Die Digitalisierung schreitet voran, die Individualisierung erfasst viele Lebensbereiche, Vermögen ist ungleich verteilt – damit öffnet sich die gesellschaftliche Schere: Während manche Menschen selbstverständlich Ferien machen und an Bildung, Kultur und digitalem Leben teilhaben, bleiben andere zunehmend ausgeschlossen. Umso wichtiger sind Initiativen, die gezielt Brücken bauen und allen Menschen echte Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Hier setzt das Migros-Kulturprozent mit vielfältigen Initiativen an: Es unterstützt niederschwellige Projekte, die dazu beitragen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und möglichst vielen Menschen ein aktives Mitwirken am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.
Eine zentrale Rolle im heutigen Alltag nehmen digitale Geräte ein: um Zahlungen zu erledigen, Bahnbillette zu lösen, einen Job zu suchen oder mit Freunden zu kommunizieren. Doch ungefähr 30 Prozent der Schweizer Bevölkerung fehlen digitale Grundkompetenzen. Insbesondere Menschen, die armutsbetroffen oder armutsgefährdet sind, haben häufig geringe digitale Fähigkeiten oder beschränkten Zugang zu Geräten.
Digitale Hindernisse abbauen
Das Migros-Kulturprozent unterstützt deshalb Projekte, welche die Chancengerechtigkeit im digitalen Raum fördern. Die aktuelle, noch bis zum 18. August 2026 laufende Ausschreibung «Digitale Teilhabe» sucht Vereine und gemeinnützige Organisationen, die ein Projekt entwickeln, das digitale Hindernisse für armutsbetroffene und armutsgefährdete erwachsene Personen abbaut oder ihnen einen neuen, einfacheren Zugang zu digitalen Angeboten gibt.
Die Ausschreibung knüpft an die erfolgreiche Ausschreibung «Rein ins Netz!» an, mit der das Migros-Kulturprozent im vergangenen Jahr 45 Organisationen aus der ganzen Schweiz mit insgesamt 362 205 Schweizer Franken gefördert hat. «Mit der neuen Ausschreibung «Digitale Teilhabe» setzen wir auf Projekte, die gemeinsam mit Betroffenen entwickelt werden. Für uns stehen gute Projektideen und echte Mitgestaltung gleichermassen im Zentrum», sagt Isabelle Ruckli, Themen- und Projektleiterin bei der Direktion Engagement Gruppe beim Migros-Genossenschafts-Bund. «Damit diese Zusammenarbeit gelingt, stellen wir finanzielle Mittel und Begleitung bereit.»
Duttweilers Weihnachtsgeschenk
Das Kontrastprogramm zur digitalen Welt sind Orte, an denen der Blick nicht auf den Bildschirm fällt, sondern ins Blätterdach oder auf eine Blumenwiese: Das Migros-Kulturprozent finanziert und betreibt mit den jeweiligen Migros-Genossenschaften vier grosse Ausflugs-Pärke, die solche Erlebnisse im Grünen ermöglichen: den «Park im Grüene» in Rüschlikon ZH, den «Gurten-Park im Grünen» auf dem Berner Hausberg Gurten, den «Park im Grünen – Grün 80» auf dem Areal der ehemaligen Grossausstellung Grün 80 in Münchenstein bei Basel und den «Parc Pré Vert du Signal de Bougy» oberhalb von Aubonne VD am Genfersee.
Der «Park im Grüene» in Rüschlikon, hoch über dem Zürichsee gelegen, ist so etwas wie die Geburtsstätte dieses schweizweit einzigartigen Park-Netzes: Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler und seine Frau Adele erwarben das Areal in mehreren Schritten und schenkten es am 24. Dezember 1946 dem Migros-Genossenschafts-Bund. Ab Juli 1947 stand der Park zunächst den Genossenschafterinnen und Genossenschaftern der Migros zur Verfügung und wenig später der gesamten Öffentlichkeit.
Der Park ist frei zugänglich, täglich geöffnet – und lädt auf einer Fläche von fast sieben Fussballfeldern zum Herumtollen, Ausspannen und Picknicken ein. Grosszügige Rasenflächen, imposante Baumgruppen, ein idyllischer Weiher und eine spektakuläre Weitsicht machen ihn zu einem populären Naherholungsgebiet. «Unser Park bietet Freiraum, den alle Besucherinnen und Besucher kostenlos nutzen dürfen», sagt Petra Kübler, die Leiterin des Parks bei der Migros-Genossenschaft Zürich. Das sei wichtiger denn je, denn Grünräume sind ein rares Gut – gerade in Städten und Agglomerationen, wo immer verdichteter gebaut wird.
