Mehr Weltpremieren, mehr Schweizer Filme und eine Schar illustrer Gäste: Zu seiner 10. Ausgabe wächst das Zurich Film Festival weiter. Mit Spannung erwartet werden der Dokumentarfilm über den verstorbenen Künstler HR Giger und die Schweizer Grossproduktion "Northmen - A Wiking Saga".
"Das Zurich Film Festival ist ein Fest fürs Kino", sagte Direktorin Nadja Schildknecht am Donnerstag vor den Medien in Zürich. Zwei Wochen vor Festivalbeginn stellte sie gemeinsam mit ihrem Ko-Direktor Karl Spoerri das Programm der diesjährigen Ausgabe vor.
Doch bevor es ums Essenzielle - um die Filme - gehen sollte, holten die Direktoren zu einer kleinen Leistungsschau aus. Das Festival feiert in diesem Jahr seine 10. Ausgabe und kann auf ein ansehnliches Wachstum zurückblicken.
Die Besucherzahl ist von anfänglichen 8000 Zuschauer auf 71'000 im 2013 angewachsen, 2005 wurden 28 Filme gezeigt, in diesem Jahr sind es 145, davon 17 Weltpremieren. Das Budget beträgt heuer 6,9 Millionen Franken, 2005 war es weniger als eine Million. "Niemals hätten wir vor zehn Jahren gedacht, heute hier zu stehen", sagte Schildknecht.
Film über HR Giger feiert Premiere
An seiner Jubiläumsausgabe hält das Zurich Film Festival (ZFF) einige Veränderungen bereit. Neu existiert die Wettbewerbskategorie "Fokus Schweiz, Deutschland, Österreich", in der Erst-, Zweit- und Drittlingswerke gezeigt werden.
In der Sektion feiert der Schweizer Dokumentarfilm "Dark Star – HR Gigers Welt" Premiere. Darin porträtiert Regisseurin Belinda Sallin den im Mai verstorbenen Künstler und Vater der Alien-Figur, HR Giger.
Drei Schweizer Werke haben es geschafft, im internationalen Wettbewerb um das Goldene Auge kämpfen zu können: Samir zeigt seinen 3D-Dokfilm "Iraqi Odyssey" erstmals in der Europa, Simon Jaquemets "Chrieg" und Bruno Devilles' "Bouboule" wetteifern um den Preis für den besten Spielfilm. Beides sind Coming-of-Age-Dramen über jugendliche Aussenseiter. Insgesamt zeigt das ZFF 14 Schweizer Werke - so viele wie noch nie.
Sommaruga eröffnet das Festival
Eröffnet wird das Zurich Film Festival am 25. September mit dem musikalischen Biopic "Get On Up" über James Brown, den Godfather of Soul. Mit Simonetta Sommaruga wird erstmals eine Bundesrätin die Eröffnungsrede halten. Sowieso: Das 10. ZFF sei das Jahr der Frauen, "auch wenn das nicht absichtlich so programmiert wurde", sagte Spoerri.
Von Gleichberechtigung kann allerdings noch keine Rede sein: Auch wenn Frauen im Vergleich zur ganzen Branche in Zürich diesmal vermehrt vertreten sind, stammt nur jeder sechste Film von einer Regisseurin. Immerhin geht der Golden Icon Award in diesem Jahr mit Diane Keaton erstmals an eine Frau. Weitere Auszeichnungen erhalten die Regisseurin Claire Denis, Filmmusikkomponist Hans Zimmer und Produzent Michael Shamberg.
Anders als etwa das Festival del film Locarno setzt das ZFF gerne auf grosse Namen. Neben Keaton werden etwa Antonio Banderas, Cate Blanchett, Benicio del Toro, Elyas M'Barek, Ulrich Seidl, Iris Berben oder Bettina Oberli über den - in Zürich grünen - Teppich schreiten.
TV-Serien auf Kinoleinwand
Neben dem neuen Festivalzentrum auf dem Sechseläutenplatz sorgen Nebensektionen für frischen Wind am Festival. In der Reihe "ZFF TVision" werden aktuelle TV-Serien wie "True Detective" mit Matthew McConaughey oder der Pilot zur Serie "Hand of God" auf Kinoleinwand gezeigt. Bei letzterem führte der Schweizer Marc Forster Regie.
Welche Kinofilme als Gewinner aus dem Festival hervorgehen, entscheidet sich an der Award Night am 4. Oktober im Opernhaus. Das Goldene Auge für den besten Spiel- beziehungsweise Dokumentarfilm ist mit jeweils 25'000 Franken dotiert, der Sieger der "Fokus"-Kategorie erhält 20'000 Franken. (sda)

