07.07.2024

Einblick in den Alltag

«Dann kommt der Moment, wo es einfach fliesst»

Acht Fragen zum kreativen Schaffen, zum Positiven an Sitzungen oder einem aktuell herausfordernden Projekt: In der zweiten Folge unserer Sommerserie gibt der Magazin-Reporter Christof Gertsch Auskunft. Dabei spricht er den Kolleginnen und Kollegen der SRF-Sendung «Einstein» ein Lob aus.
Einblick in den Alltag: «Dann kommt der Moment, wo es einfach fliesst»

Wie und wo beginnt Ihr Arbeitsalltag am Morgen?
Meistens auf dem Velo, wenn ich von der Kita in ein Kaffee fahre und Podcast höre. Ich habe ein, zwei Lieblingscafés, wo ich häufig arbeite und mich meistens bis am Mittag versäume. Das klingt jetzt so reporterhaft. Aber meine Tage sind über die Woche gesehen selten gleich. Ich arbeite zu Hause, ich arbeite in meinem kleinen Büro in Bern oder ich gehe zu Tamedia nach Zürich.

Was hat sich in den letzten fünf Jahren an Ihrem Job positiv verändert?
Ganz konkret: Das Magazin-Team hat sich gut entwickelt. Es sind coole, junge Leute dazugekommen und wir sind noch mehr zu einem Team gewachsen. Und grundsätzlich: Dass es bei Tamedia trotz immer schwierigeren Rahmenbedingungen noch möglich ist, ab und zu ein grösseres, aufwändigeres Projekt zu verfolgen.

Was braucht es, damit Sie in den kreativen Schreibflow kommen?
Als Reporter beschäftigen mich nicht hundert, sondern eher zwölf Themen im Jahr. Die trage ich jeweils oft recht lang mit mir herum, bis ich hinsitze und schreibe. Die Grenzen zwischen Privatem und Beruf verschwimmen bei mir sehr stark. Inzwischen bin ich mir dessen bewusst. Ich kann mich gelassen mit Themen befassen und weiss, dass dann der Moment kommt, wo es einfach fliesst. Zudem finde ich es wahnsinnig befreiend, im Team zu schreiben. Ich mache das immer öfter mit Mikael Krogerus. Es nimmt viel Druck weg und ich kann das allen nur empfehlen.

Was schätzen Sie an Sitzungen am meisten?
Ich finde Sitzungen schön. Beim Magazin kommt das Team alle zwei Wochen zusammen. Für Redaktionsmitglieder wie mich, die etwas weniger in die Produktion involviert sind, ist das jeweils eine gute Gelegenheit, alle vom Team mal wieder zu sehen. Ich freue mich jeweils auf meine Kolleginnen und Kollegen. Wir diskutieren zusammen und graben Geschichten aus. Am Anfang machen wir zum Hallo-Sagen immer eine Check-in-Runde, wo jede und jeder erzählt, was ihn oder sie in den vergangenen Tagen beschäftigt hat. Das wird teils sehr persönlich, auch lustig und kann auch schon mal eine Stunde dauern. Vielleicht entsteht daraus sogar ein Thema für eine Geschichte. Ich selbst hole meine Themen selten an der Sitzung ab, sondern die Ideen entstehen in einem anderen Rahmen. Für mich zählt bei der Sitzung vor allem der soziale Charakter.

Wobei hilft Ihnen KI im Berufsalltag?
Ich habe am Anfang mal etwas rumgespielt. Grundsätzlich habe ich null Abneigung gegenüber künstlicher Intelligenz. Aber ich habe sie bisher nicht in meinen Alltag integriert.

Welches Projekt in letzter Zeit war für Sie eine besondere Herausforderung?
Dieses Projekt befindet sich in der Endphase. Mitte Juli veröffentlichen Mikael Krogerus und ich zusammen mit dem Tamedia-Audioteam und dem Podcast-Team der Süddeutschen Zeitung eine siebenteilige Podcast-Serie. Dieser dreht sich über die schnellste Frau der Welt, Florence Griffith-Joyner, deren Rekord seit 36 Jahren ungeschlagen ist. An diesem Podcast-Projekt arbeiten wir seit eineinhalb Jahren. Dabei bin ich tausend Mal gescheitert, habe tausend Sachen dazugelernt. Wir alle haben stark von der Kooperation profitiert. Und inzwischen habe ich das Gefühl, das kommt gut.

Welches Kompliment würden Sie aktuell einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Branche aussprechen?
Ich finde bei SRF arbeiten extrem viele gute Leute. Ein konkretes Beispiel: Die Sendung «Einstein». Tobias Müller und Kathrin Hönegger machen dort einen hervorragenden Job. Wir von den privaten Medienhäusern haben grosse Hemmungen, uns selbst zum Thema zu machen. Die beiden schaffen es auf diese Weise immer wieder, dem Publikum schwer verständliche Wissenschaftsthemen näherzubringen. Die Sendung mit Mujinga Kambundji und Marlen Reusser zum Spitzensport fand ich von A bis Z gut.

Wollten Sie schon immer Journalist werden, oder welchen Job haben Sie als Jugendlicher auch in Erwägung gezogen?
Mein Bubentraum war es, Pilot zu werden. Den habe ich auch wahr gemacht – und zwar in der Vorbereitung aufs Militär. Ich habe so tatsächlich Fliegen gelernt, bevor ich Autofahren konnte. Auf der ernsthafteren Seite war da der Journalismus. Ich kann schon sagen, dass ich immer Journalist werden wollte. Ich schrieb als 15-Jähriger für das damalige Burgdorfer Tagblatt, als 18-Jähriger für die Berner Zeitung und als 22-Jähriger für die NZZ.



In der Sommerserie «Einblick in den Alltag» beantworten Menschen aus der Medien- und Kommunikationsbranche, die im vergangenen Jahr für ihre Arbeit ausgezeichnet worden sind, acht Fragen zu ihrem Schaffen. Der Magazin-Reporter Christof Gertsch hat den AIPS Sport Media Award in Barcelona erhalten für ein Porträt über den Schwimmer David Popovic. Gertsch arbeitet seit fast acht Jahren als Reporter beim Magazin von Tamedia. Davor schrieb er über mehrere Jahre für die NZZ und die NZZ am Sonntag.

Interessiert Sie die Serie? «Einblick in den Alltag» gewähren im Laufe des Sommers auch folgende Personen:

Mona Vetsch, Reporterin und Moderatorin bei SRF
Andrea Bison, Co-CEO bei Thjnk Zürich
Alexander Fleischer, Leiter Unternehmenskommunikation a. i. bei der Suva
Jana Schmid, Redaktorin bei Hauptstadt
Yvonne Eisenring, Autorin und Podcasterin
Marion Schmitz, stv. Tourismusdirektorin bei Arosa Tourismus
Gabriela Oetliker, Senior Digital Media Consultant bei Jung von Matt Impact


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