09.02.2024

Süddeutsche Zeitung

Alexandra Föderl-Schmid lebend gefunden

Nach einer stundenlangen Suchaktion ist die vermisste stellvertretende Chefredaktorin stark unterkühlt aufgefunden worden. Vorher gab es eine «Hetzjagd» gegen die Journalistin wegen Plagiatsvorwürfen.
Süddeutsche Zeitung: Alexandra Föderl-Schmid lebend gefunden
Alexandra Föderl-Schmid im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Frühling 2023 im Parlament in Wien. (Bild: Keystone)

Die vermisste stellvertretende Chefredaktorin der Süddeutschen Zeitung ist am Freitagvormittag lebend aufgefunden worden. Ein österreichischer Polizist entdeckte sie stark unterkühlt unter einer Brücke. Die Polizei bestätigte das Auffinden einer 53-jährigen Vermissten gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Laut Kronen Zeitung handelt es sich um die stellvertretende Chefredaktorin der Süddeutschen Zeitung und Ex-Standard-Chefredaktorin, Alexandra Föderl-Schmid. Sie wurde in ein Spital eingeliefert.

Vorausgegangen war eine am Donnerstag eingeleitete, gross angelegte Suchaktion von Einsatzkräften am Inn an der Grenze zwischen Österreich und Bayern. Zahlreiche Medien aus Deutschland und Österreich hatten über das Verschwinden der prominenten Journalistin berichtet.

Föderl-Schmid zog sich am Montag vorübergehend aus ihrer operativen Tätigkeit bei der Süddeutschen Zeitung zurück, nachdem Vorwürfe zu ihrem Umgang mit der Zitierung von Quellenmaterial in journalistischen Texten laut geworden waren.

Überdies war bekannt geworden, dass das rechtspopulistische Portal Nius – bei dem unter anderen der einstige Bild-Chefredaktor Julian Reichelt an Bord ist – beim sogenannten «Plagiatsjäger» Stefan Weber bereits vergangenen Dezember eine Prüfung von Föderl-Schmids Dissertation in Auftrag gegeben hatte.

Die Chefredaktion der SZ reagierte auf Artikel im Branchenportal Medieninside, in dem interne Informationen veröffentlicht wurden. Sie liess überprüfen, ob es Datenverkehr zwischen den IP-Adressen der Redaktion und des Branchendienstes gegeben hat. Dies sorgte für Kritik (persoenlich.com berichtete).

«Hetzjagd» auf eine «Herausragende»

Der Salzburger Kommunikationswissenschafter warf der Journalistin zuletzt mehrere «Plagiatsfragmente» in ihrer 1996 an der Uni Salzburg eingereichten Arbeit vor. In der Folge machten sich zuletzt aber mehrere Stimmen für Föderl-Schmid stark.

So auch das Frauennetzwerk Medien und der Presseclub Concordia: Sie bezeichneten Föderl-Schmid als «herausragende Journalistin», die einer «unvergleichlichen und durch nichts zu rechtfertigenden Hetzjagd» ausgesetzt gewesen sei. «Die akkordierte Kampagne von unverantwortlichen Boulevardmedien, Propaganda-Plattformen und selbsternannten ‹Plagiatsjägern› sind gezielte Angriffe auf Qualitätsmedien, um kritische Berichterstattung zu verhindern oder unglaubwürdig zu machen», hielten die beiden Organisationen fest. (sda/apa/wid)



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