03.05.2026

Dominik G. Reiner

«Die Queen brachte ihren eigenen Gin mit»

Das Mandarin Oriental Savoy ist die erste Adresse am Zürcher Paradeplatz. Vor drei Jahren wiedereröffnet, gehört das älteste Zürcher Stadthotel heute zur UBS. Direktor Dominik G. Reiner spricht über Luxushotellerie, die aktuelle Weltlage – und darüber, was es bedeutet, der Queen einst einen Gin Tonic zu servieren.
Dominik G. Reiner: «Die Queen brachte ihren eigenen Gin mit»
«Der wahre Luxus im Veranstaltungsbereich ist die Personalisierung», so Dominik G. Reiner, General Manager des Mandarin Oriental Savoy in Zürich. (Bilder: zVg)

Herr Reiner, die Welt ist ein bisschen aus den Fugen geraten, zuletzt durch den Krieg im Iran. Hat dies auch Auswirkungen auf Ihr Hotel?
Geopolitische Unruhen verändern die Welt und damit natürlich auch, wie und wohin Menschen reisen. In solchen unsicheren Zeiten spüren wir jedoch, dass das Vertrauen in die Stabilität der Schweiz unschätzbar ist. In diesen Momenten zählt für uns vor allem die Empathie. Wir fühlen mit allen Betroffenen mit. Mir ist es wichtig, dass wir unseren Gästen nicht mit starren Regeln, sondern mit Kulanz und flexiblen Stornierungsbedingungen begegnen. Wir suchen individuelle Lösungen, wo immer es geht. Gleichzeitig gilt unsere volle Solidarität unseren Kolleginnen und Kollegen aus den betroffenen Gebieten. Innerhalb der Mandarin-Oriental-Familie rücken wir in Krisenzeiten eng zusammen. Wir setzen alles daran, Betroffene vor Ort zu unterstützen oder ihnen – wenn möglich – hier bei uns in Zürich eine sichere Arbeitsmöglichkeit zu bieten.

Die amerikanischen Gäste zählen zu Ihren Hauptkunden. Besteht da eine gewisse Zurückhaltung?
Im Gegenteil: Der US-Markt erweist sich als äusserst loyal gegenüber Zürich. Wir verzeichnen eine stabile Nachfrage sowohl im Freizeitsegment als auch bei Geschäftsreisen. Ich sage oft zu unseren Gästen: Wo sonst kann man morgens ein Strategie-Meeting führen und keine dreissig Minuten später die absolute Ruhe auf dem See oder in den Bergen geniessen? Diese unmittelbare Nähe zur Natur ist unser grösster Luxus. In einer Welt, die oft unruhig wirkt, wird die Schweiz so zur beliebten Destination. Wir sind ein Ort, an dem man tief durchatmen kann, während man gleichzeitig am Puls der Wirtschaft bleibt.

Ihr Haus steht am gleichen Ort wie das älteste Luxushotel von Zürich, damals 1838. Wie verbinden Sie dies mit der Moderne Ihrer Marke?
Es ist ein grosses Privileg, diese geschichtsträchtige Adresse nach über zwei Jahren weiterzuführen. Wir bewahren das Erbe des Hotel Baur en Ville, das Johannes Baur hier 1838 eröffnete – von der denkmalgeschützten Architektur bis hin zu den Geschichten der vielen illustren Gäste. Es ist eine spannende Herausforderung, den alpinen Schweizer Service so elegant mit jener asiatischen Gastfreundschaft zu verschmelzen, für die wir weltweit stehen. Diese Wurzeln reichen zurück zu einem unserer zwei Gründungshäuser, dem Mandarin Oriental Bangkok, das auf eine 150-jährige Geschichte zurückblickt. Unsere hohen Ansprüche ziehen sich durch alle Bereiche – von der modernen Ausstattung in den Zimmern und der Yoga-Session auf der Dachterrasse bis hin zur Kulinarik, wo wir stolz darauf sind, als Gruppe die meisten Michelin-Sterne weltweit zu führen.

Wodurch unterscheiden Sie sich von anderen Luxushäusern wie dem Dolder oder dem Baur au Lac?
Die anderen Zürcher Fünf-Sterne-Häuser pflegen seit Generationen ihren ganz eigenen, wunderbaren Charakter und haben Enormes für die Schweizer Hotellerie geleistet. Ich bin selbst gerne dort zu Gast – sei es, um die Street Parade im Baur au Lac zu erleben oder einen Spa-Tag mit meiner Frau im Dolder zu geniessen. Wir tauschen uns mit den Hotels regelmässig aus, denn letztlich fördern wir alle gemeinsam die Destination Zürich. Wir positionieren uns dabei ganz bewusst als exklusives Hotel im Herzen des Geschehens. Wir bieten ein intimes Ambiente mit direkter Anbindung zur Altstadt und den Boutiquen an der Bahnhofstrasse. Wer bei uns einkehrt, ist nicht nur Gast in der Stadt, sondern wird Teil des lebendigen Pulsschlags am Paradeplatz. Zudem bringt Mandarin Oriental als internationale Marke eine ganz neue Dynamik mit: Viele unserer treuen Gäste reisen gezielt um die Welt, um neue Häuser unserer Gruppe zu entdecken. Dadurch gewinnen wir viele Gäste für Zürich, die die Stadt vielleicht noch nicht auf dem Schirm hatten.

