26.05.2025

Todesfall

Vom Molkereilehrling zum Medienkönig

Mit Helmut Thoma verstarb die prägende Figur des deutschen Privatfernsehens. Er machte RTL zum erfolgreichsten und profitabelsten Fernsehsender Europas.
Todesfall: Vom Molkereilehrling zum Medienkönig
Helmut Thoma am Schweizer Medienkongress 2015 in Interlaken. (Bild: Keystone/Dominic Steinmann)

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Helmut Thoma am 3. Mai 2025, seinem 86. Geburtstag, in Wien an Herzversagen verstorben. Thoma war eine der prägenden Gestalten der europäischen Medienlandschaft. Der österreichische Medienmanager hinterlässt ein Vermächtnis, das weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinausreicht. Thoma war der Mann, der RTL zu dem machte, was der Sender heute ist: ein Synonym für kommerziellen Fernseherfolg und einen Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen im deutschen Sprachraum. Helmut Thoma revolutionierte das deutsche Fernsehen und prägte Generationen von Zuschauern.

Einstieg in die Fernsehwelt beim ORF

Geboren 1939 in Wien, begann Thoma seinen Werdegang mit einer Lehre in einer Molkerei. Über den zweiten Bildungsweg und ein Jurastudium fand er seinen Einstieg beim ORF, wo er rasch zum Leiter der Rechtsabteilung aufstieg. Nach Stationen bei Radio Luxemburg wurde er 1984 Direktor des Privatsenders RTL plus in Luxemburg. Mit dem Umzug des Senders nach Köln und dem Einstieg von Bertelsmann begann der kometenhafte Aufstieg von RTL unter Thoma, der ab 1991 als alleiniger Geschäftsführer agierte.

Thoma verstand es, das junge Privatfernsehen mit Gespür, Mut und Bauchentscheidungen zu prägen. Unter seiner Führung entwickelte sich RTL aus einem kleinen Betrieb mit 25 Mitarbeitern zum erfolgreichsten kommerziellen Sender Deutschlands. Er holte Publikumsmagneten wie Thomas Gottschalk und Hans Meiser ins Programm und setzte auf Formate, die polarisierten: von der Erotikshow «Tutti Frutti» über Daily Soaps wie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» bis hin zu spektakulären Sportrechten wie der Formel 1.

 «Wer dem Trend hinterherläuft, sieht nur seinen Hintern»

Kritik an Klamauk, Gewalt und Sex im Programm begegnete Thoma mit Verweis auf die Einschaltquoten und Werbeeinnahmen. Sein Credo: «Wer dem Trend hinterherläuft, sieht nur seinen Hintern.» Seine markigen Sprüche und sein Gespür für Trends machten ihn 1989 zum Medien-Mann des Jahres und bescherten ihm zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Goldene Kamera, den Deutschen Medienpreis und einen International Emmy Award.

Nach seinem Abschied von RTL im Jahr 1998 blieb Thoma der Branche als Berater, Kolumnist und Aufsichtsrat erhalten. Er war Medienbeauftragter des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten und gründete eine eigene Medienberatung. Seine Karriere war nicht frei von Kontroversen – so sorgte ein Geständnis über den Besitz antiker Raubkunst für Schlagzeilen –, doch sein Einfluss auf die Medienlandschaft bleibt unbestritten.

Thoma war dreimal verheiratet, Vater eines Sohnes und lebte zuletzt mit seiner Frau in Wien. (nil)


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KOMMENTARE

Peter Hartmeier
27.05.2025 11:41 Uhr
Der verstorbene Erfinder des privaten Fernsehens im deutschsprachigen Europa, Helmut Thoma, pflegte medienpolitisch relevante Beziehungen in die Schweiz. Und er mochte unser Land! Mitte der achtziger Jahre spielte Beat Curti eine wichtige Rolle in der Schweizer Medienlandschaft: mit dem Züri Leu, dem "Beobachter", "Jardin des Modes", Radio Z und dem neugegründeten Magazin "Politik und Wirtschaft" bereicherte er als Newcomer den Markt. Als junger Chefredaktor von "Politik und Wirtschaft" erhielt ich den Auftrag den schon damals berühmten Fernseh-Mann Thoma am Flughafen abzuholen. Natürlich war ich aufgeregt, fuhr meinen Wagen viel zu schnell, wurde geblitzt und musste eine Woche nach dem Besuch Helmut Thomas meinen Führerschein abgeben. Die Sitzung mit Thoma hingegen verlief äusserst produktiv: wir planten gemeinsam ein Schweizer RTL-Fenster mit News und Talkshows. Der Aufschrei des damaligen Medien-Establishment war gross - mit direkten Einflussnahmen auf den Bundesrat. Wir galten plötzlich als deutsche Söldner - entsprechend wurde unser Gesuch abgelehnt, und wir kehrten zum Printjournalismus zurück. Die Begegnungen mit Helmut Thoma sind Teil meiner Erinnerungen: witzig, schlagfertig und, ja, kultiviert: so habe ich Helmut Thoma in Erinnerung.
Aldrovandi Mario
27.05.2025 06:00 Uhr
Helmut Thoma war auch für die Schweizer Medienlandschaft wichtig. Sein erster Anlauf für Privatfernsehen in der Schweiz wurde durch Ringier und Roger Schawinski verhindert. Sein zweiter Anlauf mit RTL/ProSieben endete unter seinen Nachfolgern, nachdem er ausgeschieden war.
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