«Mit Ovomaltine chaschs nöd besser, aber schnäller.»
Unser Sohn war etwa sechs Jahre alt, als er in einer Skihütte Ovomaltine-Biscuits entdeckte. Beim Anblick der Packung posaunte er sogleich und immer wieder den Slogan heraus, jedes Mal ein bisschen anders, nie ganz richtig.
«Chaschs nöd besser, aber schnäller. Näi, nöd schnäller, aber schlechter. Nöd länger, aber besser. Nöd besser, aber schlechter!»
Was als Ganzes wiederum perfekt zum Original passte: «Mit Ovomaltine kannst du’s nicht besser. Aber länger.»
Der Satz gehört zu den populärsten Werbesprüchen der Schweiz überhaupt. Jedes Kind kennt ihn – oder, wie unser Sohn damals, zumindest fast.
Erfunden hat diesen Jahrhundertslogan kein Texter, sondern ein Art Director: Dana Wirz, 1999.
Sogar in der Werbebranche kennen nur wenige den Urheber dieses berühmten Satzes. Was typisch war für Dana: Er machte beste Werbung für seine Kunden, aber kaum Werbung für sich selbst; das war ihm unangenehm.
Dana und ich waren rund 13 Jahre lang ein Team, zuerst bei Advico Young & Rubicam, später bei Spillmann Felser Leo Burnett.
Das gemeinsame Schmieden von Ideen wird oft als «Ideen-Ping-Pong» bezeichnet, als wäre es ein schnelles Hin und Her von Gedanken. Mit Dana war es eher «Ideen-Gezeiten»: Die Gedanken flossen langsam, es gab lange Phasen der Stille. Und dann, nach einer gefühlten Stunde Nachdenken und Schweigen, brummelte Dana aus dem Nichts etwas vor sich hin: Eine Idee, die einem augenblicklich den Puls hochjagte. Das ist es! Das ist super! Der Knaller! ADC, Cannes, geil, geil, geil!
Wenn man dann, voller Adrenalin, zu Dana schaute, sah man kaum eine Regung. Nur seine beiden Mundwinkel, die sich um wenige Millimeter gehoben hatten. Enthusiasmus auf Sparflamme.
Genauso zurückhaltend war Dana, wenn seine Arbeiten ausgezeichnet wurden, was oft vorkam: Er ging zwar auf die Bühne, versteckte sich dort aber meist hinter einer anderen Person. Immerhin waren seine Mundwinkel wieder ein paar Millimeter weiter oben, er freute sich also riesig – auf seine Art halt.
Dass vorher viel nachgedacht wurde, merkte man seinen Arbeiten an. Sie waren überraschend, humorvoll, selbstironisch und schräg, strategisch aber immer fadengerade.
Für Schweiz Tourismus zum Beispiel der Aprilscherz mit den Felsenputzern, die den Vogeldreck von unseren Bergen wischten. Oder die jahrelange Serie mit den beiden Bartlis Sebi & Paul, die alles für perfekte Ferien in der Schweiz taten. Die Mammut-Kampagne, bei der man die gute Ausrüstung nie sah, weil deren Benutzer, die Alpinisten, im Schneesturm oder dichten Nebel steckten. Die National-Versicherungskampagne mit den Schäden in der heilen Werbewelt. Der blaue Abfallcontainer mit drei Löchern, angeschrieben mit «Reifen», «Metallteile», «Knochen» – für Downhill-Biking in Laax. Oder später fürs Bundesamt für Gesundheit die Safer-Sex-Kampagne mit der Anleitung, wie man richtig saugt, wurstet und bohrt.
Beim Anschauen dieser Arbeiten vor einigen Tagen gingen meine Mundwinkel mehr als nur ein paar Millimeter nach oben. Danas Ideen können einen sogar dann zum Lachen bringen, wenn einem überhaupt nicht zum Lachen zumute ist.
Unter der Woche waren wir ein Krea-Team, am Wochenende ab und an ein Grill-Team, in den gemeinsamen Ferien manchmal ein Snowboard-Team. Nach einer langen, traumhaften Pulverabfahrt stiegen wir unten wieder ins Gondeli. Er sagte nichts, aber seine Mundwinkel waren leicht nach oben gerichtet. Totale Happiness à la Dana.
Dana hat mir persönlich – und vielen anderen in der Werbung – so vieles geschenkt: Hunderte von überraschenden, verrückten, lustigen Ideen; Momente, in denen wir scheinbar Unlösbares plötzlich lösten. Aber auch ganz vernünftige Ideen, wie jene, über Mittag nicht schon wieder einen fetten Kebab vom Albisriederplatz zu essen, sondern einen selbstgemachten Tomaten-Mozzarella-Salat.
Er schenkte uns sein ausgezeichnetes Beurteilungsvermögen, seine Konsequenz und seine Hartnäckigkeit. Eigenschaften, die manchmal auch anstrengend sein konnten. Etwa, wenn man Headlines neu schreiben musste, weil er sie nicht gut genug fand und sie deshalb nicht ins Layout setzte. Seine Strenge hat viele Texte und Texter besser gemacht.
Sein grösstes Geschenk aber: seine wenigen, aber treffenden Worte. Sein trockener Humor. Und natürlich seine Mundwinkel, wenn sie ganz leicht oben waren.
Wir vermissen sie. Wir vermissen dich, Dana.
Peter Brönnimann bildete zusammen mit Dana Wirz 13 Jahre lang ein Kreativteam.
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