Der Fluch ist gebannt: Der Film "Sennentuntschi" ist gerettet und wird am 14. Oktober in die Kinos kommen. Möglich macht das die Schweizer Tochter der grössten deutschen Produktionsfirma Constantin. Sie steckt 3,4 Millionen Franken in das verschuldete Projekt. Die Hälfte davon wird am Freitag in Form von Gehältern an Schauspieler und Crewmitglieder überwiesen, wie der Verwaltungsratspräsident der Constantin, der Basler Bernhard Burgener am Mittwoch in Basel vor den Medien berichtete.
Weitere Ausstände sollen bis Ende Monat beglichen werden. 1,8 Millionen Franken hofft die Constantin Film Schweiz in Form von noch ausstehenden Fördergeldern wieder hereinzubekommen; sie werden fällig, sobald der Film fertiggestellt ist. Zusatzsubventionen von Bund, Zürcher Filmstiftung und Schweizer Fernsehen sind noch nicht gesichert, aber die Subventionsgeber zeigen laut Burgener ihre Bereitschaft.
Die Constantin Film Schweiz bindet den "Sennentuntschi"-Regisseur Michael Steiner, "seinen" Filmmusiker Adrian Frutiger und die beiden Drehbuchautoren Michael Sauter und David Keller längerfristig an sich. Bis 2013 soll das Team jährlich einen Film für Constantin drehen - mit der Option auf drei weitere Jahre. Constantin hat neben Steiner auch Produzenten und Filmemacher wie Bernd Eichinger, Bully Herbig und Sönke Wortmann unter Vertrag. Das Unternehmen erwirtschaftet in Deutschland pro Jahr 30 Millionen Franken Gewinn und strebt ein jährliches Wachstum von 5 bis 10 Prozent an.
Steiner kam vergangenen November auf Burgener zu. Nach Prüfung der Sanierungswürdigkeit und -fähigkeit habe er Gespräche mit Subventionsgebern und Gläubigern geführt, sagte der Basler Medienunternehmer. Er konnte unter anderem erreichen, dass einige Gläubiger auf 25 Prozent ihrer Forderung verzichteten. Auch ohne "Sennentuntschi" gesehen zu haben, vertraut Burgener auf Steiners Potenzial, "er ist eine Bereicherung für unser Unternehmen". Ausser, dass "Grounding" sein Lieblingsfilm sei, hätten ihn die Drehbücher für Steiners nächsten Projekte - "Mona Lisa" etwa oder "Juke Box Hero" - überzeugt.
Er sei die letzten 14 Monate "durch die Hölle gegangen", sagte Regisseur Steiner an der Medienkonferenz. Als er im November 2008 nach 50 Drehtagen in den Bündner Bergen in seine eigene Firma zurückgekommen sei, habe er ein buchhalterisches "Chaos" vorgefunden. Es sei erstaunlich, wie lange Steiner ganz allein die Firma habe am Leben halten können, lobte Burgener, als "Produzent hat er sich tapfer geschlagen". Mit knapp 5 Prozent über dem Budget seien auch die Kosten korrekt kalkuliert worden.
Die Constantin-Gruppe wird dem Regisseur und seinem Team künftig alle nicht- kreativen Produktionsaufgaben abnehmen. Jetzt könne er endlich die Autorenfilme machen, die er immer machen wollte, erklärte Steiner am Mittwoch. Die Finanzprobleme bei "Sennentuntschi" sind seit rund einem Jahr bekannt. Die Dreharbeiten endeten 2008, Steiner muss den Streifen bloss jetzt noch schneiden. Der Film erzählt von drei Alphirten, die sich eine Ersatzfrau basteln, die lebendig wird und auf Rache sinnt. Die Hauptrolle spielt die Französin Roxane Mesquida. (sda)

