Die Schweizer Live-Kommunikationsbranche entwickelt sich positiv. Das zeigt die Event-Trend-Studie Schweiz 2026, die von den vier Branchenverbänden Swiss LiveCom Association Expo Event, SVTB, Tectum und VSSA gemeinsam erhoben wurde. 203 Unternehmen haben daran teilgenommen, teilen die Verbände mit. Die Studie zeigt die Entwicklung seit der letzten Erhebung im Jahr 2024.
Rund die Hälfte der befragten Unternehmen erzielte 2024 einen Jahresumsatz von über einer Million Franken, bei Stadion- und Arenabetreibern lagen 44 Prozent sogar über fünf Millionen. Für 2026 rechnen viele mit weiterem Wachstum – in einem Umfeld, in dem klassische Marketingdisziplinen zunehmend mit Algorithmus-Müdigkeit und sinkendem Konsumentenvertrauen kämpfen. Rund 78 Prozent des Branchenumsatzes entstehen nach wie vor im physischen Raum, insbesondere durch Public und Corporate Events.
Die Studie räume auch mit einem verbreiteten Klischee auf, so die Verantwortlichen: Zwei Drittel der Unternehmen setzen bereits Künstliche Intelligenz ein, 31 Prozent sogar regelmässig. Bei Expo-Event-Mitgliedern liegt die KI-Nutzung bei 78 Prozent. «Wir sind weder analog noch rückständig», sagt SVTB-Präsident Jörg Gantenbein. KI werde als Verstärker eingesetzt – nicht als Ersatz für menschliche Kompetenz.
Kritik an Pitch-Praxis
Dennoch bleibt ein strukturelles Problem ungelöst: Über ein Drittel aller Pitches wird weiterhin nicht vergütet, obwohl der Aufwand oft im fünfstelligen Bereich liegt. «Solange ein Drittel aller Pitches unentgeltlich erfolgt, untergraben wir kollektiv unseren eigenen Wert», kritisiert Christian Künzli, Präsident der Swiss LiveCom Association Expo Event.
Dazu kommt ein politisches Anliegen: 90 Prozent der Unternehmen sind Mikro- oder Kleinbetriebe, viele davon Familienbetriebe mit Ausbildungsplätzen. Die Verbände fordern eine stärkere Interessenvertretung in Bundesbern. «Wenn die Politik über Standortförderung spricht, müssen wir mitgemeint sein», sagt Tectum-Präsident Marc Hofstetter.
Die vier Verbände formulieren drei gemeinsame Forderungen: verbindliche Pitch-Honorare, mehr politische Sichtbarkeit sowie die Anerkennung der Branche als wirtschaftlichen und kulturellen Faktor – gleichwertig mit anderen Schlüsselbranchen. (pd/spo)

