30.11.2025

Todesfall

Dignitas-Gründer Ludwig Minelli verstorben

Der streitbare Jurist und Journalist ist kurz vor seinem 93. Geburtstag durch eine Freitodbegleitung aus dem Leben geschieden. Das teilte der Verein Dignitas mit, den er 1998 gegründet hatte.
Todesfall: Dignitas-Gründer Ludwig Minelli verstorben
Wurde erst im Alter von 54 Jahren Rechtsanwalt: Ludwig A. Minelli, hier eine Aufnahme von 2020. (Bild: Keystone/EPA/Thorsten Wagner)

Minelli begann 1956 seine Karriere als Journalist, unter anderem als erster Schweizer Korrespondent des Spiegels (1964–1974). Erst mit 44 Jahren begann er ein Jurastudium und wurde 1986 mit 54 Jahren Rechtsanwalt, spezialisiert auf Menschenrechte. 1977 gründete er die Schweizerische Gesellschaft für die Europäische Menschenrechtskonvention (SGEMKO). Die als Minelli I, II und III bekannten Urteile des Bundesgerichtes zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Strafgefangenen gehen auf seine Arbeit zurück.

Gründung von Dignitas

1998 gründete Minelli den Verein «Dignitas – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben». Aus der kleinen Initiative entwickelte sich eine international aktive Organisation mit über 10’000 Mitgliedern. Kerngedanke war von Beginn an die Verbindung von Suizidassistenz und Suizidversuchsprävention: Menschen sollten einen akzeptablen Weg zum Weiterleben finden können – oder die Möglichkeit haben, ihr Leben selbstbestimmt zu beenden.

Dignitas wird die Arbeit im Sinne des Gründers fortführen, wie der Verein in einer Medienmitteilung zum Tode seines Gründers schreibt.

Juristische Meilensteine

Minellis bedeutendster Erfolg war der Entscheid des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 20. Januar 2011 im Fall Haas gegen die Schweiz, der das Recht auf Selbstbestimmung über Art und Zeitpunkt des Lebensendes als Menschenrecht bestätigte.

2020 erzielte er zwei weitere wegweisende Erfolge: Das deutsche Bundesverfassungsgericht erklärte am 26. Februar den § 217 StGB für verfassungswidrig, der die professionelle Suizidassistenz faktisch verunmöglicht hatte. Am 11. Dezember folgte die Nichtigerklärung des Suizidassistenzverbots in Österreich.

Ludwig A. Minelli hinterlässt seine Tochter, die Filmregisseurin Michèle Minelli. (nil)


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