Herr Peritz, wie bewerten Sie die Leistung der Schweizer Delegation?
Beim ESC entscheiden oft Nuancen. Die Konkurrenz war dieses Jahr aussergewöhnlich stark, und manchmal lässt sich der Ausgang einfach nicht vorhersehen. Trotzdem: Die Schweiz hat mit viel Eigenständigkeit und Mut einen tollen Auftritt hingelegt. Veronica Fusaro hat ihr grosses Talent gezeigt, und das bleibt in Erinnerung. Wir nehmen viele Erkenntnisse mit und beginnen schon jetzt mit der Vorbereitung für die Selektion 2027.
Sie sind beim Eurovision Song Contest in Wien vor Ort. Wie erleben Sie Wien im Vergleich zu Basel?
Wien hat eine spürbare Routine beim ESC. Man merkt, dass die Stadt schon Erfahrung mit dem Wettbewerb hat. In Basel haben wir als SRG zusammen mit der Stadt zum ersten Mal eine so grosse internationale Veranstaltung gestemmt. Das war eine andere Grössenordnung. Die Erkenntnisse aus Basel halfen dem ORF bei der Organisation in Wien ungemein weiter.
Wie?
Während unseres ganzen ESC-Jahres haben wir ein umfangreiches Handover-Dokument für zukünftige Host Broadcaster erstellt. Der ORF war enorm dankbar dafür und es gab das ganze Jahr über immer wieder Momente, in denen wir uns mit dem ORF ausgetauscht und unsere Erfahrungen geteilt haben. Auch der nächste Host Broadcaster wird von uns diese Dokumentation erhalten – so stellen wir sicher, dass unser Wissen und unsere Learnings weitergegeben werden und der Event Schritt für Schritt noch besser wird.
«Im Rückblick würden wir kaum Grundlegendes ändern»
Gibt es etwas, das Sie heute in Bezug auf Basel anders machen würden?
Im Rückblick würden wir kaum Grundlegendes ändern. Der ESC in Basel war für alle Beteiligten ein grosser Erfolg. Unser Mut zu kreativen Entscheidungen, die enge Partnerschaft mit der Stadt und unser hoher Anspruch an Qualität – das würden wir jederzeit wieder so machen. Die SRG hat in Basel gezeigt, dass sie auch unter grossem Druck starke Arbeit leisten kann.
Was bedeutet die ESC-Übertragung aus Basel für die SRG rückblickend?
Das ESC-Projekt war das grösste in der Geschichte der SRG – und prägt uns bis heute. Das Finale haben weltweit 166 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgt. Basel war für Wochen Treffpunkt für über eine halbe Million Menschen aus Europa. Der ESC hat gezeigt, was möglich ist, wenn alle gemeinsam anpacken. Die ganze Organisation hat technisch, redaktionell und organisatorisch Spitzenleistungen erbracht. Das macht uns als Team wirklich stolz.
Welche besonderen Erfahrungen haben Sie aus der Übertragung gewonnen?
Es waren viele! Wir haben unter Zeitdruck Entscheidungen getroffen, Abläufe optimiert und klare Prioritäten setzen müssen. Moritz Stadler und ich haben diese Erfahrungen direkt ins SRG-Transformationsprojekt Enavant einbringen können. Das Know-how aus dem ESC bleibt für alle im Team ein grosser Gewinn. Und das Bild der Schweiz als offenes, innovatives Land wurde gestärkt. Der ESC war weit mehr als nur ein Anlass: Er hat uns als Team zusammengeschweisst und gezeigt, was wir gemeinsam schaffen können.
«Der ESC 2025 wurde bereits mehrfach ausgezeichnet»
Wurde die ESC-Übertragung auch mit Preisen ausgezeichnet?
Der ESC 2025 wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, national und international. Der ESC in Basel ist die Ausgabe, die bisher wohl am meisten Awards in seiner 70-jährigen Geschichte gewonnen hat. Wir durften viele Ehrungen entgegennehmen, und verschiedene Bereiche wurden mit Gold prämiert – von Produktion, Show, Event, Konzept, Strategie, Sponsoring, Kommunikation, Marketing, Art Direction, Branding und Innovation bis zu Nachhaltigkeit und Moderation. Diese Auszeichnungen zeigen, dass Basel und die SRG auch international einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.
Haben Sie einen Favoriten für Samstag?
Das Teilnehmerfeld ist dieses Jahr besonders stark und bunt gemischt. Wer es schafft, Emotionen, Handwerk und eine klare Geschichte zu verbinden, hat gute Chancen – da gibt es viele spannende Beiträge. Persönlich bin ich gespannt auf Acts, die musikalisch überraschen und ihre ganz eigene Haltung mitbringen.
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15.05.2026 08:02 Uhr

