06.04.2026

Medienzukunft

Walder-Prognose stösst auf heftigen Widerspruch

Ringier-CEO Marc Walder sieht keine Zukunft für Regionalzeitungen im Digitalen. Jetzt wehrt sich Patrik Müller mit einer scharfen Replik.
Medienzukunft: Walder-Prognose stösst auf heftigen Widerspruch
«Was erreicht man mit diesen Niedergangsprognosen?»: Patrik Müller widerspricht Marc Walder. (Bild: ©Severin Bigler/SMF)

Ringier-CEO Marc Walder wagt eine düstere Prognose. In einem Interview mit der NZZ am Sonntag begründet er zum einen den Abgang von Familienmitglied Robin Lingg aus dem Unternehmen (persoenlich.com berichtete), zum andern gibt er seine Einschätzung über den Schweizer Medienmarkt wieder. Gemäss Walder werden langfristig nur drei Digitalmarken überleben: «Die NZZ, der Blick und 20 Minuten. Und – subventioniert – natürlich SRF.ch», so der Ringier-CEO. Regionale Anbieter hätten langfristig keine Chance. Walder begründet seine These mit dem Aufkommen von KI, der fehlenden Zahlungsbereitschaft der kommenden Generation und der weiter wachsenden Dominanz der globalen Player wie Google, TikTok, Amazon oder Meta.

80 Prozent der Digitalerlöse an internationale Player

Seit 2010 sei der Print-Werbemarkt von 3 Milliarden auf rund 650 Millionen Franken geschrumpft. Im Gegenzug flössen bereits rund 80 Prozent der digitalen Werbegelder an die Digitalkonzerne, was auch Ringier Hunderte von Millionen Franken gekostet hätte. Besonders brisant: Auch Ringier-Zeitschriften wie die Schweizer Illustrierte oder die Glückspost hätten gemäss Walder in der digitalen Welt kaum eine Überlebenschance. «Heute haben wir bei Ringier 120 Medienmarken. In zehn Jahren werden es deutlich weniger sein», so Walder gegenüber der NZZaS. Die Ringier-Gruppe sei nicht länger bereit, defizitäre Zeitungen und Zeitschriften durch Erträge aus dem Digitalgeschäft zu subventionieren.

Patrik Müller hält dagegen

In einem Beitrag auf LinkedIn wehrt sich Patrik Müller, Chefredaktor der CH-Media-Zeitungen und der Schweiz am Wochenende, gegen Walders Einschätzung. «Was erreicht man mit diesen Niedergangsprognosen (auch für die eigenen Titel wie Schweizer Illustrierte etc.)?», schreibt Müller, «wohl nicht mehr als Demotivation von Journalisten.»

Der Leiter der reichweitenstärksten Schweizer Bezahlzeitung stört sich vor allem zum «Abgesang der Regionalmedien». Es gelänge beispielsweise CH Media die Printerosion mit Digitalabos abzufangen. «Was vor einiger Zeit noch unrealistisch schien, ist jetzt Tatsache: Unser Umsatz ist dank Wachstum im Digitalen nahezu stabil.»

Demokratie ohne Lokalmedien undenkbar

Müller verweist auch auf die Bedeutung der Regionalmedien für die Demokratie auf Kantons- und Gemeindeebene. Eine Demokratie ohne Journalismus auf allen drei Staatsebenen sei nicht denkbar. Die Politik werde deshalb langfristig bereit sein, unabhängigen Journalismus zu unterstützen, argumentiert Müller. «KI ist eine Gefahr und eine Chance zugleich», folgert der CH-Media-Chefredaktor in seiner Replik und verweist auf das letztjährige Swiss-Media-Forum, wo der Schweizer Google-Vertreter Urs Hölzle betont habe, dass KI für den Journalismus eine grosse Chance darstelle. Er habe solche «Untergangsprophezeiungen», wie diejenige von Walder schon vor 15 Jahren an den Medienkongressen gehört, so Müller, eingetreten seien sie bis jetzt nicht. (ma)


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