06.07.2026

Nach der Arbeit

«Unter Wasser wird alles still»

Laura Hüppi ist Brand Designerin bei der Wirz Group. In ihrem Job gestaltet sie visuelle Welten, in den Ferien taucht sie als Freediverin in ganz andere ab: ohne Gerät, nur mit einem einzigen Atemzug. In der ersten Folge der neuen Sommerserie verrät die 30-Jährige, warum sie trotzdem nie Tauchlehrerin werden möchte.
Nach der Arbeit: «Unter Wasser wird alles still»
«Ein Teil des Zaubers liegt gerade darin, dass es mein Ausgleich ist und nichts leisten muss», so Laura Hüppi, Brand Designerin bei der Wirz Group und Freediverin. (Bilder: zVg)

Laura Hüppi, wann und wie sind Sie zu Ihrem Hobby gekommen?
Wasser war eigentlich schon immer mein Element. Vor über zehn Jahren habe ich mit dem normalen Gerätetauchen (Scubadiving) begonnen, weil mich die Unterwasserwelt unglaublich fasziniert. Vor ein paar Jahren habe ich dann das Freediving für mich entdeckt. Mich begeistert die Möglichkeit, die Unterwasserwelt noch unmittelbarer zu erleben – nur mit einem Atemzug und voller Konzentration auf den Moment.

Was hat Sie so gepackt, dass Sie dabeigeblieben sind?
Beim Gerätetauchen geniesse ich vor allem das Beobachten und Eintauchen in eine andere Welt. Freediving bringt zusätzlich eine Challenge mit sich: die eigenen Grenzen auszuloten und festzustellen, dass der Körper oft zu viel mehr fähig ist, als man denkt. Je ruhiger man wird und je mehr Vertrauen man entwickelt, desto mehr wird möglich. Genau diese Mischung aus Herausforderung, Stille und Schwerelosigkeit macht Freediving für mich so besonders.

Wie viel Raum nimmt das Hobby in Ihrem Leben ein – zeitlich, aber auch gedanklich?
Zeitlich nimmt das Hobby nicht wahnsinnig viel Raum ein, da ich es hauptsächlich in den Ferien am Meer ausübe. Gerade deshalb freue ich mich jedes Mal besonders darauf. Gedanklich nimmt es aber deutlich mehr Platz ein: Den nächsten Tauch- oder Freediving-Trip plane ich meist schon lange im Voraus und freue mich oft monatelang darauf.

Wie haben Ihre Arbeitskollegen reagiert, als Sie zum ersten Mal von Ihrem Hobby erzählt haben?
Die erste Frage ist fast immer: «Wie lange kannst du die Luft anhalten?» Es sind übrigens drei Minuten und fünf Sekunden – allerdings nur statisch, also ruhig an der Wasseroberfläche oder an Land, und nicht in Bewegung unter Wasser beim Tauchen. Viele finden mein Hobby mutig oder sogar etwas verrückt. Ich glaube aber, die wenigsten würden vermuten, wie ruhig und meditativ Freediving eigentlich sein kann.

Wie gestaltet sich die Vereinbarkeit zwischen Job und Hobby?
Zum Glück ziemlich unkompliziert. Da ich das Tauchen hauptsächlich in den Ferien ausübe, lässt es sich gut mit dem Berufsalltag vereinbaren. Vielleicht schätze ich die Zeit im Wasser gerade deshalb umso mehr.

Was finden Sie in Ihrem Hobby, was Ihnen der Beruf nicht gibt?
Unter Wasser wird alles still. Es gibt keine Benachrichtigungen, keine Meetings und keine To-do-Listen. Stattdessen bin ich mitten in der Natur und kann für einen Moment komplett abschalten. Diese Zeit erinnert mich daran, dass es neben Arbeit und Alltag noch so viel mehr zu entdecken gibt.

Gibt es etwas – eine Fähigkeit, eine Haltung, eine Denkweise –, das Sie aus Ihrem Hobby in den Beruf mitbringen? Und umgekehrt?
Freediving lehrt einen, unter Druck ruhig zu bleiben und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Oft erreicht man mehr, wenn man nicht mit aller Kraft dagegen ankämpft. Umgekehrt hilft mir meine kreative Arbeit dabei, neugierig zu bleiben und die kleinen Details wahrzunehmen – über und unter Wasser.

«Tatsächlich habe ich mir schon einmal überlegt, Tauchlehrerin zu werden»

Haben Sie schon damit geliebäugelt, Ihr Hobby zum Beruf zu machen?
Tatsächlich habe ich mir schon einmal überlegt, Tauchlehrerin zu werden. Aber ich glaube, ein Teil des Zaubers liegt gerade darin, dass es mein Ausgleich ist und nichts leisten muss. Ich hätte Angst, dass der Funke verloren geht, wenn daraus ein Beruf würde.

Wenn sich nun jemand von Ihrem Hobby inspiriert fühlt: Haben Sie Tipps für einen problemlosen Einstieg?
Einen guten Kurs machen und sich Zeit lassen. Gerade beim Freediving geht es nicht darum, möglichst schnell möglichst tief zu kommen. Mit der richtigen Technik, Geduld und einem sicheren Umfeld macht es unglaublich viel Freude.

Welches nächste grosse Ziel oder Projekt haben Sie sich für Ihr Hobby gesetzt?
Ich möchte meine Freediving-Technik weiterentwickeln und mehr Erfahrung sammeln – idealerweise nicht nur am Meer, sondern auch in Schweizer Seen. Dafür suche ich aktuell noch Leute oder eine Gruppe, mit denen ich regelmässig trainieren kann. Ein grosser Traum wäre ausserdem, gemeinsam mit meiner Schwester nach Norwegen zu reisen und dort mit Orcas zu tauchen.



In der Sommerserie «Nach der Arbeit» stellt persoenlich.com zehn Fragen an Menschen aus der Medien- und Kommunikationsbranche, die neben dem Beruf einer besonderen Leidenschaft nachgehen. Eine Übersicht aller bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.


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