16.11.2023

Guardian

Bin-Laden-Brief von Webseite entfernt

Die britische Zeitung hatte im Jahr 2002 über den «Brief an das amerikanische Volk» des früheren Al-Kaida-Chefs berichtet und ihn komplett veröffentlicht. Nun wurde er mehrfach ohne den ursprünglichen Kontext auf Social Media geteilt.
Guardian: Bin-Laden-Brief von Webseite entfernt
Ein Bild des 2011 getöteten Al-Qaida-Chefs Osama Bin Laden auf der Front einer pakistanischen Zeitung. (Bild: Keystone)

Die britische Zeitung Guardian hat die Übersetzung eines Pamphlets von Osama bin Laden von seiner Webseite entfernt, weil der Text ohne den ursprünglichen Kontext häufig auf sozialen Medien geteilt wurde. Die Zeitung hatte im Jahr 2002 über den auf Arabisch verfassten «Brief an das amerikanische Volk» des früheren Chefs der Terrororganisation Al-Kaida berichtet und ihn in englischer Übersetzung komplett veröffentlicht.

In dem Text legt der Planer der Terroranschläge vom 11. September 2001 seine von islamischem Fundamentalismus und Antisemitismus geprägte Weltsicht dar und droht mit weiteren Gewalttaten. Bin Laden wurde 2011 in Pakistan von US-Spezialkräften getötet.

Offenbar stiess sein Pamphlet mehr als 20 Jahre nach der Veröffentlichung im Guardian auf erhöhtes Interesse. «Das auf unserer Webseite veröffentlichte Transkript wurde ohne den vollständigen Kontext häufig auf sozialen Medien geteilt. Deswegen haben wir uns entschlossen, ihn herunterzunehmen und Leser stattdessen zu dem Bericht weiterzuleiten, in dem er in Kontext gesetzt wurde», hiess es auf der Guardian-Webseite am Mittwoch.

Was genau hinter den erhöhten Aufrufen steckte, blieb zunächst unklar. Auf dem Kurznachrichtendienst X (vormals Twitter) und anderen sozialen Medien machten Berichte die Runde, der Bin-Laden-Text werde von Palästina-Unterstützern in den USA gefeiert. Als Beleg wurden angebliche TikTok-Videos gepostet, in denen junge Menschen zum Lesen des Briefs aufriefen. Verschiedene Medien griffen das Thema auf.

Eine TikTok-Sprecherin sagte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, die Anzahl der genannten Videos auf TikTok sei gering. Berichte über einen Trend seien unzutreffend. Sie fügte hinzu: «Inhalte, die für diesen Brief werben, verstossen eindeutig gegen unsere Regeln, die die Unterstützung jeglicher Form des Terrorismus untersagen. Wir entfernen diese Inhalte proaktiv und aggressiv und untersuchen, wie sie auf unsere Plattform gelangt sind.» (sda/dpa)


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