30.03.2026

Open Access

Verlage und Hochschulen streiten um Zugang zu Wissen

Der freie Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen sorgt in der Schweiz für Spannungen. Während die Hochschulen den sogenannten Open Access vorantreiben, fürchten die Verlage um ihre Geschäftsmodelle.

Der Hochschulverband Swissuniversities und der Schweizerische Nationalfonds verfolgen mit ihrer «Open-Access-Strategie» das Ziel, bis 2032 alle öffentlich finanzierten wissenschaftlichen Publikationen frei zugänglich zu machen. Damit soll sichergestellt werden, dass mit öffentlichen Geldern finanziertes Wissen der gesamten Wirtschaft, Gesellschaft und Forschung zur Verfügung steht.

Die Schweiz sei in dieser Entwicklung nicht allein, betonte Swissuniversities gegenüber Keystone-SDA. Mehrere europäische Länder wie Frankreich und Deutschland hätten ein solches Recht bereits eingeführt.

Buchbranche warnt vor Qualitätsverlust

Die Buchbranchenverbände warnen allerdings vor potenziell destabilisierenden Auswirkungen dieser Strategie. Zwar unterstützen sie einen breiteren Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen, sind jedoch der Ansicht, dass «die Art und Weise der Umsetzung der Strategie entscheidend ist», wie im neuesten Magazin von Livresuisse zu lesen ist.

Die Schweizer Verlagslandschaft bestehe mehrheitlich aus einem Geflecht von kleinen und mittelgrossen Verlagen. Diese spielten eine zentrale Rolle bei der Auswahl, Bewertung und Verbreitung wissenschaftlicher Arbeiten. Die Verlage garantierten die Qualität der Inhalte und stellten eine wichtige Verbindung zwischen Forschung und Gesellschaft sicher.

Die Verbände Livresuisse, der Schweizer Buchhandels- und Verlags-Verband (SBVV), die Associazione Librai Editori della Svizzera Italiana (ALESI) sowie die Vereinigung der Verlage für Geistes- und Sozialwissenschaften befürchteten, dieses Gleichgewicht werde in Frage gestellt, heisst es im Livresuisse-Magazin.

Im Zentrum der Bedenken steht die Einführung eines obligatorischen Rechts zur Zweitveröffentlichung. Dieses würde es Forschenden erlauben, ihre öffentlich finanzierten Arbeiten online frei zugänglich zu machen, unabhängig von bestehenden Verlagsverträgen. Für die Verlage könnte eine solche Massnahme – ohne ausreichende Finanzierung und ohne Differenzierung nach Fachgebieten – ihre Geschäftsmodelle schwächen und «die verlegerische Qualität mindern».

«Paradoxe Situation»

Die Hochschulen hingegen verteidigten die Entwicklung. Sie sei notwendig, um aktuelle Ungleichgewichte zu korrigieren. «Swissuniversities ist der Ansicht, dass diese Entwicklung hin zu einem offeneren Zugang die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Wissenschaftsstandorts stärken würde, mit nur begrenztem wirtschaftlichem Auswirkungen», hiess es vom Verband.

Das traditionelle Modell führe zu einer paradoxen Situation, heisst es in der Einleitung einer im vergangenen Jahr von Swissuniversities in Auftrag gegeben Studie zum Open Access. Die Hochschulen finanzierten die Forschung, überliessen den Wissenschaftsverlagen die daraus entstehenden Beiträge unentgeltlich und bezahlten anschliessend für die produzierten Zeitschriften und Bücher. «Die öffentliche Hand zahlt damit doppelt: Für das Erstellen der wissenschaftlichen Beiträge und für den Zugang zu den daraus resultierenden Publikationen.»

Derzeit finden Gespräche zwischen Swissuniversities und den Verlegerverbänden statt, um eine Einigung zu erzielen. (sda/nil)


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