Die Bündner Autorin Leta Semadeni erhält den Schweizer Grand Prix Literatur 2023. Mit dem mit 40'000 Franken dotierten Preis würdigt das Bundesamt für Kultur (BAK) ihr Gesamtwerk, das sowohl Lyrik wie auch Prosa, Romane und Kinderbücher umfasst.
Semadeni erforsche Sprachbarrieren und spiele mit ihnen, heisst es in der Medienmitteilung vom Donnerstag. Die 1944 in Scuol geborene Schriftstellerin verfasst ihre Texte auf Rätoromanisch wie auch auf Deutsch. Ein weiteres Merkmal ihres Schreibens ist das wiederkehrende Auftauchen von Tieren. «Der Mensch scheint zuweilen mit dem Tier zu verschmelzen», schreibt das BAK, und fügt hinzu, Semadenis Werk sei «von schroffer Schönheit».
Bekannt wurde Leta Semadeni mit Gedichtsammlungen wie «In mia vita da vuolp / In meinem Leben als Fuchs» (2010 und 2017), mit ihren Romanen «Tamangur» (2015) und «Amur, grosser Fluss» (2022) oder mit «Tulpen / Tulipanas» (2019) mit Illustrationen von Madlaina Janett und erschienen in der Reihe des Schweizerischen Jugendschriftenwerks (SJW).
Dafür wurde sie 2020 mit dem Josef-Guggenmos-Preis für Kinderlyrik ausgezeichnet; 2016 erhielt sie den Schweizer Literaturpreis und 2011 den Schillerpreis der Schweizerischen Schillerstiftung für ihr lyrisches Gesamtwerk. Ihre Texte wurden auf Französisch, Italienisch, Spanisch, Tschechisch, Englisch und Russisch übersetzt. 2022 übergab sie ihr Archiv dem Schweizerischen Literaturarchiv in Bern.
Spezialpreis für «Schulhausroman»
Wie der Grand Prix Literatur ist auch der Spezialpreis Vermittlung mit 40'000 Franken dotiert. Dieses Jahr geht er an das Projekt «Schulhausroman», das der Gründer des Zürcher Literaturhauses Richard Reich und die Kulturvermittlerin Gerda Wurzenberger ins Leben riefen. Das Projekt bringt Schülerinnen und Schüler mit erfahrenen Autorinnen und Autoren zusammen. Letztere helfen den Jungen beim Schreiben eines Romans.
Nach dem Erfolg in der deutschsprachigen Schweiz wurde das Projekt 2009 in der Westschweiz und 2017 im Tessin und in Graubünden übernommen.
Mit weiteren je 25'000 Franken sind die Schweizer Literaturpreise, mit denen das Bundesamt für Kultur Schweizer Autorinnen und Autoren für ihre zwischen September 2021 und Oktober 2022 erschienenen Werke auszeichnet, dotiert. Die Preisträgerinnen und Preisträger sind Prisca Agustoni («Verso la ruggine»), Jachen Andry («Be cun rispli»), Fanny Desarzens («Galel»), Eugène («Lettre à mon dictateur»), Lioba Happel («Pommfritz aus der Hölle»), Lika Nüssli («Starkes Ding») und Anne-Sophie Subilia («L'Épouse»).
Die Verleihung aller Preise findet am Freitag, 19. Mai, im Rahmen der Solothurner Literaturtage im Stadttheater Solothurn statt. (sda/cbe)

