06.01.2015

Schweizer Film

Rückblick auf ein bewegtes Jahr

Marktanteil der Schweizer Filme sank auf nur 5,2 Prozent.

"Beim Film ist es wie beim Wein: Es gibt gute und weniger gute Jahrgänge:" 2014 war mit Blick auf die Kino-Eintrittszahlen und das sistierte Media-Abkommen kein besonders gutes Schweizer Filmjahr, sagt Ivo Kummer, Film-Chef beim Bundesamt für Kultur (BAK).

Zwar konnte der Überflieger und Filmpreis-Gewinner "Der Goalie bin ig" über 132'000 Zuschauerinnen und Zuschauer vor die Leinwände locken, dafür enttäuschten andere Schweizer Filme, an die Erwartungen gestellt worden waren, an den Kinokassen.

Als Beispiel nennt Ivo Kummer "Der Kreis": Das Werk von Stefan Haupt überzeugte die Kritiker und wurde vom BAK als Schweizer Oscar-Beitrag auserwählt. An der Kinokassen hingegen sorgte der Film für keinen Exploit. Bisher sahen etwa 26'000 Personen den Spielfilm mit dokumentarischen Elementen über die Zürcher Schwulenbewegung.

Ein Blick in die Zahlen des Schweizer Kinoverbands ProCinema zeigt: Im Vergleich zum letzten Jahr - das aus Schweizer Sicht als ausserordentlich guter Jahrgang gilt - ist der Marktanteil Schweizer Filme von 6,4 auf 5,2 Prozent gesunken. Von den bis Mitte Dezember über 11,5 Millionen gelösten Kinoeintritten fielen rund 530'000 auf Filme mit Schweizer Mehrheitsbeteiligung.

Ein zweischneidiges Schwert
Fast 600 Gesuche um Filmförderung landeten 2014 auf Kummers Tisch. Das entspricht einer Zunahme von 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die zunehmende Zahl Schweizer Filme sei ein zweischneidiges Schwert, sagt der Filmchef, der 2011 von den Solothurner Filmtagen ins BAK wechselte. Einerseits werde der Konkurrenzdruck grösser, "andererseits generiert die Angebotsvielfalt Aufmerksamkeit in den Medien", was wiederum dem Schweizer Film zugute komme.

Zugenommen hat scheinbar nicht nur die Anzahl der Schweizer Filme, sondern auch deren Qualität: So zumindest liesse sich erklären, dass in den vergangenen drei Jahren stetig mehr Schweizer Werke an ausländische Filmfestivals eingeladen wurden.

Auch wenn das Publikumsinteresse - gerade an Filmfestivals - in der Schweiz "ungebrochen" sei, als grosse Herausforderung für die Kinos bezeichnet Kummer die "Verlagerung von Filmen in andere Kanäle". "Video on demand und ähnliche Angebote verzeichnen einen Zuwachs von 20 Prozent." Er sei gespannt, wie sich das Kino in dieser Hinsicht entwickle.

MEDIA prägte das Jahr
Für Kummer ist das Schweizer Filmjahr allerdings nicht so sehr von den Zahlen geprägt als von einem kleinen filmpolitischen Erdbeben. "Ohne Personenfreizügigkeit kein Abkommen", sagte der damalige EU-Chefdiplomat David O'Sullivan als Reaktion auf die Annahme der SVP-Masseneinwanderungsinitiative im Februar. Der Schock war auch bei den Schweizer Filmschaffenden gross, als klar wurde, dass dadurch das MEDIA-Abkommen sistiert wird.

"Das hat unsere Filmpolitik zurückgeworfen", sagt Kummer. Dank dem MEDIA-Abkommen konnten sich Schweizer Filmschaffende an europäischen Filmförderprogrammen beteiligen, das ist nun vorerst nicht mehr möglich.
Zumindest den finanziellen Ausfall fing der Bundesrat mit 5 Millionen Franken auf.

Doch, und das sei der eigentliche Schaden, gehen den hiesigen Filmschaffenden wichtige Kontakte und Netzwerke verloren durch den Ausschluss. Man sei weiter in Verhandlungen, sagt Kummer, und hoffe, wenn sich die EU mit der Schweiz einige, auch wieder bei MEDIA einsteigen zu können.

Neu: "Filmstandort Schweiz"
Trotz MEDIA, es waren 2014 auch positive Nachrichten aus der Filmförderung zu vernehmen. In der neuen Kulturbotschaft 2016-2020 führt das BAK den "Filmstandort Schweiz" ein, ein Subventionsmittel, das hiesige und ausländische Filmemacher dazu bewegen soll, in der Schweiz zu drehen.

Als Beispiel nennt Kummer den soeben gestarteten Film "Clouds of Sils Maria". "Ein grosser Teil der Szenen, die im Engadin spielen, wurde aus Kostengründen in Tirol gedreht", sagt Kummer. Mit Geldern, die Filmteams erhalten, soll deshalb der Filmstandort Schweiz zukünftig attraktiver werden. (sda)


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