03.07.2024

SRF

Bessere Sichtbarkeit oder versteckte Sparmassnahme?

Das Schweizer Fernsehen zeigt die Halbfinale und das Finale der Fussball-Euro neuerdings auf SRF 1. Die offizielle Begründung überzeugt Fachleute nicht. Der Kanalwechsel könnte sich sogar als kontraproduktiv erweisen.
SRF: Bessere Sichtbarkeit oder versteckte Sparmassnahme?
Wenn es die Schweizer Nati ins Halbfinale der Fussball-Euro schafft, dann wird man sie neu auf SRF 1 und nicht wie in den Turnieren davor auf SRF zwei sehen. (Bild: SRF)

Der Schritt sorgt für Fragezeichen und Kopfschütteln. Was bringt es dem Schweizer Fernsehen, wenn es die letzten drei Spiele der Fussball-Euro – die beiden Halbfinale und das Finalspiel nächste Woche – auf SRF 1 zeigt anstatt wie alle bisherigen Partien auf SRF zwei? Die Schweiz am Wochenende machte diese Massnahme am letzten Samstag publik. SRF begründet auf Anfrage von persoenlich.com die Umplatzierung mit «mehr Sichtbarkeit». Der erste Kanal SRF 1 sei «im Schnitt der reichweitenstärkere TV-Sender».

Grössere Reichweite und mehr Sichtbarkeit heisst im Idealfall mehr Werbegeld. Doch gleichzeitig ist SRF zwei der Sportkanal, der immer wieder Top-Werte erzielt. Von den zehn SRF-Sendungen mit dem grössten Publikum seit 2013 liefen neun auf SRF zwei, alles Fussballspiele der Schweizer Nationalmannschaft an Welt- und Europameisterschaften. Auch an der Weltmeisterschaft 2022 in Katar zeigte SRF alle Spiele auf dem zweiten Kanal. Die Frage, was sich seither geändert haben sollte, dass man zur Ansicht gelangte, mit einer Umplatzierung ein grösseres Publikum zu erreichen, konnte oder wollte SRF nicht beantworten. Auch ist SRF allein mit diesem Schritt innerhalb der SRG. In der Westschweiz und im Tessin zeigen RTS, respektive RSI alle Euro-Spiele auf ihren zweiten Kanälen.

Von persoenlich.com befragte TV-Spezialisten aus dem Bereich Mediaplanung, die sich tagtäglich mit Kanälen und Reichweiten befassen, sehen keine Indizien, die darauf hinweisen, dass mit dem Kanalwechsel bessere Quoten erzielt werden können. Von einer Steigerung der Einschaltquoten könne nicht unbedingt ausgegangen werden. Sogar das Gegenteil könnte der Fall sein, wenn Leute, die gewohnheitsmässig auf SRF zwei einschalten, den ersten Werbeblock verpassen, bis sie begriffen haben, dass das Spiel nun anderswo läuft.

Der Grund für die ungewöhnliche Programmmassnahme könnte also anderswo liegen. Mit der Ausstrahlung der drei Spiele auf SRF 1 fallen dort mehrere Nachrichtensendungen aus, etwa zwei Ausgaben von «10 vor 10» und zwei «Newsflash»-Sendungen. Nichts Neues, teilt SRF mit. Bei Spezialsendungen, wie «Davos 1917» oder «Schweiz, wie geht's?» sei das Programm auch schon umgestellt worden – nicht aber bei Fussballturnieren. SRF bestätigt auf Anfrage, dass durch den Ausfall der Sendungen «weniger Personal- und Produktionskosten anfallen». Dies genau zu beziffern, sei «aber weder möglich noch sinnvoll». Aber um eine Sparmassnahme handle es sich nicht. 


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