28.11.2025

Bilanz

«Wir haben die Kategorie Medien aufgegeben»

Das Gesamtvermögen der 300 Reichsten der Schweiz steigt 2025 auf den Rekordwert von 851,5 Milliarden Franken, mehr als ein Viertel davon entfällt auf die Top Ten. Im Interview ordnet Bilanz-Chefredaktor Dirk Schütz das neue Ranking ein – inklusive der Verlegerdynastien.
Bilanz: «Wir haben die Kategorie Medien aufgegeben»
«Am Anfang der grossen Vermögen steht fast immer die Gründung oder Übernahme eines Unternehmens», so Bilanz-Chefredaktor Dirk Schütz zur neuen Ausgabe mit den 300 Reichsten. (Bilder: persoenlich.com/cbe, Archiv)

Herr Schütz, traditionell vor Weihnachten kommt die Bilanz-Ausgabe mit den 300 Reichsten. Was ist der grösste Unterschied zu den anderen Jahren?
Es sind immer die neuen Geschichten aus dem Reichsten-Land Schweiz, die den Unterschied machen. Wir zeigen einen italienischen Software-Unternehmer namens Andrea Pignataro, wohnhaft in St. Moritz, der als Neueinsteiger mit 27 bis 28 Milliarden Franken auf Platz drei vorstösst. Neu in der Liste ist auch der Zement-Manager Jan Jenisch, der dieses Jahr mit einem 37-Millionen-Paket bedacht wurde. Rückläufig war das Vermögen bei der Nummer eins: minus vier Milliarden für Chanel-Eigentümer Gérard Wertheimer. Aber bei neu 33 bis 34 Milliarden noch immer verkraftbar.

Was waren die grössten Herausforderungen bei der Recherche?
Das Jahr war wirtschaftspolitisch sehr turbulent, der Einfluss der US-Zölle war schwer abzuschätzen, und ab September kamen die Warnungen vor einer KI-Börsenblase hinzu.

«Schon im letzten Jahr überschritten 152 der 300 Reichsten die Milliardenschwelle»

Welche Trends stechen nun in diesem Jahr heraus?
Das Vermögen der 300 Reichsten ist um 2,2 Prozent auf 851 Milliarden Franken gestiegen – stärker als die Wirtschaft in diesem Jahr, aber weniger als der SMI. Trotz aller Turbulenzen dominieren am Ende die heimischen Tugenden der Kontinuität und Verlässlichkeit. Und das ist in dieser geopolitisch angespannten Zeit der grosse Standortvorteil der Schweiz.

Stimmt das Klischee, wonach die Reichen immer reicher, die Armen hingegen ärmer werden?
Es stimmt, dass sich auch in der Schweiz, bei der Vermögensverteilung lang im Mittelfeld, die Schere in den letzten Jahren geöffnet hat. Wir sehen das exemplarisch bei der Anzahl der Milliardäre. Schon im letzten Jahr überschritten 152 der 300 Reichsten die Milliardenschwelle, das war Rekord, dieses Jahr sind es sogar 156.

Kann man mit Medien und Kommunikation im weitesten Sinne überhaupt noch Geld verdienen?
Es ist sicher viel schwieriger geworden. Die eigene Kategorie Medien, die wir lange geführt haben, haben wir aufgegeben, wir listen die Medienunternehmer in der Kategorie Dienstleistungen.

Wie haben die Verleger-Familien Coninx, Ringier, Wanner, Marquard oder auch Blocher abgeschnitten?
Die Familie Blocher ist dieses Jahr mit einem Vermögen von 14 bis 15 Milliarden aus den Top Ten gefallen, zum ersten Mal seit 2019. Das lag allerdings nicht am Mediengeschäft, sondern am Wertrückgang bei der Ems-Chemie. Die anderen von uns geführten Medienunternehmen sind konstant geblieben oder leicht gestiegen (Anm. der Red.: Familie Coninx 3 bis 3,5 Milliarden Franken, Familie Ringier 1,5 bis 2 Milliarden, Jürg Marquard 350 bis 400 Millionen).

Wenn man so lange wie Sie dieses Heft macht, wird man da manchmal eifersüchtig?
Nein, wir haben dazu in der Redaktion ein professionelles Verhältnis. Und dass der Reichtum allein nicht glücklich macht, stellen wir in der Recherche bei sehr vielen Fällen fest.

«Die Schweiz ist keine Tech- oder Start-up-Nation in grossem Stil»

Ganz banal gefragt: Wie wird man am Ende so reich?
Am Anfang der grossen Vermögen steht fast immer die Gründung oder Übernahme eines Unternehmens. Doch die Schweiz ist keine Tech- oder Start-up-Nation in grossem Stil, auch wenn es durchaus immer wieder sehr erfolgreiche Gründungen gibt. Der häufigste Weg zu einem grossen Vermögen bleibt in unserem Land deshalb die Erbschaft. Aber auch der Anteil der angestellten Manager nimmt kontinuierlich zu. In diesem Jahr zählt die Kategorie bereits 18 Personen, neu hinzugekommen ist neben dem langjährigen Holcim-Chef Jenisch etwa auch Zurich-Chef Mario Greco.


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