58'000 Eintritte, 14 Prozent mehr als letztes Jahr, hat das am Sonntag zu Ende gegangene Zurich Film Festival (ZFF) verzeichnet. Von den sechs vergebenen Preisen ging nur der Publikumspreis an eine Schweizer Produktion: "Appassionata" von Christian Labhart.
Das britische Adoleszenzdrama "Broken" um eine junge Diabetikerin erhielt an der Preisgala vom Samstag im Opernhaus den Hauptpreis. Ein "bewegender Film, der die Zuschauer auf eine berührend emotionale Reise mitnimmt", befand die Jury. Drei weitere Golden Eye Awards gingen an Filme aus den USA, Deutschland und Österreich.
Höhepunkt des Abends war die Verleihung des "Tribute to..."-Awards an den deutschen Regisseur und Produzenten Tom Tykwer. Die Laudatio hielt - frei improvisierend - Moritz Bleibtreu, der mit Tykwer 1998 den Erfolgsfilm "Lola rennt" gedreht hatte. "Ich betrachte den Award als Ermunterungspreis für die nächsten 20 Jahre", bedankte sich der Geehrte.
Den internationalen Dokumentarfilmwettbewerb entschied "Imposter" von Bart Layton aus den USA für sich. Der Film über einen Mann, der sich erfolgreich als ein vor Jahren verschwundener Junge ausgibt, gefiel der Jury wegen seiner "umfassenden Weltsicht, seiner technischen Umsetzung und seiner herausragenden Regie". Als bester deutschsprachiger Spielfilm wurde "Am Himmel der Tag" von Pola Beck ausgezeichnet. Er erzählt von einem Berliner Party-Girl, das sich der Herausforderung einer Schwangerschaft stellt.
Das Goldene Auge in der Sparte deutschsprachiger Dokumentarfilm ging an "Der Prozess" des Österreichers Gerald Igor Hauzenberger. Der Film dokumentiert ein Verfahren gegen Tierschutz-Aktivisten, die 2008 in Österreich aufgrund eines neuen Anti-Terror-Paragrafen als kriminelle Vereinigung angeklagt wurden. Die von 20'000 abstimmenden Zuschauern mit dem Publikumspreis ausgezeichnete Schweizer Dok-Produktion "Appassionata" begleitet die Konzertpianistin Alena Cherny von der Schweiz an ihren Heimatort Tschernobyl.
Die Kritiker bevorzugten eine andere Musik und entschieden sich für den Spielfilm "El último Elvis" von Armando Bo aus Argentinien. Darin richtet ein Elvis-Double seine ganze Existenz, inklusive Familie und Essgewohnheiten, nach seinem Vorbild aus. Die vier Wettbewerbs-Trophäen sind mit je 20'000 Franken in bar und weiteren 60'000 Franken für die Promotion in Schweizer Kinos verbunden. Der Siegerfilm "Broken" hat bereits einen Verleih und startet in der Deutschschweiz am 13. Dezember.
Nachwuchsförderung und Promiaufmarsch
Die Jurys zeichneten dieses Jahr ausnahmslos Erstlinge aus und widerlegten gleichsam den Vorwurf, das Zurich Film Festival tue nichts für den Nachwuchs, sondern schiele nur auf Prominenz. Letztere schritt immerhin über den vor dem Opernhaus ausgerollten Grünen Teppich. Unter den 900 geladenen Gästen waren prominente Jurymitglieder wie Herbert Grönemeyer und Frank Darabont, Schweizer Regisseure wie Michael Steiner und Xavier Koller, Politikerinnen wie Doris Fiala und Christa Markwalder plus ein paar obligate Ex-Missen.
Wachstum hält an
Der Besucherrekord kam nicht überraschend, denn von allem hatte die diesjährige achte Ausgabe des ZFF mehr: 120 Filme gegenüber 98 im Vorjahr, 5,7 Millionen Franken Budget gegenüber 4,9 Millionen 2011, 80 internationale Medienvertreter gegenüber 40. Mit unter anderen Richard Gere, Susan Sarandon, John Travolta, Oliver Stone und Helen Hunt waren zudem mehr Hollywood-Hochkaräter geladen denn je. (sda)

