17.06.2026

Ausschreibung

Kantone wollen Werbung für den Ernstfall

Für die Kampagne zur Broschüre «Verhalten in Krise und Krieg» wird eine Agentur gesucht. Das Budget beträgt über eine Million Franken. Die Kampagne dürfte die erste dieser Art in der Schweiz sein.
Ausschreibung: Kantone wollen Werbung für den Ernstfall
Die Alarmierung der Bevölkerung ist ein zentraler Bestandteil des Bevölkerungsschutzes. Für den neuen Ratgeber «Verhalten in Krise und Krieg» suchen die Kantone nun eine Kommunikationsagentur. (Bild: Keystone/Martin Rütschi)

Die Regierungskonferenz Militär, Zivilschutz und Feuerwehr (RK MZF) hat am Mittwoch auf der Beschaffungsplattform Simap eine Kampagne zur Broschüre «Verhalten in Krise und Krieg» ausgeschrieben. Das Budget beträgt bis zu 1,2 Millionen Franken. Die Kampagne zum «Ratgeber für die Bevölkerung» umfasst Medienarbeit, Werbung, Social Media, die gezielte Verbreitung über Partnerorganisationen sowie eine dauerhafte Kampagnenwebsite.

Die Broschüre selbst ist noch nicht fertig. «Der Ratgeber ist in Finalisierung; Publikation wohl Ende 2026/Anfang 2027», schreibt Generalsekretär Alexander Krethlow auf Anfrage von persoenlich.com. Erscheinen wird sie zunächst nur digital. «Der Ratgeber ist in erster Linie eine Reaktion auf die aktuelle sicherheitspolitische Lage in Europa», so Krethlow.

Wie die NZZ am Sonntag im Mai 2025 berichtete, beginnt der Ratgeber mit dem Satz «Der Krieg ist nach Europa zurückgekehrt» und empfiehlt der Bevölkerung unter anderem das Anlegen eines Notvorrats sowie einen Evakuierungsrucksack. Als Vorbild diente die schwedische Broschüre «Falls Krisen oder Krieg kommen». Krethlow sagte der NZZ am Sonntag, die Publikation aus Schweden habe «wesentliche Impulse» geliefert. Damals war der Ratgeber bereits umstritten: SP-Nationalrätin Priska Seiler-Graf kritisierte ihn als zu militärisch, der damalige Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli sprach von einem «Rückfall in die Mentalität des Kalten Krieges».

Dass die Kampagne politisch heikel ist, spiegelt sich auch in der Ausschreibung: Die RK MZF verlangt von den Bewerbern explizit den Nachweis von Erfahrung in «politisch geprägtem Umfeld» sowie die Fähigkeit, «sensible Sachverhalte zielgruppengerecht aufzubereiten, ohne dabei die gebotene Sachlichkeit und politische Neutralität zu verletzen».

Historisch dürfte die begleitende Kampagne ein Novum sein. «Die Kampagne dürfte die erste dieser Art sein. Mir wäre nichts weiteres bekannt», schreibt Krethlow auf Anfrage. Er verweist allerdings auf die Alertswiss-App des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BABS) als «vergleichbare Sache in digitaler Form». Zuletzt hatte der Bundesrat 1969 das Zivilverteidigungsbüchlein per Post an alle Haushalte verschickt. Krethlow betont aber, beim neuen Ratgeber handle es sich nicht um eine Neuauflage davon.

Angebote zur aktuellen Kampagne können bis zum 31. Juli 2026 über Simap eingereicht werden. Die Präsentationen der engsten Kandidaten sind für den 13. August geplant. (cbe)


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