10.11.2025

Beat Hirt

Ein letzter, lauter Gruss aus dem Pophimmel

Ein Jahr nach seinem Tod wurden die wiedergefundenen Memoiren von Beat Hirt, dem ersten Schweizer Popjournalisten, als Buch veröffentlicht. Die Vernissage war ein Stelldichein von Schweizer Pop- und Entertainment-Grössen.
Beat Hirt: Ein letzter, lauter Gruss aus dem Pophimmel
Beat Hirt (ganz rechts) an der Pressekonferenz der Rolling Stones (auf dem Bild Brian Jones und Mick Jagger) vor dem Konzert 1967 im Zürcher Hallenstadion. (Bild: Keystone/Photopress-Archiv/Hans Krebs)

Es ist die wohl ungewöhnlichste Buchvernissage der letzten Jahre. Über ein Jahr nach seinem überraschenden Tod wurden am Montagabend im legendären Restaurant «Weisser Wind» in der Zürcher Altstadt die Memoiren des berühmten Pop- und Gesellschaftsjournalisten Beat Hirt vorgestellt. Sozusagen ein letzter lauter Gruss aus dem Jenseits oder dem Musikhimmel. Titel des munter geschriebenen Werks ist «Beat by Beat – im Strudel der Sixties» (Verlag Sturm & Drang), herausgegeben von Musikspezialist, Rockhistoriker und Musiker Samuel Mumenthaler, hauptberuflich Medienjurist beim Bakom.

Dass Hirts Memoiren überhaupt bekannt wurden, sei eine Sensation, so Mumenthaler. Hirts langjährige Mitarbeiterin Martina Egi hatte beim Aufräumen des Nachlasses ein Word-Dokument mit dessen «Memoiren» gefunden. In monatelanger Arbeit hat er in Zusammenarbeit mit Martina Egi und Hirts kürzlich auch verstorbener Ehefrau Yvonne Léger die Texte redigiert und bearbeitet. Das sei nicht ganz einfach gewesen, da der Autor «abwesend» war, sagte Mumenthaler.

Er regte Jürg Marquard zur Gründung der Zeitschrift Pop an

Beat Hirt (1939 – 2024) war der erste Popjournalist der Schweiz. Er war es auch, der in den 1960er-Jahren Verleger Jürg Marquard die Anregung gab zur Gründung der Zeitschrift Pop, nach französischem Vorbild. 1965 erschien deren erste Ausgabe. Hirt war als Reporter an vorderster Front dabei und moderierte unter anderem zusammen mit Mick Jagger die Pressekonferenz vor dem legendären Rolling-Stones-Konzert im Hallenstadion (siehe Bild).

Später verschenkte Hirt Marquard seine Pop-Aktien, wohl zu früh, machte dieser doch aus dem Heft ein Millionengeschäft. 1977 realisierte Hirt das Musical «Tell», war unter anderem Chefredaktor von Tele und realisierte für das Schweizer Fernsehen verschiedene TV-Formate wie das legendäre «Ventil» mit Frank Baumann. Die letzten 25 Jahre seines Lebens betrieb der Sohn eines Zürcher Oberrichters die Filmproduktionsfirma «Mesch & Ugge», die Dokfilme über die Anfänge der Schweizer Rockmusik oder Privatradios herstellte.

Les Sauterelles auf der Bühne

Im voll besetzten Saal des Restaurants «Weisser Wind» feierten die ehemaligen Grössen der Schweizer Rock- und Popmusik Hirts «wiedergefundenes» Werk, aber auch ein bisschen sich selbst. Les Sauterelles, besser bekannt als Swiss Beatles, traten mit Toni Vescoli und Düde Dürst auf, Boni Koller und Elena Mpintsis unterhielten sich mit den Buchherausgebern Sam Mumenthaler und Reto Caduff.

Unter den Gästen befanden sich viele bekannte Gesichter wie Bandleader Pepe Lienhard, Sänger Pino Gasparini, Veranstalterlegende Albi Matter, Fotograf Jürg Streun, Popjournalist H. Elias Fröhlich, TV-Produzent Christoph Bürge oder Country-Lady Suzanne Klee, die Mick Jagger 1967 vor dessen Hallenstadion-Konzert den «Golden Stone of Zurich» überreichte und während dessen Aufenthalts seine ständige Begleiterin war. Grosse Abwesende waren unter anderem Veranstalter und Manager Freddy Burger oder Pop-Verleger Jürg Marquard, die beide im Buch einen prominenten Platz einnehmen.


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