Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Helmut Thoma am 3. Mai 2025, seinem 86. Geburtstag, in Wien an Herzversagen verstorben. Thoma war eine der prägenden Gestalten der europäischen Medienlandschaft. Der österreichische Medienmanager hinterlässt ein Vermächtnis, das weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinausreicht. Thoma war der Mann, der RTL zu dem machte, was der Sender heute ist: ein Synonym für kommerziellen Fernseherfolg und einen Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen im deutschen Sprachraum. Helmut Thoma revolutionierte das deutsche Fernsehen und prägte Generationen von Zuschauern.
Einstieg in die Fernsehwelt beim ORF
Geboren 1939 in Wien, begann Thoma seinen Werdegang mit einer Lehre in einer Molkerei. Über den zweiten Bildungsweg und ein Jurastudium fand er seinen Einstieg beim ORF, wo er rasch zum Leiter der Rechtsabteilung aufstieg. Nach Stationen bei Radio Luxemburg wurde er 1984 Direktor des Privatsenders RTL plus in Luxemburg. Mit dem Umzug des Senders nach Köln und dem Einstieg von Bertelsmann begann der kometenhafte Aufstieg von RTL unter Thoma, der ab 1991 als alleiniger Geschäftsführer agierte.
Thoma verstand es, das junge Privatfernsehen mit Gespür, Mut und Bauchentscheidungen zu prägen. Unter seiner Führung entwickelte sich RTL aus einem kleinen Betrieb mit 25 Mitarbeitern zum erfolgreichsten kommerziellen Sender Deutschlands. Er holte Publikumsmagneten wie Thomas Gottschalk und Hans Meiser ins Programm und setzte auf Formate, die polarisierten: von der Erotikshow «Tutti Frutti» über Daily Soaps wie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» bis hin zu spektakulären Sportrechten wie der Formel 1.
«Wer dem Trend hinterherläuft, sieht nur seinen Hintern»
Kritik an Klamauk, Gewalt und Sex im Programm begegnete Thoma mit Verweis auf die Einschaltquoten und Werbeeinnahmen. Sein Credo: «Wer dem Trend hinterherläuft, sieht nur seinen Hintern.» Seine markigen Sprüche und sein Gespür für Trends machten ihn 1989 zum Medien-Mann des Jahres und bescherten ihm zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Goldene Kamera, den Deutschen Medienpreis und einen International Emmy Award.
Nach seinem Abschied von RTL im Jahr 1998 blieb Thoma der Branche als Berater, Kolumnist und Aufsichtsrat erhalten. Er war Medienbeauftragter des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten und gründete eine eigene Medienberatung. Seine Karriere war nicht frei von Kontroversen – so sorgte ein Geständnis über den Besitz antiker Raubkunst für Schlagzeilen –, doch sein Einfluss auf die Medienlandschaft bleibt unbestritten.
Thoma war dreimal verheiratet, Vater eines Sohnes und lebte zuletzt mit seiner Frau in Wien. (nil)
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27.05.2025 11:41 Uhr
27.05.2025 06:00 Uhr