Spielen, plaudern, Kasperlitheater schauen
Beim Parkeingang hat sich eine Gruppe von Frauen versammelt, deren Kinder miteinander Fangen spielen. «Wir treffen uns jede Woche ein, zwei Mal hier», erzählt eine von ihnen. «Die Kinder finden den Spielplatz super – und wir Erwachsenen können uns im Depot einen Liegestuhl holen, wenn wir wollen.» Jahr für Jahr besuchen rund eine Million Menschen den «Park im Grüene». «Die meisten kommen aus den umliegenden Gemeinden – und viele sind Familien mit kleinen Kindern», sagt Petra Kübler.
Die vier Pärke im Grünen bieten aber mehr als bloss Grünräume, auf denen Menschen sich ungezwungen bewegen, ausruhen oder soziale Kontakte pflegen dürfen. «Wer will, hat bei uns auch die Chance, etwas zu erleben», sagt Petra Kübler. Von Mitte März bis Mitte Oktober wird beispielsweise in Rüschlikon drei Mal pro Woche ein Kasperlitheater aufgeführt. Und im Sommer gibt es kulturelle Veranstaltungen wie eine Kriminacht oder das Parkfest mit einer Wasser- und Feuershow. «Es sind sehr niederschwellige Angebote», sagt Petra Kübler. «Interessierte sollen einfach kommen und teilnehmen können.»
Natur erleben
Ein gemeinsames Angebot der vier Pärke ist der Erlebnisweg «Natur. Und du?». Dieses Projekt des Migros-Kulturprozents und des Stapferhauses in Lenzburg AG lädt an fünf Erlebnisstationen dazu ein, ins Thema Natur einzutauchen. Es startete im vergangenen Jahr in Münchenstein und war danach auf dem Gurten und in Rüschlikon zu Gast. Momentan, und noch bis zum 31. Oktober 2026, läuft «Natur. Und du?» auf dem Signal de Bougy.
Die Stationen lassen sich auf eigene Faust oder auf einem kostenlosen, geführten Rundgang besichtigen. Sie bieten viel Wissenswertes über unsere Beziehung zur Natur: Wer hätte schon gewusst, dass alle Mikroorganismen, die im menschlichen Darm leben, zusammen das Gewicht von sieben Bananen erreichen? An sämtlichen Erlebnisstationen gilt es zudem, die eigenen Sinne zu benutzen: von der Spurensuche im Sand bis zum Tierstimmen-Quiz.
Spielpark und Riesenkugelbahn
Die Verknüpfung von Freiräumen mit niederschwelligen Erlebnis-Welten ist ein Markenzeichen der vier «Parks im Grünen». Auch der «Gurten-Park im Grünen» setzt auf ein ganzes Mosaik von Angeboten, wie Geschäftsführer Patrick Vogel erzählt. «Die Besucherinnen und Besucher können einerseits auf grossen Rasenflächen herumrennen, Fussball spielen, Frisbees werfen und an Grillstellen miteinander ins Gespräch kommen», sagt er. Andererseits gibt es Angebote wie die Rodelbahn, den Spielpark oder die 300 Meter lange Kugelbahn.
Den Gegenpol zu den lebhaften und quirligen Parkteilen bildet eine Nachhaltigkeitszone mit lauschigen Plätzchen unter Schatten spendenden Bäumen und an blumenreichen Wiesen. «Hierhin zieht es Menschen, die einfach nur einen Moment der Ruhe suchen», sagt Patrick Vogel. Die Vielfalt der Angebote, aber auch deren klare Trennung, seien wichtig und geschätzt. «Man kann bei uns praktisch alles haben – aber nicht alles überall.»
In den Gurten-Park pilgern – ähnlich wie in Rüschlikon – Jahr für Jahr rund eine Million Menschen. Auch hier stammt ein Grossteil der Besucherinnen und Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung. Gerade für Familien, die sich nicht jedes Wochenende einen Städtetrip oder einen Zoobesuch leisten können, ist ein kostengünstiges Naherholungsgebiet wertvoll. «Wir haben Verpflegungsangebote für jedes Budget – vom Takeaway bis zum À-la-carte-Restaurant», sagt Patrick Vogel. Und wer will, darf natürlich auch ein Sandwich mitbringen oder eine Bratwurst auf den Grill legen. Den Ausflug in einen «Park im Grünen» sollen sich alle leisten können.
Weitere Infos:
· Parks im Grünen: www.parkimgruene.ch, www.gurtenpark.ch,
www.parkimgruenen.ch,
www.signaldebougy.ch
· Erlebnisweg «Natur. Und du?»
www.engagement.migros.ch/natur
· Ausschreibung Digitale Teilhabe:
engagement.migros.ch/digitale-teilhabe

