Adrian Fetscherin, Sie haben die sportradio.ch AG an Cinetrade/Teleclub verkauft. Wie ist es dazu gekommen?
Wir haben bei unserem Team eine gute Grösse erreicht und auch die Technologie des Streamings ist soweit ausgereift, dass sie mehrheitsfähig ist. Die sportradio.ch AG hat den Beweis erbracht, dass ihr Konzept funktioniert. Dadurch wurden wir für viele Unternehmen interessant. Neben der Cinetrade sind diverse andere Firmen auf uns zugekommen. Mit der Cinetrade als Betreiberin des Fernsehsenders Teleclub hat sich aber eine ideale Kombination ergeben. Teleclub profitiert davon, dass für den Sport kein neuer Online-Auftritt gestaltet werden muss, sporttv.ch profitiert von den Bildrechten des Senders.
War es von Anfang an ihr Ziel, irgendwann mit einem starken Partner sporttv.ch und sportradio.ch auszubauen?
Es ist eine logische Entwicklung. Zum Zeitpunkt der Gründung von sportradio.ch habe ich Firmen für Partnerschaften angefragt. Doch kein Mensch hatte Interesse, weil niemand abschätzen konnte, welche Möglichkeiten in diesem Bereich bestehen. Wir waren der Zeit damals wohl voraus. Jetzt wo sich unsere Idee etabliert hat, kam das Interesse von Unternehmen an der sportradio.ch AG automatisch.
Sie sind nun auch Sportchef von Teleclub. Wie setzt sich ihr Team zusammen?
Bis jetzt hatte Teleclub keine eigene Sportredaktion. Es wurde auf Personal von Ringier TV zurückgegriffen, das bisher für die Fussball-Übertragungen von Sat.1-Schweiz arbeitete. Diese Leute und die bisherigen Mitarbeiter der sportradio.ch AG sind nun bei der Cinetrade angestellt und werden zu einer Redaktion vereint.
Ist die neu geschaffenen Redaktion Ausdruck dafür, dass Teleclub vom Spielfilmsender zum Sportsender werden will?
Teleclub hat vor einem Jahr begonnen, sich als Sportsender zu profilieren. Das heisst aber nicht, dass man das Standbein Film, mit dem Teleclub gross geworden ist, vernachlässigen will. Der Sport ist nun einfach ein weiteres Standbein. Ob neben Fussball und Eishockey noch weiter Übertragungen von Sportarten folgen werden, ist zurzeit Gegenstand von Abklärungen.
Sie moderieren für Presse TV auch noch den "Fussballtalk", der im Hinblick auf die WM ausgebaut werden soll. Verträgt sich das mit ihrem Engagement bei Cinetrade?
Beim Fussballtalk wird es zwar quantitativ mehr Sendungen geben, die Arbeitsbelastung wird aber darüber hinaus nicht grösser. Ich habe sehr viel Zeit in den Aufbau der sportradio.ch AG investiert. Heute läuft der Betrieb recht eigenständig, so dass ich wieder freie Kapazitäten habe.
Werden Sie auch weiter Fussball-Spiele kommentieren?
Das ist der Wunsch von Teleclub. In welchem Ausmass müssen wir noch festlegen.
Wird Nicole Berchtold, die ab Juni bei SF aushilft und "glanz & gloria" moderiert, für die Eishockey-Berichterstattung wieder zu Teleclub zurückkehren?
Dies ist noch nicht geklärt. Von Seiten Teleclub wäre es der Wunsch, dass Nicole Berchtold weiter für das Unternehmen moderieren könnte.
Sport am TV kann der Zuschauer vermehrt nur noch sehen, wenn er dafür bezahlt. Kann Ihnen als Sportfan diese Entwicklung eigentlich gefallen?
Ich begrüsse diese Entwicklung, denn als Free-TV-Sender kann man diese hohe Anzahl an Schweizer-Sportübertragungen gar nicht refinanzieren. Es wäre beispielsweise im Fussball oder Eishockey unmöglich, mehrere Spiele pro Meisterschaftsrunde live zu zeigen.
Vielen ist Pay-TV aber zu teuer.
Dass Pay-TV-Sender wie Teleclub oder Premiere teuer sind, ist ein Vorurteil. Man muss das Preis/Leistungs-Verhältnis sehen. Wenn Sie einen Fussball- oder Eishockeymatch besuchen, müssen sie recht tief in die Tasche greifen. Für das gleiche Geld liefert ihnen Teleclub eine grosse Auswahl an Sportevents nach Hause. Für Sportinteressierte rechnet sich das auf jeden Fall.
Wird Sport zum Luxusgut?
Das ist es ein wenig reisserisch formuliert. Ein Funke Wahrheit ist aber schon dabei. Schuld sind aber weniger die einzelnen Preise, mehr die Quantität der Spiele. Die Schweizer Eishockeymeisterschaft war früher nach 36 Spielen zu Ende. Heute sind wir bei 44 Qualifikationsspielen, beim aktuellen Schweizer Meister HC Davos kamen dann nochmals 19 Playoff-Spiele dazu. Nächste Saison werden es sogar 50 Qualifikationsspiele sein. Als regelmässiger Matchbesucher geht das ins Geld. Damit steht der Sport aber nicht allein, auch die Preise für Eintritte ins Kino oder an Konzerte bewegen sich heute weiter oben.

