Kindheit im Wald
Herr Germann, Herr Bartlome, was verbinden Sie persönlich mit dem Wald?
Urs Germann: Ich bin mit Wald aufgewachsen. Unsere Familie hatte einen Bauernhof mit vier Hektaren eigenem Wald. Wir machten Brennholz. Wir verkauften Christbäume. In den Ferien half ich im Forstbetrieb und pflanzte Bäume. Das war mein Taschengeld.
Olin Bartlome: Ich komme aus Graubünden. Wald war immer da. Mein Vater war Schreinermeister, sein bester Freund Förster. Mittwochnachmittags waren wir als Kinder entweder in der Schreinerei oder im Wald. Später machte ich selbst eine Schreinerlehre, danach studierte ich Holzingenieur. Holz begleitet mich bis heute.
Verantwortung beginnt oben
Herr Germann, wofür stehen Sie persönlich als Präsident von PromoSwiss?
Urs Germann: Für Verantwortung. Für Zukunftsorientierung. Für einen respektvollen Dialog. Wettbewerb darf nie auf Kosten von Nachhaltigkeit und Qualität gehen. Und wir müssen ehrlich bleiben: Was wir draufschreiben, muss auch drin sein.
Herr Bartlome, wofür steht FSC Schweiz?
Olin Bartlome: FSC Schweiz setzt sich seit über 20 Jahren für nachhaltige Waldbewirtschaftung ein. Fast 50 Prozent der Schweizer Waldfläche sind FSC-zertifiziert. Das zeigt: Das Thema ist für die Schweiz zentral. Ich selbst stehe für Balance. Holz kann erdölbasierte Produkte und Beton ersetzen. Das hilft dem Klima, aber wir dürfen den Wald nicht übernutzen. Holz nutzen und Wald schützen gehört zusammen.
Sie beide sprechen von Verantwortung. Wo treffen sich Ihre Wege?
Urs Germann: Nachhaltigkeit hat drei Seiten. Erstens: Umwelt. Zweitens: Wirtschaftlichkeit. Der Kunde soll zurückkommen, nicht nur das Produkt. Drittens: Transparenz. Wir müssen wissen, woher ein Produkt kommt. Langfristigkeit ist entscheidend.
Weg vom Wegwerfartikel
Werbeartikel gelten als kurzlebig. Ist dieses Bild noch zeitgemäss?
Urs Germann: Nein. Dieses Bild stimmt so nicht mehr. Kundinnen und Kunden haben verstanden: Ein Kugelschreiber für zwölf Rappen zahlt nicht auf die Marke ein. Qualität zählt mehr als Menge. Eine Privatbank beispielsweise verschenkt nichts Beliebiges, sondern etwas Wertiges. Das ist ein klares Umdenken.
Wegwerfartikel als Give-aways verlieren an Bedeutung. Gefragt sind langlebige Alltagsgegenstände, Produkte, die man wirklich nutzt. Ein Werbeartikel muss im Alltag funktionieren. Dann bleibt er – und mit ihm die Marke.
Ein zweiter Treiber ist das Employer-Branding. Unternehmen investieren bewusst in Wertschätzung für Mitarbeitende. Sie wollen gute Fachkräfte gewinnen und halten. Dafür setzen sie auf hochwertige, sinnvolle Produkte – nicht als Streuartikel, sondern als Zeichen der Anerkennung.
Olin Bartlome: Bei Werbeartikeln denken viele zuerst an Kugelschreiber. Wie es Urs Germann sagt, hat sich das in den letzten Jahren – dank dem stark wachsenden gesellschaftlichen Bewusstsein für Umweltschutz – stark verändert. Es geht um Ressourcenmanagement, erneuerbare Materialien und Qualität. Um Wertschätzung. Um Bindung. Das ist ein klarer Wandel.
Greenwashing – wo beginnt Glaubwürdigkeit?
