05.03.2026

Karl Lüönd

Bewegte Trauerfeier für Journalistenlegende

Der ehemalige Züri-Woche-Chefredaktor Karl Lüönd verstarb am 9. Februar in seinem 80. Lebensjahr. Jetzt nahm die Medienbranche im Winterthurer Stadthaus Abschied von einem engagierten Publizisten, der den Schweizer Journalismus über Jahrzehnte mitgeprägt hatte.
Karl Lüönd: Bewegte Trauerfeier für Journalistenlegende
Kabarettist Gabriel Vetter spricht im Winterthurer Stadthaus an der Trauerfeier für seinen Vater, den Publizisten Karl Lüönd. Auf der Leinwand ist ein Porträt des Verstorbenen zu sehen. (Bild: persoenlich.com/ma)

Der Tod von Karl Lüönd bewegt die Branche. Im Winterthurer Stadthaus versammelten sich am Donnerstag rund 250 Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter wie Walter Frei, Roger Schawinski, Hanspeter Bürgin, Bruno Glaus, Fibo Deutsch, Peter Hartmeier, Christian J. Jenny, Hanspeter Rohner, Silvia Affolter, Paola Biason, Walter Lutz oder Viktor Giacobbo und würdigten die Journalistenlegende, die Anfang Februar verstarb (persoenlich.com berichtete). Lüönd hatte noch am 12. Mai, wenige Meter vom Stadthaus entfernt, im unlängst geschlossenen Restaurant Stauss seinen 80. Geburtstag gefeiert.

In bewegenden Ansprachen würdigten Kabarettist und Lüönds Sohn Gabriel Vetter, die ehemalige MAZ-Direktorin Sylvia Egli von Matt und Republik-Reporter Constantin Seibt den Verstorbenen, dessen fast 60-jähriges journalistisches Wirken – so die einhellige Meinung – nicht in wenigen Sätzen fassbar sei.

«Einer der tolerantesten Menschen»

«Lüönd ist einer der tolerantesten Menschen gewesen», so Sylvia Egli von Matt, obwohl sie anfänglich politisch völlig gegensätzlicher Meinung gewesen seien. Seibt nahm in seinem Referat nochmals auf die Anfänge von Lüönds Wirken als Chefredaktor der Züri-Woche Bezug und erwähnte den Amoklauf des ehemaligen Chefbeamten Günther Tschanun, der angeblich durch einen Zeitungsartikel in dessen Blatt zu seiner Tat motiviert worden sei. Dies habe sich später als falsch erwiesen, zeige aber auch das raue politische Klima, das damals herrschte. Lüönd sei auch bei den schlimmsten Anschuldigungen und Unterstellungen immer ruhig geblieben, da er der Ansicht gewesen sei, dass ein Journalist auch mal die andere Seite kennenlernen müsse. Seibt zitierte dabei auch die unveröffentlichten Memoiren Lüönds, in denen neben all den journalistischen Storys auch die ökonomische Seite eine grosse Rolle spiele. So habe Lüönd alle seine Gagen und Einnahmen fein säuberlich aufgelistet. «Kari Lüönd», so Seibt, sei auch eine Kari-Lüönd-AG gewesen.

Vetter meinte in seiner Einleitung, dass sich sein Vater für die Abdankung keine Kirche, sondern einen grossen Saal gewünscht habe, was in Winterthur aber gar nicht so einfach zu finden sei. So sei man am Ende auf das Stadthaus gestossen. Zudem habe sich Karl Lüönd für seine Abdankung «Zoge am Boge» gewünscht, auch diesen Wunsch habe man erfüllen können. In seinem letzten publizierten Satz habe Lüönd den Wunsch geäussert, den Anwesenden mitzuteilen, dass er seinen Schirm nun geschlossen habe.


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KOMMENTARE

Victor Brunner
06.03.2026 07:41 Uhr
In der Gesellschaft waren es die 68iger die den Aufbruch voran trieben, in der behäbigen Medienwelt war es die Züri-Woche mit dem nach aussen behäbig wirkenden Lüond aber mit den wachen Augen und dem wachen Geist der als neugieriger Journalist für neugierige LeserInnen schrieb und dank Walter Frei lag das Produkt einmal in der Woche im Treppenhaus!
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