15.09.2025

Swiss Marketplace Group

Europas grösster Börsengang des Jahres steht an

Die Betreiberin der Kleinanzeigenplattformen Homegate, Immoscout24, Autoscout24 und Ricardo, will am Freitag den Sprung aufs Börsenparkett wagen und könnte Geschichte schreiben. Für die Kunden der Plattformen wird sich kurzfristig nichts ändern.
Swiss Marketplace Group: Europas grösster Börsengang des Jahres steht an
Das Logo der Swiss Marketplace Group, aufgenommen am Montag, 30. Juni 2025 in Zürich-Oerlikon. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Der Gang an die SIX könnte rund eine Milliarde Franken einbringen und SMG auf eine Bewertung von 4,2 bis 4,5 Milliarden Franken heben. Das Unternehmen hat die Preisspanne für seine Aktien im Vorfeld auf 43 bis 46 Franken festgelegt.

Es wäre der erste grosse neue Börsengang in der Schweiz seit dem Börsendebüt von Galderma im März 2024 – und zugleich das bislang grösste Initial Public Offering (IPO) in Europa in diesem Jahr.

Im Angebot stehen bis zu 23 Prozent der Aktien – ausschliesslich aus dem Besitz bestehender Eigentümer. Das Medienhaus Ringier, die Versicherung Mobiliar (je 29 Prozent Anteil) und die Investmentgesellschaft General Atlantic (10 Prozent) wollen Anteile abgeben, die TX Group (31 Prozent) als grösste Aktionärin dagegen nicht. Damit dürfte der Streubesitz bei Börsenstart bei lediglich 20 Prozent liegen. Nach Bekanntgabe der IPO-Pläne legte die TX-Group-Aktie am vergangenen Donnerstag um rund 5 Prozent zu.

Grosses Interesse

Der Börsengang stiess gleich zu Beginn laut Händlern auf so grosses Interesse, dass das Orderbuch bereits überzeichnet ist. Die Aktien dürften daher wohl am oberen Ende der Preisspanne zugeteilt werden.

Für SMG bedeutet der Börsengang nach Einschätzung von Experten mehr Sichtbarkeit und einen erleichterten Zugang zu frischem Kapital für Investitionen oder Übernahmen. Das Unternehmen steigert seine Bekanntheit und gewinnt eine breitere Investorenbasis. Zwei Schwergewichte sind schon an Bord: Pictet Asset Management und Blackrock haben sich vorab mit je 150 Millionen Franken beteiligt.

Als federführende Banken fungieren Goldman Sachs, J.P. Morgan und UBS. Zwei Tage nach dem geplanten Börsendebüt soll SMG in den Swiss-Performance-Index (SPI) aufgenommen werden.

Wachstumsstarkes Geschäftsmodell

SMG prägt mit seinen Plattformen den digitalen Alltag in der Schweiz. Im Immobiliengeschäft liegt der Marktanteil bei rund 70 bis 75 Prozent, auch bei Autos und Kleinanzeigen dominiert die Gruppe.

2024 erzielte das Unternehmen 291 Millionen Franken Umsatz bei einer EBITDA-Marge von 48 Prozent, im ersten Halbjahr 2025 stieg diese auf über 54 Prozent.

Das Gemeinschaftsunternehmen wurde 2021 gegründet. Analysten sehen besonders für Mobiliar den Börsengang als Möglichkeit, Gewinne ausserhalb des Versicherungs-Kerngeschäfts zu realisieren.

SMG stellt für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von rund 75 Millionen Franken in Aussicht. Künftig soll die Ausschüttung im Einklang mit dem Gewinnwachstum progressiv steigen, wobei sich der Verwaltungsrat im Prospekt zum Börsengang Änderungen und ergänzende Aktienrückkäufe vorbehält.

Im Visier der Wettbewerbshüter

Trotz der starken Position ist das Geschäft nicht frei von Risiken. Der Börsenprospekt nennt als Unsicherheitsfaktoren, insbesondere laufende Abklärungen der Wettbewerbskommission (Weko) und des Preisüberwachers. Diese betreffen Ricardo sowie die Immobilien- und Fahrzeugplattformen.

Die Vorwürfe zu missbräuchlichen Preiserhöhungen oder zur dominanten Marktstellung könnten zu Preissenkungen, Auflagen oder Bussen führen und die Profitabilität belasten. SMG betonte stets, regelmässig mit den Behörden im Austausch zu stehen und im Einklang mit den Vorschriften zu handeln.

Unklar ist zudem, welchen Einfluss Künstliche Intelligenz (KI) auf die Branche haben wird. SMG selbst räumt ein, dass neue Technologien den Kleinanzeigenmarkt verändern oder verdrängen könnten, insbesondere wenn Wettbewerber über bessere Daten und leistungsfähigere Modelle verfügen.

Kurzfristig werden Kunden der Plattformen vom IPO kaum etwas spüren. Langfristig könnte ein börsenkotiertes Unternehmen laut Beobachtern jedoch stärker auf höhere Gebühren oder mehr Werbung setzen, um seine Profitabilität zu steigern. (sda/awp/nil)


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