Olin Bartlome: Ich sage es provokativ: Selbst Greenwashing ist oft ein Anfang. Firmen tun das, nicht selten unbewusst, weil sie das Fachwissen noch nicht haben. Es zeigt, dass zumindest über Nachhaltigkeit nachgedacht wird. Darauf kann man aufbauen. Wir sehen beispielsweise bei FSC: Manche nutzen das Logo unerlaubterweise. Wir weisen sie darauf hin. Viele korrigieren es sofort und werden Teil der FSC-Familie. Übrigens: Grössere Unternehmen können sich einen echten
Vertrauensverlust durch vorsätzliches Greenwashing kaum leisten. Er kostet mehr als ehrliche Nachhaltigkeit.
Urs Germann: Ein Imageschaden bleibt lange. Viele Firmen zahlen lieber mehr und sind auf der sicheren Seite.
Klarheit statt Unsicherheit
Warum ist FSC Jahresthema 2026 bei PromoSwiss?
Urs Germann: Ein Verband muss führen. Früher hatten wir viele kleine Themen. Heute setzen wir einen klaren Fokus. Ein Jahresthema bleibt hängen. Beim Thema FSC herrscht Unsicherheit. Wer braucht eine Lizenz? Der Hersteller? Der Händler? Beide? Hier schaffen wir gemeinsam mit FSC Schweiz Klarheit. Das ist unsere Aufgabe.
Was bietet FSC der Branche konkret?
Olin Bartlome: Sicherheit. Das System ist klar: Der Wald ist zertifiziert. Jedes Glied der Lieferkette ist zertifiziert. So bleibt das Material rückverfolgbar. Im Werbeartikelbereich sehe ich grosses Potenzial für wertige, zertifizierte Holzprodukte. Das beginnt beim Bleistift und reicht bis zum edlen Messer mit Holzgriff. Auch schönes Briefpapier, personalisierte Grusskarten oder Verpackungen können zertifiziert sein. Selbst Honig – ein immer gerne gesehenes Geschenk – kann FSC-zertifiziert sein.
Blick nach vorne
Wie sieht die Branche in fünf Jahren idealerweise aus?
Urs Germann: Prognosen sind schwierig, aber eines ist klar: Nachhaltigkeit wird Standard. Wer sich nicht bewegt, verschwindet vom Markt. Der Kunde entscheidet.
Olin Bartlome: Das Nachhaltigkeitsthema und der damit einhergehende Naturschutz bleiben der Gesellschaft sowie den Konsumentinnen und Konsumenten wichtig. Auch in der Schweiz spüren wir den Klimawandel deutlich. Vor allem die jüngere Generation wird dieses Thema prägen – weil sie mit seinen Folgen lebt. Und ohne gesunde, klimaresistente Wälder haben wir ein Problem.
Warum liegt der Schutz der Wälder im Interesse von uns allen?
Olin Bartlome: Wälder sind unsere Lunge. Sie nehmen CO2 auf und geben Sauerstoff ab. Ohne sie funktioniert unser Ökosystem nicht. Sie liefern uns zugleich einen Werkstoff, den wir im Zusammenhang mit Netto-Null dringend brauchen. Aber wir müssen ihn verantwortungsvoll nutzen.
Urs Germann: Wir haben nur eine Erde.
30.04.2026
Verbandspartner
Nachhaltige Werbeartikel zeigen Haltung
Werbeartikel gelten oft als kurzlebig. Doch der Markt hat sich verändert. Heute zählen Herkunft, Material und Sinn.
Nachhaltigkeit ist kein Extra mehr. Sie wird erwartet. Was bedeutet das für eine Branche, die Marken sichtbar macht? Und welche Rolle spielt FSC (Forest Stewardship Council) dabei? Darüber sprechen Urs Germann, Präsident von PromoSwiss, und Olin Bartlome, Geschäftsführer von FSC Schweiz. Ein Gespräch über Verantwortung und Glaubwürdigkeit.
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