Sie haben das Haus vor fast drei Jahren nach einer Totalrenovierung wiedereröffnet. Was war die grösste Veränderung?
Wir haben das Gebäude komplett neu interpretiert und die Kapazität bewusst auf 80 grosszügige Zimmer und Suiten reduziert. Unser Ziel war es, ein Höchstmass an Privatsphäre und Individualität zu schaffen. Die vom Pariser Stararchitekten Tristan Auer begleitete Renovation hat ein modernes, kosmopolitisches Flair an den Paradeplatz gebracht, das perfekt zum Rhythmus der Stadt passt. Besonders am Herzen liegt mir jedoch die soziale Komponente: Wir haben unser Hotel gezielt eröffnet, um ein lebendiger Treffpunkt für die Zürcherinnen und Zürcher zu werden, ganz in der Tradition des historischen Baur en Ville. Unter anderem auch mit unserer 1838 Rooftop Bar, die wieder eine Dachterrasse hoch über den Dächern Zürichs an den Paradeplatz gebracht hat.

Sie setzen verstärkt auf das Veranstaltungsgeschäft. Was genau ist Ihre Strategie im MICE-Bereich?
Wir positionieren uns als erste Adresse für exklusive Gesellschafts- und Business-Events, die einen diskreten und zugleich repräsentativen Rahmen erfordern. Mit elf hochmodernen Veranstaltungsräumen, die flexibel kombinierbar und komfortabel auf einer einzigen Etage angeordnet sind, decken wir das gesamte Spektrum ab – vom vertraulichen Board-Meeting im kleinen Kreis bis hin zu hochkarätigen internationalen Konferenzen.

Sind die Anforderungen der Business-Gäste in den letzten Jahren gestiegen?
Ja, Effizienz und Technologie sind heute zum Beispiel Grundvoraussetzungen. Aber der wahre Luxus im Veranstaltungsbereich ist die Personalisierung. Ein Konferenzgast erwartet heute dieselbe Aufmerksamkeit und kulinarische Qualität wie ein Gast in unserem mit Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurant Orsini. Ein wesentlicher Bestandteil unseres Event-Erlebnisses ist die Küche unter der Leitung von Chef Panos. Seine Erfahrung – unter anderem aus dem renommierten Restaurant von Nobu Matsuhisa – prägt die Bankett-Menüs ebenso wie der weltweit bekannte Service von Mandarin Oriental und bringt neben europäischer auch japanische Küche auf höchstem Niveau nach Zürich.

«Jeder Gast geniesst die gleiche diskrete und aufmerksame Betreuung»

Sie haben auch viel Prominenz bei sich, wie Michelle Hunziker. Was bedeutet das für das Image?
Es freut uns, dass wir von ihnen ausgewählt werden. Dies und die Tatsache, dass unser Hotel kürzlich auf Netflix bei «Kaulitz & Kaulitz» zu sehen war, bestätigt uns, dass wir unsere hohen Ansprüche erfüllen. Dabei spielt es für uns keine Rolle, ob wir königliche Hoheiten, internationale Persönlichkeiten oder eine Familie empfangen, die zum ersten Mal bei uns übernachtet: Jeder Gast geniesst die gleiche diskrete und aufmerksame Betreuung. Dass sich Weltstars, wie neulich ein bekannter kanadischer Rapper, auf unserer Dachterrasse die Klinke in die Hand geben oder wir auch mal Wasser an wartende Fans vor der Tür verteilen, gehört für uns dazu. Letztlich profitiert die gesamte Destination Zürich von dieser internationalen Strahlkraft, die wir an den Paradeplatz bringen.

Sie selber durften ja auch mal die Queen bedienen …
Meine Zeit im Mandarin Oriental Hyde Park in London – einem der ikonischsten Häuser unserer Gruppe – wird mir immer in besonderer Erinnerung bleiben. Ein ganz persönliches Highlight war der Moment, als ich Queen Elizabeth II. einen Gin Tonic servieren durfte. Ihre Leibwächter brachten die Flasche Gin selbst mit und überwachten jeden Handgriff bei der Zubereitung des Drinks. Es gibt diese wunderbaren historischen Details, die das Haus so einzigartig machen. Wussten Sie zum Beispiel, dass der Hintereingang des Hotels direkt zum Hyde Park führt, aber offiziell der Königsfamilie gehört? Er darf bis heute nur mit ihrer Bewilligung geöffnet werden. Die Queen hatte zudem eine ganz persönliche Verbindung zum Haus – sie hat dort bereits als Jugendliche ihre Tanzstunden besucht. Solche Geschichten machen die Seele unserer Marke aus.

Welche Strategie verfolgt die Mandarin-Oriental-Gruppe in der Region? Sie leiten auch Häuser in Genf, Luzern, München, Prag und Wien …
Mandarin Oriental wächst in Europa kontinuierlich weiter, mit spannenden Eröffnungen wie auf Mallorca oder in Cortina in diesem Jahr. Dass wir in der Schweiz bereits eine stärkere Präsenz haben als in den USA, unterstreicht die enorme Bedeutung unseres Standorts. Wünschenswert wäre noch ein Skiresort in den Schweizer Alpen. Doch das ist erst der Anfang: Wir verfolgen einen ambitionierten Expansionsplan mit dem Ziel, unser Portfolio in den nächsten zehn Jahren weltweit auf 100 Hotels und Residences auszubauen. Wir möchten damit unsere Position im Luxussegment festigen.


Das ausführliche Interview mit Dominik G. Reiner ist in der persönlich-Printausgabe vom März erschienen.


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