Die aktuelle Auflage der britischen Ausgabe der bekannten Reality-TV-Show "Big Brother" erregt derzeit die Gemüter in Großbritannien. Wie die Ofcom, die zuständige Medienregulierungsbehörde des Landes, wissen lässt, sind alleine in der Woche bis zum 6. Juli an die 300 Beschwerden über die Sendung aus der Bevölkerung bei dem Kontrollorgan eingelangt. Im Zentrum der Aufregung steht dabei vor allem der raue Umgangston, den die insgesamt 16 Kandidaten in ihrem gemeinsamen Domizil untereinander pflegen.
So soll es laut Guardian-Bericht insbesondere in der vergangenen Woche zu mehreren Zwischenfällen im Big-Brother-Haus gekommen sein, bei denen einzelne Bewohner in Form von Schrei- und Fluchduellen aufeinander losgegangen und persönlich bedroht worden seien. Dies war schlussendlich auch den Sendungsverantwortlichen von Channel 4 zu viel, die unüblicherweise offiziell einschreiten mussten, um die internen Streitereien per "formaler Verwarnung" zu beenden.
"Der Erfolg von Big Brother beruht auf dem Reality-TV-Phänomen, das vor einigen Jahren ein vollkommen neues Genre begründet hat. Im Kern lebt dieses Phänomen davon, dass es dem Zuseher ermöglicht wird, ungehindert in die Tabuzonen ganz normaler Menschen einzudringen", erklärt Jo Groebel, Medienpsychologe und Direktor des Deutschen Digitalen Instituts. Die Verwendung von vulgärer Sprache und rauen Umgangsformen sei dabei sicherlich einer der wesentlichen Faktoren für die enorme Popularität des TV-Formats.
"Diese Gossensprache macht ja gerade die Attraktivität der Sendung aus", betont Groebel. Dies gelte für Großbritannien sicher noch stärker als für den deutschsprachigen Raum. "Gerade in Großbritannien ist Big Brother eine Art 'Gesindelphänomen', das seine Attraktivität daraus bezieht, dass in der Sendung Menschen aufeinanderprallen, die teilweise aus den untersten Gesellschaftsschichten stammen und an vulgäre Umgangsformen gewohnt sind", meint Groebel.
Schon im Vorfeld des Starts der mittlerweile zehnten Staffel hatte das Reality-TV-Format für heftige Diskussionen innerhalb der britischen Öffentlichkeit geführt. Ausschlaggebend hierfür war vor allem die zunehmend härter werdende Gangart der Show, mit der die Zuständigen bei Channel 4 rechtzeitig zum Sendungsjubiläum das Publikuminteresse ankurbeln wollen. Die acht Frauen und acht Männer, die es bis ins Big-Brother-Haus geschafft haben, erwarte "der härteste Start in eine neue Ausgabe einer Reality-Sendung in der Fernsehgeschichte", so das Versprechen des privaten TV-Senders.
Dass die Kandidaten sich gegenseitig mit wüsten Beschimpfungsorgien bekämpfen und dabei schlimme Drohungen aussprechen, ist den Sendungsverantwortlichen aber nun doch zuviel geworden. "Big Brother hat unverzüglich interveniert und eine formale Verwarnung gegenüber dem Betroffenen ausgesprochen. Eine derartige Sprache und Verhaltensweise wird im Haus nicht akzeptiert", heißt es von einer Big-Brother-Sprecherin. Das dortige Geschehen werde zu jeder Zeit vom Sender überacht, um ein Fehlverhalten zu erschweren und das Wohlergehen der Einwohner sicherzustellen. (pte)

