Albi Matter ist der bekannteste Musikmanager des Landes. Vor allem jetzt, da Freddy Burger seine Geschäfte auf seinen Sohn Oliver übertragen hat. Nur Colonel Parker, der legendäre, aber auch umstrittene Manager von Elvis, war noch berühmter. Doch der ist schon lange tot – und Amerika ist weit weg. Bis zum 28./29. März jedenfalls, dann veranstaltet Albi Matter im Zürcher Hallenstadion die 40. Austragung «seines» Country-Festivals, das in der Vergangenheit im Zürcher Albisgüetli ausgetragen wurde und zum längsten Country-Festival der Welt wurde.
Das Zürcher Hallenstadion ist legendär – und vor allem gross. Der 74-jährige Albi Matter weiss dies. Fast ein bisschen verloren steht er in der grössten Halle der Schweiz. Noch jedenfalls: Ende März findet hier das grösste Country-Festival des Landes, wenn nicht sogar ganz Europas statt: «Albis Country Festival». Dass dieses seinen Namen trägt, kommt nicht von ungefähr, ist Albi Matter doch einer der Hauptgründe, warum Country-Musik ausserhalb der USA nirgendwo so populär ist wie hierzulande. Der gebürtige Zürcher entdeckte vor bald vierzig Jahren den verstorbenen Australier Jeff Turner und formte ihn zum Star, jetzt ist der Dübendorfer Florian Fox – hauptberuflich Wirtschaftsanwalt – mit Matters professioneller Unterstützung auf dem besten Weg nach ganz oben. Den Prix Walo als höchsten Seismografen für Erfolg hat der «Schweizer Johnny Cash» im vergangenen Jahr bereits gewonnen.
«Ein magischer Ort»
Für Matter geht es am 28. und 29. März um vieles: «Das Hallenstadion ist ein magischer Ort», sagt er, «das erste Country-Festival wurde 1980 – bevor es ins Albisgüetli ging – hier ausgetragen.» Auch dank Matters Gespür, seiner Hartnäckigkeit und seinem Instinkt entwickelte sich das Country-Festival im Albisgüetli in den letzten vier Jahrzehnten zum einzigen Mekka der Country-Musik ausserhalb von Nashville. Doch im vergangenen Jahr kam es zur Trennung zwischen den neuen Albisgüetli-Pächtern und dem langjährigen Organisator, so dass Matter kurzerhand die Jubiläumveranstaltung – schweizweit beworben auf allen APG-Plakatstellen – ins Hallenstadion verlegte.
Angekündigt haben sich selbstredend neben Florian Fox auch die legendären Bellamy Brothers, deren Ohrwurm «Let Your Love Flow» in den siebziger Jahren zum absoluten Welthit avancierte und in Coverversionen von Jürgen Drews («Ein Bett im Kornfeld») oder der französischen Chanson-Legende Joe Dassin gesungen wurde. Insgesamt treten 18 Spitzenbands mit 126 Musikerinnen und Musikern auf, die Country, Rock’n’Roll, Bluegrass und Line-Dance zelebrieren. «So etwas hat es in der Schweiz noch nie gegeben», sagt Albi Matter und freut sich auf den Anlass. Gleichzeitig ist er sich bewusst, dass dies wohl die grösste Kiste seiner Karriere sein wird. Das Budget beträgt über 500’000 Franken, gegen hundert Personen sind während der beiden Tage im Einsatz.
Albi Matter, vom ehemaligen Ringier-Starjournalisten Helmut-Maria Glogger als der «wilde Hund von Wiedikon» bezeichnet, hat eine bewegte Karriere hinter sich: Nach der Handelsschule wurde er Buchdrucker. Vor genau fünfzig Jahren war er drei Jahre in Kanada, wo er im väterlichen Betrieb Badewannen flickte («eine Marktlücke») und erstmals mit der Musik von Johnny Cash in Kontakt kam. Nach seiner Rückkehr 1979 eröffnete er den legendären Privatclub Big Apple in Zürich Altstetten, zu dessen Gästen Bob Marley, der Queen-Sänger Freddie Mercury oder Peter Maffay gehörten. An dem Abend, als Marley nach seinem legendären Hallenstadion-Konzert in Albis Privatclub auftauchte, brachen in der Zürcher Innenstadt die Opernhauskrawalle aus – möglicherweise ein Zeichen, dass er wirklich ein Gefühl für Weltbewegendes hat. Anschliessend war Matter fünf Jahre Verkaufsleiter bei Ex Libris, wo er den neuen Tonträger CD einführte. 1985 gründete er mit dem damaligen Albisgüetli-Wirt Georg Tännler das internationale Country Music Festival und machte es in der Folge zum erfolgreichsten Country-Anlass ausserhalb der Vereinigten Staaten.
«Das gute Amerika»
«Country-Musiker stehen nicht auf Donald Trump», sagt Albi Matter, «sie sind vielfach Baptisten und verkörpern sozusagen das gute Amerika.» Doch Politik ist für ihn sowieso tabu, Musik, das weiss der Vater dreier Töchter aus jahrzehntelanger Erfahrung, ist das ideale Mittel, um jeden Konflikt zu bereinigen. Dank seiner Frau Winny, mit der er in dritter Ehe verheiratet ist, kam er auch mit dem Hinduismus in Berührung. «Das beruhigt», sagt Matter. Fast wie eine kubanische Zigarre.
Matters Gesellenstück war sein Engagement der Dixie Chicks, die im Albisgüetli auftraten, als sie noch völlig unbekannt waren. Vor ihrer Show überreichten sie dem Zürcher Stadtpräsidenten eine Grussbotschaft des Bürgermeisters von Dallas, nach dem Auftritt an Matters Festival wurden sie zu Weltstars. «Meine Devise ist ‹Give the people what they want›», sagt Matter. «Wenn jemand 700 Leute begeistern kann, bekommt er bei mir eine Chance.» Das Hallenstadion ist um einiges grösser. Aber klein zu denken, war nie Albi Matters Devise. Warum auch? Viele Amerikaner glauben, das Albisgüetli und vor allem das Matterhorn seien nach ihm benannt. «Solange dies so ist», sagt Matter lächelnd, «kommt am Ende alles gut.»
Dieses Porträt von Albi Matter ist zuerst in der persönlich-Printausgabe vom Januar/Februar erschienen.
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22.03.2026 15:37 Uhr

