Welches waren die drei Marken-Ikonen in Ihrer Kindheit oder Jugend?
Rivella – das gab es bei uns nur am Sonntag zum Zmittag. Ein Genuss, der bis heute für mich nach Familie, Ausflügen und dieser ganz besonderen Sonntagsstimmung schmeckt. Ein einzigartiger Geschmack, Swissness pur – sogar eine gute schwedische Freundin, die zehn Jahre in der Schweiz gelebt hat, kommt heute regelmässig zurück und nimmt jedes Mal Rivella mit nach Hause.
Celine – unvergessen: die Celine-Schuhe meiner Grossmutter, gemeinsam gekauft in Paris. Von klein auf fuhr ich jedes Jahr mit meinen Grosseltern nach Paris; wir besuchten meinen Onkel, der mitten in der Stadt auf der Île de la Cité wohnte, und ich bekam einen ersten Eindruck von dieser Welt aus Eleganz, Kultur und französischem Savoir-vivre. Celine steht für mich für zeitlose Eleganz, leise Stärke und die Kunst, Schönheit nicht laut, sondern selbstverständlich wirken zu lassen – ein Gefühl von Paris, das bleibt. Bezirkssparkasse Uster (heute Bank BSU) – die Erinnerungen an mein Sparbüchlein sind noch ganz lebendig. Der jährliche Gang zur Bank mit meinem Grossvater, das Rattern der Geldzählmaschine, der neue Eintrag mit der gewachsenen Summe – das war mein erster, sehr konkreter Kontakt mit Geld. Diese Besuche haben mir früh gezeigt, dass Banking etwas sehr Persönliches sein kann: geprägt von Vertrauen, Ritualen und Menschen.
Mit welchem Produkt, mit welcher Marke beginnt Ihr Tag am Morgen und endet der Tag am Abend?
Ohne Lippenstift – immer Dior Rouge 999 – gehe ich morgens nicht aus dem Haus; und der Tag endet mit einem letzten Blick aufs iPhone, das leider noch immer Gastrecht im Schlafzimmer hat.
Welches Produkt oder welche Firma steht heute für exzellentes Marketing?
Hermès – Meister der strategischen Verknappung: Handwerkskunst, gelebte Tradition und disziplinierte Markenführung schaffen Markenbindung über Generationen. Diese Konsequenz macht Hermès für mich zum Referenzbeispiel für langfristig aufgebaute statt kurzfristig erkaufte Begehrlichkeit – das Armband mit Hufeisen-Motiv, das ich von meiner Grossmutter erhalten habe, ist dafür mein persönlichster Beweis.
Bühler – B2B-Exzellenz auf Weltmarktniveau: Innovationsführerschaft, nachhaltige Industriekompetenz und eine Arbeitgebermarke, die Technologie greifbar macht. Bühler zeigt, wie B2B-Marken mit klarer Story und Haltung weit über Fachkreise hinaus Relevanz entfalten können. Der Besuch am Hauptsitz in Uzwil macht das greifbar: Die Innovationskraft und die Verbundenheit der Mitarbeitenden sind spürbar – und ansteckend.
Was mich bei Figma fasziniert: Community als Wachstumsmotor. Radikale Nutzerzentrierung, eine global skalierende Community und «user love» als Treiber der «product-led growth». Hier wird Marketing gewissermassen zur Verlängerung des Produkts: Community, Produkt und Marke zahlen konsequent auf dasselbe Erlebnis ein.
Welche Geschäftsidee oder welches Produkt hat Sie in letzter Zeit am meisten begeistert?
Neon – radikal entstaubtes Banking. Ein echtes Vergnügen, mein unverzichtbarer Compagnon, insbesondere im Ausland.
Zak von Bank Cler – smarte, konsequent digitale Lösungen mit klarer Markenstrategie. «Banking, das fast schon Spass macht» ist für eine Bank ein ungewöhnlich ehrlicher Satz.
Und immer wieder TWINT – ob im Kafi, im Hof-Lädeli oder für Peer-to-Peer-Zahlungen: eine Lösung, die im Schweizer Alltag einfach nicht mehr wegzudenken ist.
Welcher Marketing-Trend oder welches Marketing-Thema ist für Sie momentan am wichtigsten?
Ich erlebe es täglich in meinem Team: AI verändert nicht nur, was wir tun, sondern auch, wie wir denken. Recherchen, die früher Stunden dauerten, sind in Minuten erledigt. Das schafft Raum für das, was wirklich zählt – Haltung, Narrativ, echte Relevanz. Denn ich bin überzeugt: Glaubwürdige Narrative und echte Authentizität wirken stärker als perfekt inszenierte, aber austauschbare Inhalte. Reputation und Vertrauen sind kein Nice-to-have, sondern strategische Assets – gerade in einem Umfeld, in dem Sicherheit und Compliance nicht verhandelbar sind.
Wie kommunizieren Sie hauptsächlich mit Ihrer Kundschaft (direkter Kundenkontakt, Social Media etc.)?
Ich merke immer wieder: Das stärkste Signal kommt von einem Gespräch mit einem Kunden. Das ist für mich der Massstab. Digital skaliert und verstärkt, persönlich überzeugt. Thought Leadership ist kein Kanal, sondern Haltung – wer echte Expertise teilt, schafft Vertrauen, bevor das erste Gespräch stattfindet.
Wo sehen Sie für Ihr Unternehmen künftig die grössten Chancen?
Unsere grösste Chance liegt in der Kombination, die uns auszeichnet: technologische Stärke und echte Kundennähe. AI gibt uns die Mittel, relevanter und präziser zu werden – aber das ist kein Selbstläufer, weil sich diese Technologie permanent verändert. Deshalb braucht es Neugier, Bescheidenheit, die Bereitschaft, zu experimentieren und täglich dazuzulernen.
Wo sehen Sie für Ihr Unternehmen künftig die grössten Risiken?
Was mich wach hält: Vertrauen ist keine Selbstverständlichkeit – es kann in Sekunden beschädigt werden.
AI ist zugleich Chance und Risiko. Entscheidend ist nicht, ob man sie nutzt, sondern wie verantwortungsvoll und wie strategisch man sie einsetzt – als Teil des Security-Tech-Konzerns Giesecke+Devrient verfügen wir über das richtige Umfeld, um diesen Wandel sicher zu gestalten.



