10.10.2014

Auszeichnung

Friedensnobelpreis für Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi

Jüngste Preisträgerin seit 1901 und erster indischer Preisträger der Geschichte.

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an zwei unermüdliche Kämpfer für die Rechte von Kindern und Jugendlichen: den Inder Kailash Satyarthi und die Pakistanerin Malala Yousafzai. Malala ist mit ihren 17 Jahren die mit Abstand jüngste Nobelpreisträgerin seit der ersten Vergabe 1901.
 
"Kinder müssen zur Schule gehen und dürfen nicht finanziell ausgebeutet werden", sagte der Präsident des Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland. "Besonders in Konfliktgebieten führt die Verletzung der Rechte von Kindern zur Fortsetzung der Gewalt von Generation zu Generation."
 
Malala setzt sich besonders für bessere Bildungschancen für Mädchen ein. Weltbekannt ist die junge Frau, seit ihr die Taliban vor zwei Jahren bei einem Anschlag ins Gesicht schossen. Sie lebt heute in Grossbritannien.
 
Das Mädchen zeigte sich von der hohen Auszeichnung tief geehrt. "Der Preis ist eine Ermutigung für mich, weiter zu machen", sagte die 17-Jährige am Freitag in Birmingham. Sie erfuhr nach eigenen Angaben während einer Chemiestunde von der Verleihung des Friedensnobelpreises.
 
"Meine Botschaft für Kinder in aller Welt ist, dass sie für ihre Rechte aufstehen sollten", sagte Malala und dankte ihrer Familie für die Unterstützung. "Ich danke meinem Vater, dass er meine Flügel nicht gestutzt hat, dass er mich hat fliegen lassen", sagte sie.
 
Erster indischer Preisträger

Der 60-jährige Aktivist Kailash Satyarthi ist in der Öffentlichkeit deutlich weniger bekannt. Er ist der erste Inder, der den Friedensnobelpreis erhält. Den Preis widmete er am Freitag den Kinderarbeitern, für deren Rechte er seit Jahrzehnten kämpft. "Mit diesem Preis finden die Stimmen von Millionen von Kindern Gehör", wurde er in lokalen Medien zitiert.
 
Satyarthi hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Kindern eine Kindheit zu verschaffen. Er gründete die Organisation Bachpan Bachao Andolan (Bewegung zur Rettung der Kindheit) und rettete Tausende aus Sklaverei und Schuldknechtschaft.
 
Allein in seiner Heimat Indien schuften offiziellen Daten zufolge 12,6 Millionen Kinder - sie müssen Abfall sammeln, Steine schlagen, Obst an Marktständen verkaufen oder Tee servieren. Satyarthi wurde nach eigenen Angaben mehrfach wegen seiner Arbeit brutal körperlich angegriffen.
 
Kinderrechte für den Frieden
Der Nobelkomitee-Vorsitzende Jagland sagte, in den armen Ländern der Welt seien 60 Prozent der Bevölkerung unter 25 Jahre alt. "Es ist eine Voraussetzung für eine friedliche weltweite Entwicklung, dass die Rechte von Kindern und jungen Menschen respektiert werden."
 
Satyarthi habe mit seinen friedlichen Protesten und Demonstrationen "grossen persönlichen Mut" bewiesen, urteilte das Nobelkomitee. "Er hat auch zu der Entwicklung von wichtigen internationalen Kinderrechtskonventionen beigetragen."
 
Malala hat nach Auffassung des Komitees beispielhaft gezeigt, dass Kinder und junge Leute auch selbst dazu beitragen können, ihre Situation zu verbessern. "Das hat sie unter den gefährlichsten Umständen getan."
 
Einladung zur Zusammenarbeit
Das Nobelkomitee bezeichnete es als "wichtigen Punkt", eine Muslimin aus Pakistan und einen Hindu aus Indien für ihr gemeinsames Engagement auszuzeichnen.
 
Indien und Pakistan haben eine lange Geschichte gewaltsamer Auseinandersetzungen und Kriege. Zwischen den Atommächten sind in den vergangenen Tagen an der Grenze Gefechte mit mehreren Toten ausgebrochen. Es ist einer der schlimmsten Gewaltausbrüche, seit beide Seiten 2003 ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen hatten.
 
Satyarthi forderte seine Mit-Preisträgerin Malala am Freitag zur Zusammenarbeit auf. "Ich lade sie dazu ein, dass wir uns die Hände reichen und einen neuen Kampf für Frieden auf unserem Subkontinent beginnen", sagte er dem Nachrichtensender NDTV.
 
Malala nahm die Einladung an. Gemeinsam mit Satyarthi wolle sie sich für bessere Beziehungen zwischen den verfeindeten Atommächte einsetzen, sagte sie am Freitag. Sie lud ausserdem den indischen Premierminister Narendra Modi und den pakistanischen Regierungschef Nawaz Sharif ein, die Preisvergabeim Dezember zu besuchen.
 
Der Friedensnobelpreis wird als einziger der prestigeträchtigen Preise nicht in Stockholm, sondern von einer Jury in Oslo vergeben. Dort wird er am 10. Dezember, dem Todestag des Dynamit-Erfinders und Preisstifters Alfred Nobel, auch überreicht. Die Auszeichnung ist mit acht Millionen schwedischen Kronen (rund 1,060 Millionen Franken) dotiert. Das Geld teilen sich beide Preisträger. (sda)


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