13.04.2026

Lokaljournalismus-Debatte

Bruno Hug mischt sich in den Streit ein

Lokaljournalismus sei schon lange eine Lüge, sagt Portal24.ch-Verleger Bruno Hug in einem NZZ-Interview und unterstützt damit Ringier-CEO Marc Walder.
Lokaljournalismus-Debatte: Bruno Hug mischt sich in den Streit ein
Verleger Bruno Hug (hier 2021) stellt fest: Lokale Nachrichtenportale erreichen zwar mehr Leute, erzielen aber weniger Umsatz als Print. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Die Zukunft des Lokaljournalismus in der Schweiz sorgt für anhaltende Diskussionen. Auslöser ist eine umstrittene Prognose von Ringier-CEO Marc Walder.  In einem Interview mit der NZZ am Sonntag stellte Walder die These auf, dass langfristig nur noch wenige grosse Medienmarken wie Blick, 20 Minuten, die Neue Zürcher Zeitung und die gebührenfinanzierte SRG im digitalen Raum bestehen werden, während Regionalmedien zunehmend verschwänden. In einem scharfen LinkedIn-Beitrag hatte CH-Media-Chefredaktor Patrik Müller Walder widersprochen (persoenlich.com berichtete). 

Verschärfung der strukturellen Probleme

Rückendeckung erhält Walder nun vom Rapperswiler Verleger Bruno Hug. Er bestätigt die schwierige wirtschaftliche Lage und spricht von strukturellen Problemen, die sich in den vergangenen Jahren verschärft hätten. Insbesondere die Digitalisierung habe das Geschäftsmodell lokaler Medien grundlegend verändert: Während Printprodukte früher stabile Einnahmen aus Inseraten generierten, liege das Niveau der Online-Werbung nur noch bei einem Bruchteil davon. Gleichzeitig seien viele Leserinnen und Leser nicht bereit, für lokale Online-Inhalte zu bezahlen. 

Deutlich tieferer Umsatz

Hug verweist auf eigene Erfahrungen: Trotz deutlich höherer Reichweite seiner digitalen Portale im Vergleich zur früheren Printzeitung liege der Umsatz heute massiv tiefer. Zur Erinnerung: Hug war einer der ersten Gratiszeitungsverleger der Schweiz und gab unter anderem für das obere Zürichseegebiet die Obersee Nachrichten heraus. Dieses Missverhältnis zwischen Nutzung und Ertrag bringe viele Anbieter in eine wirtschaftliche Abwärtsspirale, folgert Hug. Auch grössere Verlagshäuser wie CH Media oder Tamedia stünden vor ähnlichen Herausforderungen und hätten bereits mit Zentralisierungen und Sparmassnahmen reagiert, was häufig zulasten der lokalen Berichterstattung gehe.

Hugs Fazit: «Unabhängige digitale Lokal- und Regionalmedien lassen sich praktisch nicht mehr finanzieren». So bringe Online-Werbung im Vergleich zum Print nur noch fünf Prozent an Erlösen ein. Lediglich in den grossen, meist linksregierten Städten gäbe es linke Lokalmedien, die aus ideologischen Gründen unterstützt würden. In kleineren Städten oder auf dem Land funktioniere das nicht. Die 25 Portale, die mittlerweile zu seinem Verbund gehörten, könne er nur finanzieren, weil er ein «leidenschaftlicher Verleger» sei. Sein Ziel sei es aber, durch strenges Kostenmanagement und zunehmende Automatisierung in die Gewinnzone zu kommen, so Hug in der NZZ.

Wird demokratischer Rolle kaum mehr gerecht

Besonders provokant ist Hugs Kritik am Zustand des Lokaljournalismus selbst. Er stellt infrage, ob dieser seiner demokratischen Rolle noch gerecht wird, und bemängelt eine oft zu grosse Nähe zu Behörden sowie mangelnde kritische Recherche. Gleichzeitig betont er jedoch die grundsätzliche Bedeutung lokaler Medien für die öffentliche Meinungsbildung, die politische Kontrolle sowie das gesellschaftliche Leben in Regionen. Hug verweist darauf, dass es dank der Berichterstattung auf seinem Portal linth24.ch zu einem Stadtpräsidentenwechsel in Rapperswil gekommen sei.

Stärkere Förderung durch Gemeinden und Kantone

Als möglichen Ausweg bringt Hug eine stärkere Förderung durch Gemeinden und Kantone ins Spiel. Lokale Unterstützung könne gezielter zur Medienvielfalt beitragen als nationale Subventionen, die seiner Ansicht nach vor allem grossen Verlagshäusern zugutekämen. Ohne neue Finanzierungsmodelle drohe jedoch ein weiterer Rückgang unabhängiger Lokalmedien – mit potenziell weitreichenden Folgen für die demokratische Öffentlichkeit in der Schweiz. (ma)


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