'000 Franken dotierten Preis geschafft. Chancen darf sich die Österreicherin Jessica Hausner ausrechnen, die mit der Koproduktion "Lourdes" antritt.

Glamour, wie er bisweilen in der Schweizer Filmszene gefordert wird, bietet Solothurn dieses Jahr am ehesten am Mittwoch, 27. Januar, wenn im Uferbau die Nominationen für den Schweizer Filmpreis "Quartz" 2010 bekannt gegeben werden. Erwartet wird unter anderem Kulturminister Didier Burkhalter. Die Podiumsdiskussionen der Filmtage sind etwa den Fragen gewidmet, ob seriöse Filmkritik in den krisengebeutelten Medien noch Zukunft hat und weshalb Politik in neueren Schweizer Filmen kaum vorkommt.

Sicher ist, dass zumindest die Schweizer Filmpolitik wie üblich in Solothurn für heftige Diskussionen sorgen wird. Kummer fordert dazu auf, die Filmförderung zu überdenken, wie sie unter der Ägide von Nicolas Bideau, Filmchef beim Bundesamt für Kultur, betrieben wird. "Das Resultat ist für den Spielfilm, gelinde gesagt, vernichtend", erklärt Kummer im "Cinebulletin" gewohnt direkt - nicht alles ist neu in Solothurn, die 45. Filmtage können beginnen. (sda)


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