17.05.2026

ESC

Bulgarien gewinnt mit «Bangaranga»

Die Musikerin Dara hat im Final des 70. Eurovision Song Contest in Wien das Publikum und die nationalen Jurys überzeugt. Es ist der allererste ESC-Sieg für Bulgarien. Mit 516 Punkten setzte sie sich durch – und liess dabei auch den zwischenzeitlich führenden israelischen Künstler Noam Bettan hinter sich.
ESC: Bulgarien gewinnt mit «Bangaranga»
Dara hat mit «Bangaranga» den 70. Eurovision Song Contest gewonnen. (Bild: Keystone/EPA/Hannibal Hanschke)

«Bangaranga» heisst der Siegersong des 70. Eurovision Song Contest (ESC). Und so verspielt wie der Titel war auch die Inszenierung des bulgarischen Auftritts. Für diesen gab es am Schluss 516 Punkte.

Die nationale Jury der Schweiz gab Bulgarien vier Punkte. Das Land lag bereits nach der Vergabe aller Jurypunkte auf dem ersten Platz. Sie wisse nicht, was gerade passiere, sagte die Sängerin in diesem Moment der Show.

Der Gewinnertitel ist ein regelrechter Ohrwurm und handelt von innerer Stärke und Selbstbewusstsein. Dara war ausserdem einer der wenigen Acts im Final, der auch rappte. Ihr Song vermischt technoide Beats und Balkan-Pop.

Am Ende war es ein Rennen zwischen Bulgarien und Israel. Zwischenzeitlich führte während der Vergabe der Publikumspunkte der israelische Künstler Noam Bettan mit seinem Beitrag «Michelle». Dies sorgte in der Wiener Stadthalle offenbar auch für Unmutsbekundungen, wie in der Fernsehübertragung zu hören war.

Auch dieses Jahr hatte Israels ESC-Teilnahme wegen des Gazakrieges im Vorfeld für Kontroversen gesorgt. Fünf Länder – Spanien, die Niederlande, Slowenien, Irland und Island – boykottierten deshalb den Wettbewerb. Das Schweizer Publikum vergab seine «douze points» an Israel. Für Bulgarien gab es von den Schweizerinnen und Schweizern acht Punkte.

Klassische Instrumente und Oper-Flirts

Bei den Requisiten wurden am Samstagabend viele Register gezogen. Dazu gehörten ein Excalibur-Schwert, eine aus einem goldenen Konzertflügel emporsteigende Säule oder ein Hochzeitskleid, das sich zur Trikolore entfalten liess. Musikalisch wurde es dann mit ein paar Ausreissern schon homogener.

Klassische Instrumente gaben an diesem ESC-Final nämlich den oftmals düsteren Ton an. Sei es beim eigentlichen Favoriten Finnland, für das die Geigerin Linda Lampenius ihre Violine live auf der ESC-Bühne spielte – was eine historische Ausnahme darstellt, denn am grössten Musikwettbewerb ist es üblich, dass Instrumente Playback gespielt werden.

Oder bei Australien: Die Musikerin Delta Goodrem stand am und auf ihrem goldenen Flügel und zu Beginn gehörte zudem eine Harfe zum Auftritt. Auch die Ukraine, Frankreich, Malta oder Litauen sind Beispiele für ESC-Beiträge, die auf klassische Instrumente, vor allem Streichinstrumente, setzten.

Die Französin Monroe, die mit 17 Jahren die jüngste Teilnehmerin des Wettbewerbs war, gehörte zudem zu jenen Acts, die Oper nutzten. Ihr Song «Regarde!» erinnerte stellenweise an die aktuelle Musik von Rosalía. Auch im drittplatzierten rumänischen Rocksong «Choke Me» tauchten im Refrain kurze Opernmomente auf. Der litauische Künstler Lion Ceccah, der Geige studierte, setzte auf eine Elektropop-Opernummer. Der Opern-Flirt scheint derzeit fast zur Grundausstattung eines ESC-Songs zu gehören. Dara hat jedoch bewiesen, dass er nicht unbedingt zum Sieg nötig ist.

Lebensbejahende Kontraste

Im Gegenteil, vielleicht war es für das Publikum an der Zeit, dass ein fröhlicher Song gewinnt. Ein bisschen Frohsinn brachte auch der Rapper Satoshi mit «Viva, Moldova!» oder Griechenland mit dem Lied «Ferto» von Akylas, der mit Tigermütze auftrat. Seine Bühnen-Visuals spielten mit Game-Ästhetik, und zwischenzeitlich hätte man den Song als griechische Version des K-Pop-Hits «Gangnam Style» bezeichnen wollen. So wild das klingt, so wild wirkte es auch auf der ESC-Bühne.

Schliesslich setzte auch Italien mit dem 57-jährigen Sal Da Vinci aus dem südlichen Nachbarland einen Kontrast. Zu seinem Auftritt gehörte das erwähnte Hochzeitskleid. Der Neapolitaner gab mit seinem Italo-Schlagerpop den fröhlichen Romantiker: In seinem Lied «Per sempre sì» versprach der Cantautore seine Liebe nicht etwa halbherzig, sondern «mit der Hand auf der Brust» und «vor Gott» – und erst noch für immer. Bei der Punktevergabe der nationalen Jurys mischte er lange vorne mit, am Ende reichte es für den fünften Platz.

Zum Final des 70. Eurovision Song Contest gehörten viele Rückblicke. So waren einige Acts aus vergangenen Ausgaben mit von der Partie und liessen die Musik Revue passieren, die in die ESC-Geschichte einging. Blickt man nun nach vorne, so dürfte der 71. ESC in Bulgarien stattfinden.

Schweiz verpasst ESC-Finaleinzug um lediglich 15 Punkte

Die Schweiz hat den Einzug in den ESC-Final nur knapp verpasst. Wie aus der am Sonntag veröffentlichten Rangliste hervorgeht, fehlten Veronica Fusaro mit ihrem Song «Alice» nur 15 Punkte für die Qualifikation. Sie belegte hinter Zypern den undankbaren 11. Platz.

Gemäss der Webseite des Eurovision Song Contest erhielt die Schweiz beim zweiten Halbfinal am Donnerstagabend 108 Punkte, 60 aus dem Publikum und 48 von der Jury. Für den Finaleinzug wäre der 10. Platz nötig gewesen, den Zypern mit 122 Punkten erreichte. Im ersten Halbfinal hätte die Schweizer Punktzahl für den 8. Platz gereicht.

Ausschlaggebend für das Ausscheiden dürfte vor allem der Song gewesen sein. Die Rockballade «Alice» unterschied sich deutlich von vielen anderen Beiträgen. Fusaro räumte nach dem Halbfinal selbst ein, es sei ein «tougher Song» für den Wettbewerb gewesen. (sda/cbe)


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